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Gelbkörperschwäche

Warum Sie vermutlich keine haben &
wie man sie selbst diagnostizieren kann

Lassen Sie mich eines vorwegnehmen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Gelbkörperschwäche haben, ist sehr gering. Eine Gelbkörperschwäche tritt selten auf und wird leider von einigen Frauenärzten falsch diagnostiziert, was häufig zu Verunsicherung führt. Frauen bekommen Angst, dass ihre Chancen auf eine Schwangerschaft dadurch geringer sind.

Ob Sie wirklich eine Gelbkörperschwäche haben oder nicht, können Sie jedoch auch ganz einfach selbst herausfinden, indem Sie Ihren Zyklus gezielt beobachten.

Selbst, wenn Sie in einem Zyklus eine vermeintliche Gelbkörperschwäche haben, heißt das noch lange nicht, dass Sie diese in jedem Zyklus haben. Eine Gelbkörperschwäche bedeutet, dass Sie eine verkürzte 2. Zyklushälfte haben, also eine verkürzte Lutealphase. Verkürzt ist diese Phase, wenn sie kürzer als 10 Tage dauert. Solche kurzen Lutealphasen kommen auch bei gesunden Frauen hin und wieder vor und sind kein Grund zur Besorgnis.

Vorgänge im Eierstock

Was ist eine Gelbkörperschwäche?

Der Gelbkörper entsteht während des Eisprungs und produziert Progesteron. Das Progesteron wiederum sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut und sich auf eine Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet. Es sorgt außerdem dafür, dass eine Schwangerschaft aufrecht erhalten wird.

Bei einer Gelbkörperschwäche wird weniger Progesteron produziert, wodurch sich die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig aufbaut und sich folglich die Eizelle nicht einnisten kann.

Wie wird die Gelbkörperschwäche diagnostiziert?

Eine Gelbkörperschwäche wird vom Frauenarzt diagnostiziert, indem dieser nach dem Eisprung Blut abnimmt und den Progesteronspiegel misst. Das Problem und der Grund für häufige Fehldiagnosen ist jedoch, dass die Blutabnahme am falschen Zyklustag erfolgt.

In gynäkologischer Fachliteratur wird immer noch häufig davon ausgegangen, dass der Eisprung zwischen dem 12. und 16. Zyklustag stattfindet. Blut wird daher standardisiert an den Zyklustagen 19, 21 und/oder 23 abgenommen, weil sich eine Frau an diesen Tagen bereits in der Lutealphase befinden und folglich auch der Progesteronspiegel erhöht sein muss. Die Blutabnahme sollte nämlich in der Mitte der Lutealphase erfolgen.

Länge der Follikelphasen

In etwa 32% aller Fälle erfolgt der Eisprung jedoch nach dem 17. Zyklustag (siehe Diagramm „Länge der Follikelphase”), so dass der Progesteronspiegel zum Zeitpunkt der Blutabnahme noch gar nicht erhöht sein kann. Die Diagnose lautet dann fälschlicherweise: Gelbkörperschwäche.

Selbstdiagnose durch Zyklusbeobachtung

Wenn Sie jeden Morgen vor dem Aufstehen Ihre Körpertemperatur messen (siehe Temperatur messen) und diese in ein Zyklusblatt eintragen, werden Sie irgendwann feststellen, dass Ihre Temperatur etwa zum Zeitpunkt des Eisprungs um 0,2°C bis 0,5°C ansteigt und diese nach dem Eisprung erhöht bleibt.

Die Temperaturkurve kann in eine Tieflage (Follikelphase, also Zeit vor dem Eisprung) und Hochlage (Lutealphase, also Zeit nach dem Eisprung) eingeteilt werden. In der Regel hält die Hochlage 10 bis 16 Tage an, bevor die nächste Menstruation beginnt. Dauert die Hochlage länger als 18 Tage, ist eine Frau zu 99,9% schwanger.

Verkürzte Hochlage Gelbkörperschwäche

Bei einer Gelbkörperschwäche dauert die Hochlage weniger als 10 Tage.

Gynäkologen haben herausgefunden, dass die Hochlagendauer und der Progesteronspiegel miteinander verknüpft sind. Fast immer (es gab eine Ausnahme) war der Progesteronspiegel hoch genug, wenn die Temperaturhochlage mindestens 10 Tage betrug. Anders herum war bei einer Temperaturhochlage von weniger als 10 Tagen auch der Progesteronspiegel zu gering.

Weitere Symptome & Anzeichen einer Gelbkörperschwäche

In der Fachliteratur gelten zum Teil ein langsamer Temperaturanstieg und eine geringe Differenz zwischen Hoch- und Tieflage als Symptome für eine Gelbkörperschwäche. Die Autoren von „Natürliche Familienplanung Heute” halten diese Symptome jedoch für überbewertet, weil sowohl bei langsamen Anstiegen als auch bei geringen Niveauunterschieden Schwangerschaften dokumentiert wurden.

Kann man trotz Gelbkörperschwäche schwanger werden?

Nicht jeder Zyklus muss eine zu kurze Hochlage aufweisen. Frauen mit häufigen lutealinsuffizienten Zyklen können trotzdem immer wieder Zyklen zwischendurch haben, die eine ausreichend lange Hochlage haben, so dass sie trotzdem schwanger werden können.

Gelbkörperschwäche nach Absetzen der Pille

Nach Absetzen der Pille kommt es in 49% der Fälle zu Zyklusstörungen. Das können verkürzte Zyklen, stark verlängerte Zyklen oder Zyklen ohne Eisprung sein, sowie Zyklen mit Gelbkörperschwäche.

Die Zyklusstörungen regulieren sich jedoch fast immer von selbst. Manchmal sehr schnell, manchmal kann es jedoch bis zu ein Jahr dauern, bis alles wieder im Lot ist.

Ursache für Gelbkörperschwäche

Die Autoren von Natürliche Familienplanung Heute (S. 131, 4. Auflage) schreiben:

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zum Thema Lutealinsuffizienz. Nach wie vor besteht Uneinigkeit darüber, wie sie definiert ist, wie häufig sie auftritt, woran man sie erkennt und sogar, ob sie überhaupt existiert.

Wenn eine Gelbkörperschwäche nicht einmal genau definiert werden kann, ist es folglich auch schwierig, die Ursache für eine Gelbkörperschwäche herauszufinden.

Wenn wir eine Gelbkörperschwäche als Temperaturhochlage mit weniger als 10 Tagen definieren, stellt man folgende Ursachen fest:

  • Im 1. Zyklus nach Absetzen der Pille tritt eine Gelbkörperschwäche 3x so häufig auf und ist bis zu ein Jahr lang noch fast doppelt so häufig wie sonst.
  • Wenn die 1. Zyklushälfte (Follikelphase) länger als 3 Wochen dauert, steigt der Anteil insuffizienter Gelbkörperphasen.
  • Das Alter einer Frau spielt ebenfalls eine Rolle. Untersuchungen des NFP-Forschungsprojekts nach liegt der prozentuale Anteil insuffizienter Lutealphasen bei den bis 19-Jährigen bei 16,7%, sinkt dann bei den 30-39-Jährigen auf 7,9% und steigt bei Frauen ab 40 wieder etwas an auf 9,6%.

Die Frage nach der Ursache kann derzeit nicht eindeutig beantwortet werden. Wie bereits zuvor erwähnt: Wenn Sie eine Gelbkörperschwäche bei sich feststellen, heißt das nicht, dass alle Ihre Zyklen eine verkürzte 2. Zyklushälfte aufweisen.

Behandlungsmöglichkeiten

Sie wissen nun, wie eine Gelbkörperschwäche mit Hilfe der Zyklusbeobachtung (oder alternativ Blutabnahme zum richtigen Zeitpunkt) diagnostiziert werden kann. Wenn Sie feststellen, dass jeder Ihrer Zyklen eine verkürzte Hochlage aufweist, dann haben Sie eine Gelbkörperschwäche.

Eine Gelbkörperschwäche kann sehr gut vom Frauenarzt mit entsprechenden Präparaten behandelt werden. Sprechen Sie Ihren Frauenarzt einfach darauf an.


Quelle: „Natürliche Familienplanung Heute”, Springer Verlag, 4. Auflage
Titelbild: Wikipedia