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Hormonelle Verhütung ist eine Sackgasse

Die Pille für den Mann steht vorerst vor dem Aus – zum Glück. Weder Frauen noch Männer sollten sich zur Verhütung im Hormonhaushalt rumpfuschen lassen.

Gleich zwei Artikel hat der Spiegel vor einiger Zeit über hormonelle Verhütung für den Mann veröffentlicht. Was mich besonders überrascht: Angeblich wollten 4 von 5 Männern gerne mit der Hormonspritze weitermachen, die ihre Spermien abtötet [1]. Allerdings wurde die Studie vorzeitig gestoppt, wegen starker Nebenwirkungen.

Die Pille für die Frau gibt es heute deswegen, weil die Richtlinien für Medikamente vor Jahren noch laxer waren. Die Pille für den Mann muss sich also strengeren Forschungsbedingungen stellen. Im Artikel [2] heißt es:

„Es wäre heute wesentlich schwieriger, ein Medikament wie die Pille auf den deutschen Markt zu bringen”, erklärt der Pharmazie-Historiker Christoph Friedrich von der Universität Marburg.

Ein weiterer möglicher Grund für das Scheitern von hormoneller Verhütung für den Mann wurde nicht genannt: Es dürfte deutlich schwieriger sein, einen Mann künstlich unfruchtbar zu machen, wohingegen jede Frau sowieso von Natur aus phasenweise unfruchtbar ist.

Künstlicher Zyklus
Die Pille für die Frau stellt die natürliche Unfruchtbarkeit künstlich her, indem sie Mechanismen der Natur ausnutzt (Unterdrückung des Eisprungs durch Östrogen). Beim Mann gibt es das nicht und er muss hormonell auf ein ganz anderes Level.

Hormonelle Verhütung ist eine Sackgasse und je früher wir das realisieren, desto schneller wird es hoffentlich hormonfreie Alternativen geben.

Das Verhütungsmittel der Zukunft wird rein mechanisch wirken und beim Mann ansetzen. Die Samenleiter als „Flaschenhals” schreien geradezu danach, zeitweise funktionsuntüchtig gemacht zu werden.

Die Geschlechtsorgane einer Frau sind komplex wie ein V8-Motor. Die des Mannes: Wasserspritzpistole.

Das bedeutet übrigens nicht, dass NFP damit obsolet wird. Zur Selbstbeobachtung und für ein besseres Körpergefühl ist die symptothermale Methode perfekt.

Titelbild von Karl Fredrickson via Unsplash