3 Jährige durch den Wind

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Momo88
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3 Jährige durch den Wind

Beitrag von Momo88 » Donnerstag 14. März 2019, 08:59

Hallo zusammen,
ich hoffe wirklich sehr, dass ihr mir/uns helfen könnt.
Es geht um meine 3,5 jährige Tochter. (Wir sind verehiratet und haben außerdem noch eine 1jährige Tochter).
Seit einiger Zeit ist unsere Große total unausgeglichen und regelmäßig eskaliert die Situation.
Ich mache mir Sorgen. Dadurch, dass es jetzt schon solange so ist, habe ich Angst, dass es irgendetwas grundlegendes ist, was sie versucht uns zu zeigen.
Heute morgen bspw. ist sie schon weinend aufgewacht und war total verzweifelt, weil sie keine für sie passende Hose finden konnte. Das Weinen und quengeln zog sich dann weiter durch, irgendwann hat sie ihre Gefühle noch am Papa ausgelassen und hat ihn in den Hals gekniffen (mit aller Kraft).
Er kriegt ihre Wut oft ab. In dem Moment konnte er ihr noch sagen, dass er das nicht will. Später ist ihm dann alles zu viel geworden und er hat sich zurückgezogen.
Ich habe den Eindruck sie geht gerade an allem hoch, kann fast gar nicht kooperieren, sogar eher das Gegenteil: einfach nur Wut, Trauer(?), Emotionen, ich weiß gar nicht was alles, rauslassen.
Es geht, wenn wir uns 1 zu 1 mit ihr beschäftigen oder draussen oder mit anderen. Da ist sie ein Vorbildkind: offen, fröhlich, hilfsbereit... Ich versuche auch aktiv jede Sekunde mit ihr zu nutzen, wenn die kleine Schwester schläft, oder am Wochenende, wenn der Papa die kleine mal nimmt.
Unter der Woche versuche ich nachmittags mit beiden zu Toben, da geht es auch noch.
Ganz Schwierig sind die Übergangszeiten: Schlaf-Aufwachen, Aufwachen- Kindi, Kindi-Heim, Drin-Bett...
ich verunsichert extrem, dass ich nicht weiß, was dahinter steckt. Zur Gesamtistuation muss ich noch sagen, dass sie in einen tollen Waldkindergarten geht (vielleicht auch körperlich sehr anstrengend?) und uns ein größerer Auslandsaufenthalt bevorsteht (wir sprechen mit ihr darüber, aber vielleicht ist sie verunsichert?).
Ach ich weiß es nicht, so wie es jetzt ist, ist es jedenfalls überhaupt kein schönes Familienleben,
habt ihr Ideen woran es liegen könnte?
Erfahrungen?
Und ganz wichtig: Tipps und Ideen ihr und uns alles zu erleichtern und die Situation wieder zu verbessern?
Ich hoffe inständig auf Antworten
lieben Dank, Momo

Krausepeter
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von Krausepeter » Donnerstag 14. März 2019, 15:08

Vielleicht ist es auch einfach nur eine Phase...unser Großer (ist gerade 4 geworden) ist momentan genauso. Steht teilweise schon schlecht gelaunt auf und weint wegen jeder Kleinigkeit. Wenn ich ihn dann nicht bewusst in den Arm nehme, beruhigt er sich überhaupt nicht mehr. Den Papa lehnt er total ab und egal bei was er Hilfe braucht, es darf nur Mama sein :roll:
Der kleine Bruder (gerade 2) nutzt die Verletzlichkeit/Wut/Weinerlichkeit dann noch aus und ist in den Situationen extra gemein zu ihm :(
Ich schiebe es auch auf die Jahreszeit/Wetter...meine Jungs sind überhaupt nicht ausgeglichen, wenn sie nicht den ganzen Nachmittag draußen herumtollen können. Zum einen bin ich gerade hochschwanger und komme draußen einfach nicht mehr hinterher, aber wenn es den ganzen Tag stürmt und regnet, sind wir natürlich auch nicht stundenlang draußen. Der Kindergarten fordert ihn gerade glaube ich auch nicht genug...
Seit er 3 1/4 ist, macht er jetzt auch keinen Mittagsschlaf mehr und hat dann nachmittags ein totales Tief. In der Zeit kann man mit ihm dann auch überhaupt nichts anfangen. Abends ab ca. 17/18Uhr ist es dann wirklich ein Kampf. Ich sehe jetzt immer zu, dass beide gegen 17.30/18 Uhr fertig fürs Bett sind und dann wird noch gelesen oder mit Papa gespielt. So muss ich dann nicht noch mit einem hundemüdem Kind kämpfen und er geht entspannt gegen 19 Uhr ins Bett.
In manchen Situationen steht er auch sich selber im Weg. Und ihn ärgert es extrem, wenn ihm etwas nicht auf Anhieb gelingt...da kann er richtig ausrasten und bricht dann in Tränen aus.
Ich weiß, dass es total anstrengend ist, aber ich gehe davon aus, dass es bald vorbei ist. Spätestens wenn das Wetter jetzt besser ist und wir wieder viel draußen sind. Bis dahin versuche ich auch, ihm besondere Zeiten ohne den kleinen Bruder zu ermöglichen.
Unser größtes Glück:

#1 Unvergessene Prinzessin * 03/2013, + 04/2014
#2 * 03/2015
#3 * 01/2017

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dieGuteFee
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von dieGuteFee » Donnerstag 14. März 2019, 15:46

Wie lange geht das denn schon so?
Grundsätzlich ist dieses Verhalten in dem Alter nicht untypisch. Unsere Tochter ist jetzt 4 und so langsam beruhigt es sich wieder mit den Wutausbrüchen und dem scheinbar grundlosen herumgeweine.
Ganz wichtig ist, dass ihr geduldig und konstant seid. Sie braucht jetzt Sicherheit und Stabilität. Das Gejammer und Geweine haben wir immer hartnäckig ignoriert und es mit Ablenkung probiert. Klappt meistens ganz gut (Bsp: sie weinerlt herum weil sie keine passende Hose findet, ich sage "guck mal wie hübsch das Tshirt ist, da ist eine Katze drauf!", die Taktik hab ich mir von den Kiga-Betreuerinnen abgeschaut).

Wutausbrüche gehören in dem Alter leider auch dazu und das muss sich erst einpendeln. Emotionen zu kontrollieren muss erst erlernt werden, das ist eine richtig anstrengende Phase! Da hilft nur Geduld, tief Luft holen und innerlich bis 10 zählen :crazy: ;)
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Momo88
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von Momo88 » Donnerstag 14. März 2019, 20:29

Vielen lieben Dank für eure Antworten!! Es beruhigt mich total, dass das scheinbar normal ist. Ich hätte echt bisschen Sorge, dass was ernsthaftes ist.
Also gebe ich mein bestes die Nerven zu behalten und mit ihr durch diese Phase zu gehen.

Silberling
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von Silberling » Donnerstag 14. März 2019, 22:06

Halli hallo,

ich muss zugeben dass ich beim lesen auch dachte "was ist jetzt daran unnormal?"
Absolut normales Verhalten in der Entwicklung, bei manchen mehr und bei manchen weniger stark ausgeprägt. Super anstrengend, ich würde mir aber Sorgen machen wenn nichts davon käme im Alter bis ca. 4. ;)
Seit 14.04.2015 mit unserer kleinen Clara!

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dieGuteFee
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von dieGuteFee » Samstag 16. März 2019, 14:00

ein ganz wichtiger Grundsatz, der mir in schwierigen Phasen immer geholfen hat ist schnell erklärt: Auswahlmöglichkeiten reduzieren!

keine Dinge aussuchen lassen, keine Entscheidungen treffen lassen, keine Richtungsänderungen vornehmen von bereits besprochenen Abläufen.
Hinter jedem Denkprozess steht ein potenzieller Wutanfall und jede abgelehnte Möglichkeit ist eine Steilvorlage für einen Tränenausbruch.

Ein ganz penibel vorbereiteter Tagesablauf mit einer strikt klargelegten Reihenfolge, jeden Tag so viel Routine wie nur möglich.
Schwierige Fragen wie zB. welche Kleidung oder "was möchtest du essen?" (ganz ganz teuflische Frage!!! Drama vorprogrammiert! :lol: ) sollte man weit vorher klären, wenn die Situation noch nicht akut ist.
Und wenn das Essen dann am Tisch steht und das Kind ist nicht zufrieden, kann man sagen "wir haben das gestern besprochen und daran halten wir uns jetzt"
Es gibt keine Alternative und es wird nichts in letzter Sekunde umgedreht, nur weil Kind bockig ist. Macht das Kind ganz extrem viel Radau, helfen wir uns mit Konsequenzen - es wird etwas gestrichen, das das Kind hinterher gerne machen wollte. Bei uns genügt meistens schon die Drohung und schon läuft alles wieder :)

So helfen wir uns derzeit. Wichtig ist, dass man Tag für Tag dabei bleibt und nicht abweicht. Heute nachgeben bedeutet morgen Stress! Ein Kind merkt sich sofort und haargenau, wenn es einmal mit Bockigkeit die Eltern zum Nachgeben gebracht hat. Das kommt alles auf einen zurück! ;)
Irgendwann hat man es ausgestanden.
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c_k
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von c_k » Samstag 16. März 2019, 19:53

bei uns hilft das genaue gegenteil. Wir lassen unsere Tochter zwischen 2 für uns akzeptablen Möglichkeiten Wählen und obwohl sie wirklich sehr temperamentvoll und durchsetzungsfähig ist, klappt das sehr sehr gut.
wenn sie sich partout nicht anziehen lassen will, zeig ich ihr 2 sachen, zwischen denen sie wählen kann und dann lässt sie sich problemlos anziehen.
und wenn sie einen wutausbruch hat, versuchen wir so gut es geht zu Trösten und ihre Gefühle zu beschreiben ohne nachzugeben. und dann beruhigt sie sich wirklich sehr viel schneller, als wenn ich selber laut werde oder zb Konsequenzen androhe etc.
ich kann wirklich das buch "how to talk to children so they will listen..." empfehlen. gibts auch meine ich auf deutsch und hilft mir immer wieder mein kind mit anderen augen zu sehen.
ich wünsche allen starke Nerven!
MA 04/16 du bleibst für immer in unseren herzen!
Kleines Wunder 05/17 <3

loxley84
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von loxley84 » Samstag 16. März 2019, 20:55

Ich bin tatsächlich auch bei c_k. Unsere Große ist auch sehr temperamentvoll und in ihrem Zimmer sah es öfter nach einem ihrer Wutausbrüche aus als hätte sie Rockstars zu besuch gehabt die ihr Zimmer zerlegt haben. Aber streng einen Weg vorzudiktieren führt hier unwillkürlich zu Ausrastern. Von Drohungen lässt sie sich auch kein bisschen beeindrucken. In ausgeprägten Momenten nimmt sie die auch gar nicht wahr. Hier hilft selber auswählen lassen in beschränktem Rahmen dagegen sehr gut. Zwei Hosen in unterschiedlichen Farben, die für mich beide ok wären z.B. Oder bevor morgens schon der Stress mit ausflippen anfängt und gar kein Frühstück eingenommen wird, soll sie halt entscheiden ob sie das Müsli in der Rennauto- oder Prinzessinnenschale will... Und jetzt, wo sie älter ist, ist es gar nicht mehr so oft nötig Alternativen anzubieten.
Seit dem 07.01.15 und 18.7.18 Mama von zwei Prinzessinnen 💖

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dieGuteFee
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von dieGuteFee » Samstag 16. März 2019, 23:35

es ist wohl wirklich sehr unterschiedlich, wie die Kinder reagieren!
Bei unserer habe ich immer das starke Gefühl, dass sie auch bei einem Wutanfall sehr genau überlegt, was sie tut. Sie ist grundsätzlich eine wohlüberlegende und tut nichts grundlos, daher kann man auch mit Argumenten kommen, während sie bockig ist.
Sie hat allerdings noch nie in der Art gewütet, dass sie etwas rumschmeißt oder kaputt macht. Deswegen komme ich ihr ganz bewusst nicht mit Verständnis oder Trost, wenn sie gerade meint, sie müsse ein (geheucheltes) Tränchen hervordrücken, wo ich genau sehe, dass im Hindergrund der Augen schon ein Grinsen schlummert :mrgreen:
Sie kann auch binnen 1 Sekunde das Verhalten abschalten und wieder vernünftig diskutieren.

Man muss wirklich auf das Kind eingehen und sich anpassen.
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Lanitita
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Re: 3 Jährige durch den Wind

Beitrag von Lanitita » Sonntag 17. März 2019, 19:49

Hallo!
Ich schließe mich der Fraktion auswählen an. Ehrlich Frage ich meinen Sohn lieber ob ihn heute nach Brot in kleinen Teilen oder in ganz ist, anstatt dass es in einem Wutausbruch eskaliert, weil es doch hätte ganz bleiben sollen...
Ich bin aber ganz bei dir: es belastet ziemlich. Und zwar die ganze Familiensituation.
Wir verzweifeln hier auch gerade. Unser Sohn ist das perfekte Beispiel für die Snickers Werbung: wenn er müde und/oder hungrig ist wird er zur Diva. Schon immer. Und zwar maximal und im schönsten Trotzalter bringt es uns zur Verzweiflung. Er hat Hunger bis unter beide Arme und schreit sein Essen an, er wolle nicht essen. Das Spiel dauert so lange bis wir ihm ein paar Löffel Zu essen gezwungen haben, nur damit er angefüttert ne riesige Portion verdrückt. Aber bis dahin...zum vergessen. Konsequenz (dann gibt es halt nix) kann man sich auch klemmen, da das ein klassisches Eigentor ist. Denn die Stimmung fällt mit jeder Minute ins Bodenlose. Ähnlich beim schlafen. Hundemüde, aber er hält sich wach mit allem möglichen: singen, rumturnen, nesteln, aufstehen, Spieluhr anmachen, Ideen hat er genug. (Rituale, Schlafhygiene, alles tiptop) Wenn er im Autositz festgeschnallt ist, monotones Geräusch wäre er in 5 Sekunden weg... Tja und das geht an die Konsistenz, auch in der Eltern Beziehung, weil jedes Essen und jeder Abend zum Drama eskaliert.
Vielleicht könnte ich dir nicht bei deinem Problem helfen, aber dir immerhin mitteilen: Du bist nicht alleine!!!! :flower:
Every Superhero needs a Sidekick!🤘
❤10-01-2016❤ - ❤10-02-2019❤

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