Kinderwunsch ja oder nein? Unentschlossenheit+Mutterrolle

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Ohne
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Re: Kinderwunsch ja oder nein? Unentschlossenheit+Mutterrolle

Beitrag von Ohne » Freitag 1. November 2019, 11:10

Pulpo, ich kann deinen Frust sehr gut verstehen. In Deutschland ist es zwar prinzipiell besser, aber auch nicht wirklich gleichgestellt, vor allem in den Köpfen noch nicht, wenn man sich anschaut, wie viele Väter dann tatsächlich Elternzeit nehmen und wie lange.
Du meintest, die Mütter arbeiten dann meistens 50% - ab wann machen sie das üblicherweise, also ab welchem Alter des Kindes? In jedem Fall fällt ja eine zeitlang der Verdienst der Mutter komplett weg, vor allem doof für Familien, in denen es nicht so viel Geld gibt. Wobei auch das deutsche Elterngeldmodell eher den Besserverdienenden hilft.
Du meinst, du willst wegen diesen Dingen in der Schweiz kein Kind kriegen, wäre umziehen (nach Deutschland?) denn dann eine Option?
Es ist wirklich schwierig, wenn die Umstände so widrig sind (bei dir die Migräne und die blöden Bedingungen in der Schweiz) ist es manchmal auch echt schwer zu sagen, ob man "überhaupt" gerne ein Kind hätte.

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Tavi
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Re: Kinderwunsch ja oder nein? Unentschlossenheit+Mutterrolle

Beitrag von Tavi » Freitag 1. November 2019, 14:25

Pulpo, ich gebe dir gerne auch noch etwas Input - gerade auch als Schweizerin :-)

Migräne kenne ich nur von früher: HERZLICHES BEILEID! Ich habe immer gesagt, Migräne wünschte ich nicht einmal meinem schlimmsten Feind :( was mir geholfen hat: Ein Optiker der mir Winkelfehlsichtigkeit diagnostiziert hat und schlussendlich operiert wurde. Seither habe ich keine Migräne mehr. (Achtung: Optiker fragen und nicht den Augenarzt. Winkelfehlsichtigkeit gibt es laut offizieller Meinung der Augenärzte nicht...) aber gut. Anderes Thema. Falls du mehr dazu wissen möchtest --> gerne PN :flower:

Zurück zur Familienplanung :lol:
Für mich hört es sich ein bisschen an, als hättest du insbesondere keine Lust auf die "klassische Mamarolle" - wie sie eben in der Schweiz noch sehr oft gelebt wird. Dazu kann ich nur sagen: ich wollte schon immer Kinder, aber Hausfrau zu sein war immer meine Horror-Vorstellung. Für mich war deshalb klar, auch wenn ich Kinder habe - ich werde mind. 80% arbeiten. Wichtig hierbei ist, einen Partner zu haben der diese Vorstellung versteht/unterstützt (und nicht davon ausgeht, dass man dann eben DOCH Hausfrau wird). Und alles andere lässt sich regeln! So arbeite ich nun 80% und mein Partner 60%. (Ich habe "nur" die 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub bezogen die es in der CH gibt und keinen zusätzlichen unbezahlten Urlaub genommen, wie es in der Schweiz für Frauen üblich ist - dafür hat er aber 2 Monate unbezahlt genommen im Anschluss an meinen Mutterschaftsurlaub). Ich wurde tatsächlich schon gefragt "wie hast du deinen Mann dazu gebracht, nur 60% zu arbeiten?!". Die Frage hat mich verblüfft. Ich habe ihn gar nicht dazu überredet - sondern es ihm überlassen wie viel er arbeiten möchte. Genauso, wie er es auch mich überlassen hat wie viel ich arbeiten möchte (und für seinen unbezahlten Urlaub gilt dasselbe). Und für die Differenz, gibt es KiTa's. Auch in der Schweiz :-).
Was ich sagen möchte. WIR MÜSSEN UNS NICHT DER GESELLSCHAFTLICHEN NORM UNTERSTELLEN! So lange du und dein Partner euch einig seid, kann euch die Gesellschaft meiner Meinung nach egal sein. Das gilt aber nicht nur dafür "wie" man Kinder haben will - sondern auch für das "ob". Also würde ich wirklich tief in dich hinein gehen. Möchtest DU/IHR Kinder? Oder fühlst du dich unter Druck "weil man halt Kinder hat"? Oder stört dich evt "nur" das Thema Kinderbetreuung/Hausfrau? Versuche wirklich deine Blockade zu finden. Ist es "nur" eine Blockade vor dem KiWu oder willst du wirklich keine Kinder? Das kann ja auch gut sein - dann blockiert dich wahrscheinlich einfach der gesellschaftliche Druck "dass man Kinder will" daran, zu akzeptieren dass du halt keine willst.
Dann noch zu deinem Bild von wegen Schreien/Wickeln/Schlaflose Nächte. Im Vergleich zum Leben mit Nachwuchs ist diese Phase sehr kurz. Annahme du hast Kinder mit 30J und eine Lebenserwartung 80j: Dann wohnen die Kids ca. 20 Jahre bei dir und noch weitere 30 Jahre "ausser Haus". Davon wickelst du vielleicht 2-3 Jahre ;). Was ich sagen will: Nachwuchs besteht nicht "nur" aus Babybetreuung - im Gegenteil, das ist ja eigentlich fast die kürzeste Phase.
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Irka
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Re: Kinderwunsch ja oder nein? Unentschlossenheit+Mutterrolle

Beitrag von Irka » Mittwoch 6. November 2019, 16:05

Liebe Pulpo,

ich finde meiner Vorredner haben schon sehr viele gute Antworten gegeben und würde den Großteil abnicken.

Du solltest erstmal für Dich persönlich herausfinden, ob du überhaupt Kinder möchtest, unabhängig von den Rahmenbedingungen wie Elternzeit, Krankheit etc.
Denn das sind ja Bedingungen, due sich ggfls ändern können und ich finde es gefährlich so wichtige Entscheidungen abhängig zu machen von den aktuellen Umständen. Wer weiß schon, ob sich das Elternzeitmodeöl in der Schweiz nicht in 2 Jahren ändert oder ihr umzieht oder ob deine Migräne noch da ist?

ich z.b. wusste schon immer, dass ich Kinder möchte und auch gerne mehr als zwei. Aber so wie Tavi auch gesagt hat, weiß ich auch schon ungefähr genauso lang, dass ich in der ausschließlichen Mama-und-Hausfrauenrolle nicht glücklich werde. hat sich nach der Geburt meiner Tochter absolut bestätigt, sodass ich nach 6 Monaten wieder angefangen hab 50% zu arbeiten und total glücklich mit der Situation bin.
Da Familiennähe für mich mit Kind doch auch wichtig ist, ziehen wir nächsten Sommer auch wieder Richtung Heimat, 30min von beiden Großeltern entfernt. derzeit sinds 170km.
was ich damit sagen möchte ist: wir haben uns den Kiwu erst erfüllt und im Anschluss habe ich angefangen mir das drumherum so zusammen zu schustern, dass es für mich und meine persönlichen Vorstellungen zusammen passt.

zum Thema Krankheit: ich hab zwar seit meiner Jugend keine Migräneattacken mehr, aber dafür in den letzten Jahren eine andere Erkrankung entwickelt und die Schwangerschaft hat sich positiv darauf ausgewirkt. das passiert wohl durch die hormonelle Umstellung und ich hab mal gelesen, dass das auch bei migräne gelten kann. dafür gibt es natürlich keinerlei Garantie und ich verstehr deine Sorge sehr gut, dass sich die Krankheit durch den zusätzlich Stress, Lärm etc. verschlimmert bzw. hatte ich auch immer Sorge meinem Kind dann nicht gerecht zu werden mit der Erkrankung. Allerdings hab ich für mich entschieden meine Erkrankung (die schubweise auftritt) darüber entscheiden zu lassen , ob ich Mama sein darf oder nicht.

zum thema Schreien: das weißt du vorher leider nie, wie viel dein Kind schreien wird. Meine Tochter schreit z.b. fast gar nicht, ist aber ein sehr forderndes Kind und reguliert sich nicht selbst. also wenn man sie nicht rund um die Uhr beschäftigt, dann schreit sie sehr wohl. durchschlafen ist ein weit entfernter Wunsch, wobei Wunsch das absolut falsche Wort ist. gür mich ist es absolut normal, dass Babys und auch Kleinkinder nicht durchschlafen, sondern nachts wach werden und sich vergewissern, ob sie noch in Sicherheit sind oder Durst haben oder auf Klo müssen oder schlecht geträumt haben....😀
Aber: mich stört es z.b. gar nicht. es gibt ruhige und unruhige Nächte, aber die Tage an denen ich das Gefühl hatte total übermüdet zu srin, lassen sich an einer Hand abzählen bisher, obwohl meine Tochter nachts immer noch 2-3 mal die Flasche verlangt und mein Wecker um 5 klingelt.🤷‍♀️
Das einzige was hier tatsächlich leidet ist: Partnerschaft. liegt bei uns aber an der fehlenden familiären unterstützung: wir haben absolut keine Zweisamkeit, da kein Babysitter. Dieses Problem hat sich hoffentlich mit Umzug in die nähe der Familie erledigt.
Ich finde es klasse, dass dein Partner so entspannt mit dem Kiwu umgeht und sich auch vorstellen kann die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, auch was den Beruf angeht.

ich bin jetzt leider etwas abgewichen: worauf ich hinaus wollte ist
Die Entscheidung ob Kind ja oder nein kann dir niemand abnehmen und vielleicht bist du noch nicht so weit dich zu entscheiden. wenn du zum Beispiel aktuell zu dem Schluss konmst, dass du keine Kinder möchtest, ist das ja nicht endgültig. Hör in dich hinein und nimm dir vorübergehende Umstände nicht zu wichtig. Niemand weiß was in zehn Jahren ist.

Viele Grüße
27, happy wife & mommy :love:
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Pulpo
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Re: Kinderwunsch ja oder nein? Unentschlossenheit+Mutterrolle

Beitrag von Pulpo » Donnerstag 14. November 2019, 08:29

Liebe Alle!

Vielen lieben Dank für Eure ausführlichen und interessanten Beiträge! Sie haben mir imfall grad ziemlich geholfen! :flower: ! Gerade auch von den (ehemaligen) Migränikerinnen! Mitleidene! :flower:

Ich glaube wirklich, es ist die "klassische Mutterrolle" in der Gesellschaft, die ich sehr ablehne. Ich bin sehr froh, @Tavi, dass hier noch eine Schweizerin ist die unser desaströses System kennt und sich dennoch entschieden hat, Kinder zu bekommen. Ich bewundere Euer System: Jemand 60, jemand 80%, das klingt toll! Aber auch serh streng und bei mehr als 1 Kind häufig finanziell doch gar nicht wirklich machbar (der eine Lohn wird doch meist von Kitas verschlungen?) Geht es aber dann gut auf für Euch auf? Und habt ihr noch ein wenig Zeit für Eure Partnerschaft? Weil eigentlich finde ich Euer Modell toll, es wäre das einzige, das ich mir vorstellen könnte (wobei ich es auch ok fände, wenn ich 60% oder 70%, und mein Partner 80% arbeiten würde - das müsste man dann halt schauen.) Eine beidseitige Teilzeittätigkeit fände ich einfach ideal, höre aber auch, dass das sehr stressig sei.
Aber eigentlich fände ich es so genau richtig!
Wichtig hierbei ist, einen Partner zu haben der diese Vorstellung versteht/unterstützt (und nicht davon ausgeht, dass man dann eben DOCH Hausfrau wird). Und alles andere lässt sich regeln!
= den hätte ich übrigens, wenn er mir nicht irgendwann abhandenkommt weil er grad diesbezüglich so toll tickt :lol: :lol:
Das mit der "Blockade" ist wirklich glaub der Knackpunkt: Ich bin so sehr von den gesellschaftlichen Bildern des Mutterseins / Elternschaft etc. geprägt dass ich glaube, ich kann mich fast nicht frei entscheiden. Dazu kommt die Vorstellung, dass Kinder eigentlich so wahnsinnig streng sind, dass man eigentlich sein Leben aufgeben kann (Jobeinbussen, kein Schlaf etc.) Da haben mir Eure Voti jetzt aber auch etwas geholfen, danke auch @Irka, es freut mich zu hören dass man auch mit Baby nicht jede Nacht vollkommen übermüdet ist ;)
Vielleicht habe ich halt auch einfach ein falsches Bild vom Muttersein weil ich es so gar nicht kenne. In meinem Umfeld ist erst jemand schwanger, ansosnten spielen und spielten Babys und Kleinkinder in meinem Leben nie eine ROlle. Ich merke einfach immer mehr, dass ich der ganzen Thematik sehr skeptisch entgegenschaue und es mir dennoch irgendwie wünsche (darum beschäftigt es mich so).
Aber ich mach mich jetzt mal locker haha 8-) Es muss ja noch nicht morgen eine Entscheidung gefällt werden. Es tut nur so gut, mit anderen Frauen in ähnlichen Situationen zu plaudern und von ihren Erfahrungen profitieren zu können. Danke dafür :flower:

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