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Was bereits für die Verbreitung von NFP getan wird

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„Wenn NFP so sicher sein soll, wie kommt’s, dass ich bisher noch nix davon gehört habe?”, lautet ein Argument, das gar nicht so abwegig ist. Wir vertrauen den Dingen, die uns bekannt sind und insbesondere bei der Verhütung spielt Vertrauen eine große Rolle.

Dass die symptothermale Methode so wenig verbreitet ist, wirkt sich wiederum nachteilig auf die Verbreitung selbst aus. „Damit verhütet doch niemand ernsthaft”, heißt es dann.

Daher die Frage: Was wird denn überhaupt von der Arbeitsgruppe NFP bzw. den forschenden Gynäkologen der Sektion Natürliche Fertilität getan, um die Methode zu verbreiten?

Die Marke Sensiplan

Eines der Probleme von NFP ist der Begriff selbst. NFP ist nur ein Überbegriff für Methoden zur Natürlichen Familienplanung, umfasst also auch die Temperatur- und die Zervixschleimmethode. Und sind wir mal ehrlich: Natürliche Familienplanung klingt als Verhütungsmethode nicht gerade einladend.

Auch sympto-thermale Methode bedeutet in erster Linie, dass ein Symptom wie der Zervixschleim und die Temperatur zusammen beobachtet werden und nichts anderes. Die symptothermale Methode in den USA ist eine andere als in Deutschland.

Um dieser Verwirrung ein Ende zu bereiten und der symptothermalen Methode der Arbeitsgruppe NFP, die wir in Deutschland anwenden, eine international eindeutige Marke zu verpassen, heißt sie mittlerweile Sensiplan.

Die Idee ist gut und sinnvoll, hat aber den Nachteil, dass Sensiplan von der Arbeitsgruppe NFP als Gesamtpaket vermarktet wird. Streng genommen heißt es, ohne Beratung/Kurs auch kein Sensiplan. Das ist übrigens auch der Grund, warum hier auf myNFP von der symptothermalen Methode und nicht von Sensiplan gesprochen wird.

Der Nachteil an einem solchen Gesamtpaket ist, dass es nicht skalierbar ist. Wenn man für die Anwendung der Methode also eigentlich einen Kurs oder eine Beratung besuchen sollte, erhöht das zum einen die Einstiegshürde. Nicht jede Frau will erst einmal einen Kurs besuchen. Zum anderen können Menschen nur regional beraten werden und es können auch nur begrenzt viele Teilnehmer an einem Kurs oder einer Beratung teilnehmen.

Woher die Idee des Gesamtpakets kommt, kann man besser nachvollziehen, wenn man sich die Sicherheit der Methode bzw. die Methodik dahinter genauer ansieht.

Methodensicherheit und die Unzulänglichkeit des Pearl-Index

Frau Frank-Herrmann hat auf der NFP-Fortbildung deutlich gemacht, dass der Pearl-Index unzureichend ist.

Der Pearl-Index besagt nur, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr schwanger werden, die mit dem jeweiligen Verhütungsmittel verhüten. Teilerweise werden Studien sogar nur über wenige Monate durchgeführt und dann entsprechend auf das Jahr hochgerechnet.

Besser geeignet ist eine sogenannte Life-Table nach Kaplan-Meier. Damit kann das Schwangerschaftsrisiko genauer und vor allem auch über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Studien, die diese Analysetechnik einsetzen, werden über mehrere Jahre durchgeführt.

Dazu kommt, dass besser zwischen perfekter Nutzung (Methodensicherheit) und Anwendungsfehlern (Gebrauchssicherheit) unterschieden werden kann (oder auch perfect-use vs. imperfect-use genannt).

Die Anforderungen an ein hochsicheres Verhütungsmittel sind wie folgt:

  • Möglichst geringe Rate unbeabsichtiger Schwangerschaften (< 1%).
  • Methodensicherheit und Gebrauchssicherheit dürfen nicht zu sehr voneinander abweichen. Es hilft nichts, wenn ein Verhütungsmittel zwar „perfekt”, aber aufgrund hoher Komplexität nicht anwendbar ist und daher viele Anwenderinnen schwanger werden.

Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen, muss eine Sicherheitsstudie mit Anfängerinnen durchgeführt werden. Schließlich ist entscheidend, ob eine Anfängerin ohne Vorkenntnis mit der Methode verhüten kann oder nicht. Die Zahlen zur Verhütungssicherheit sollten bekannt sein:

Sicherheit der symptothermalen Methode
Methodensicherheit bei Enthaltsamkeit 99,6%
Methodensicherheit bei Mixanwendung mit Kondom 99,4%
Gebrauchssicherheit bei beiden Gruppen 98,2%

Manchmal wird jedoch nicht richtig zwischen der Gebrauchssicherheit und der Methodensicherheit unterschieden. Der Pearl-Index von Kondomen beispielsweise wird häufig mit 2-12 angegeben, weil Studien die Methoden- und Gebrauchssicherheit durcheinander werfen.

Die Verwirrung ist perfekt, wenn dann Studien über die Methodensicherheit eines Verhütungsmittels mit Studien über die Gebrauchssicherheit eines anderen Verhütungsmittels verglichen werden (z. B. Pille 0,1 vs. Kondom 12).

Ich erwähnte zuvor, dass Sensiplan als Gesamtpaket vermarket wird und streng genommen nur zusammen mit einer Beratung funktioniert. Das liegt daran, dass die Studien nur mit Frauen durchgeführt wurden, die eine Beratung erhalten haben.

Die Studienergebnisse sagen also aus: Die symptothermale Methode hat eine Gebrauchssicherheit von 98,2%, sofern die Anwenderin die Methode in einem Kurs/Beratung gelernt hat. Es kann gut sein, dass die Gebrauchssicherheit auch gegeben ist, wenn die Methode aus Büchern, Foren, von Freunden oder über Webseiten erlernt wird, aber dazu existieren eben keine Daten.

Dieser Anspruch an die Sicherheit der symptothermalen Methode ist vorbildhaft und es ist verständlich, dass die Arbeitsgruppe NFP sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will und daher sagt: Sensiplan gibt es nur mit Beratung oder einem Kurs, weil das unserer Datenerhebung entspricht.

Die Arbeitsgruppe NFP ist jedoch in meinen Augen nicht ganz konsequent. Mit dem Arbeitsheft und „Natürlich & Sicher” existiert Literatur, die auch außerhalb der Beratung angeboten wird (und damit skalierbar ist, weil es keine regionalen Einschränkungen gibt) und wie das Ergebnis meiner Umfrage zeigt, lernt die große Mehrheit NFP nicht in einer Beratung oder einem Kurs.

Des Weiteren bezieht sie sich damit stets auf die Gebrauchssicherheit. Für die Methodensicherheit (perfect-use) ist es doch im Grunde egal, wie die symptothermalen Methode erlernt wird – solange man seine Zyklen korrekt auswertet.

Was macht die Arbeitsgruppe NFP?

Die Arbeitsgruppe NFP erreicht Menschen primär durch das Beratungsangebot und die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wie profamilia. Dazu werden Flyer ausgelegt, Kurse angeboten und Veranstaltungen organisiert.

Des Weiteren gibt es das MFM-Projekt, wo Kindern ein solides Grundwissen zum eigenen Körper vermittelt wird.

Was macht die Sektion Natürliche Fertilität?

Hinter der Sektion Natürliche Fertilität stehen die Gynäkologen, die die symptothermale Methode in Deutschland erforschen. Diese helfen bei der Verbreitung, indem sie Ärzte-Fortbildungen organisieren und Studienergebnisse in medizinischen Fachzeitschriften publizieren.

Auch für die Ärzte hat der Tag nur 24 Stunden. Frau Frank-Herrmann beispielsweise befasst sich neben der Forschung an NFP auch noch mit jungen Mädchen, die trotz weiblicher Geschlechtsorgane ein X- und ein Y-Chromosom aufweisen.

Die Verbreitung der symptothermalen Methode unter Ärzten und im internationalen Raum ist ein Fulltime-Job und es fehlen die Kapazitäten.

Weiter geht es in Teil 3: Was für die Verbreitung von NFP getan werden muss