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Warum die symptothermale Methode so wenig verbreitet ist (neu betrachtet)

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Letzte Woche fragte ich euch, ob ihr schon einmal einen NFP-Kurs oder eine NFP-Beratung besucht habt, sofern ihr mit der symptothermalen Methode verhütet oder verhütet habt.

1.135 Frauen haben sich beteiligt. 29 davon haben an einem Kurs oder einer Beratung teilgenommen (Beratung: 11, Kurs: 18). Das entspricht einem Anteil von 2,5%. Besonders interessant ist jedoch der Umkehrschluss:

97,5% der Verhüterinnen auf myNFP haben die Methode autodidaktisch erlernt!

Dieses Ergebnis habe ich letztes Wochenende in Berlin bei einer NFP-Fortbildung für Interessierte (Ärzte, Hebammen, Beraterinnen bei profamilia oder ähnlichen Einrichtungen) vorgestellt, auf der u. a. die forschenden Gynäkologinnen und Autorinnen von „Natürlich & Sicher” Dr. Petra Frank-Herrmann und Dr. Ursula Sottong anwesend waren. Mein Vortrag beschäftigte sich mit der Frage, warum die symptothermale Methode so wenig verbreitet ist.

Ich habe vor einiger Zeit bereits etwas dazu geschrieben, möchte das Thema aber noch einmal aufgreifen und ein kleines Denkmodell vorstellen. Dieses Denkmodell hilft normalerweise bei der Erklärung von Gruppendynamik.

Denkmodell „Peer Effects”

Stellt euch eine Gruppe von fünf Personen vor. Was muss geschehen, so dass diese fünf Personen anfangen, lilafarbene Hüte zu tragen?

Jede Person hat einen Schwellwert. Dieser Schwellwert besagt, wie viele andere Personen bereits einen lilafarbenen Hut tragen müssen, ehe die jeweilige Person ebenfalls damit beginnt.

Wenn jeder in dieser Gruppe einen Schwellwert von 1 hat, würde das bedeuten, dass dies Gruppe relativ tolerant ist. Für jeden einzelnen in dieser Gruppe gilt, dass lediglich eine andere Person einen lilafarbenen Hut tragen muss. Ist dies der Fall, beginnt diese Person ebenfalls, einen solchen Hut zu tragen.

Wie viele Personen aus besagter Gruppe tragen am Ende lilafarbene Hüte? Gar keiner, weil niemals jemand damit anfängt.

Stellt euch eine andere Gruppe von fünf Personen vor. Die Schwellwerte sind wie folgt verteilt:

4, 3, 2, 1, 0

Einige sind eher zögerlich (Schwellwert 2-4) und tragen erst einen lilafarbenen Hut, wenn mehrere andere Personen lilafarbene Hüte tragen. Der Knackpunkt ist jedoch, dass eine mutige Person (Schwellwert 0) dabei ist, der es völlig egal ist, was andere Leute denken und sich sagt:„Lila Hut, tolle Sache, probier ich aus!”

Die Person mit Schwellwert 1 sieht dann, aha, es trägt schon jemand einen lilafarbenen Hut und beginnt ebenfalls damit. Die Person mit Schwellwert 2 sieht, dass bereits zwei andere Personen lilafarbene Hüte tragen usw. Am Ende tragen alle Fünf lilafarbene Hüte.

Erweiterung des Modells

Die Idee des Schwellwertes kann man direkt auf NFP übertragen und noch erweitern. Einige von euch haben vielleicht nur einmal irgendwo kurz von NFP gehört und sich dafür entschieden. Andere brauchen mehr Gewissheit, dass es funktioniert.

Wir betrachten für den Schwellwert nicht mehr nur andere Personen, sondern allgemein externe Einflussfaktoren, die unmittelbar auf den Schwellwert einwirken.

Zur Veranschauung habe ich einmal ein paar Gewichtungen für externe Einflussfaktoren aufgestellt:

  • Frauen, die mit NFP bereits verhüten: Einflussfaktor 1
  • Fachliteratur: 1
  • Zeitungsartikel: 0,5
  • Erfahrungsberichte in Foren: 0,1

Eine Frau mit einem Schwellwert von 4 müsste also von zwei NFP-Anwenderinnen hören, ein Fachbuch lesen, einen Zeitungsartikel und 5 Erfahrungsberichte, um sich für NFP zu entscheiden.

Negative Einflüsse

In der Realität gibt es jedoch nicht nur positive Einflussfaktoren, sondern auch negative. Unzählige Artikel im Internet und in Zeitschriften schreiben über die Unsicherheit von „natürlicher Verhütung” und scheren alles über einen Kamm. Manche Frauenärzte behaupten, dass man damit nicht verhüten kann und dass die Pille das einzige ist, was funktioniert. Einige Romane und Filme tragen ihr Übriges dazu bei. Die Hauptfigur oder eine wichtige Nebenfigur verhütet natürlich. Was passiert im Laufe des Films mit 100%-iger Sicherheit? Sie wird ungewollt schwanger.

Auf Dauer prägt sich das ein und natürliche Verhütung wird so emotionsgeladen, dass eine rationale Auseinandersetzung mit den Fakten immer schwieriger wird. Dann heißt es einfach nur noch: Wie soll das funktionieren, ist doch alles völliger Quatsch.

Manchmal wird auch interessiert zugehört. Ein bestätigendes Kopfnicken, wenn die Zuhörerin die Fakten hört. Sichere Verhütung, klinisch getestet, seit über 30 Jahren erforscht, funktioniert deswegen so gut, weil sich der Eisprung sicher anhand von Körpersymptomen eingrenzen lässt und eine Frau nach dem Eisprung zu 100% unfruchtbar ist.

Das vernichtende Urteil:„Klingt ja schon interessant, probier ich vielleicht auch mal aus, wenn es nicht mehr so drauf ankommt”. Was redet man sich überhaupt den Mund über Sicherheit fusselig?

In Teil 2 geht es weiter mit der Frage, was bereits für die Verbreitung von NFP getan wird.

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