Einführung in NFP
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Themen
- Was ist NFP?
- NFP zur Verhütung
- Wie funktioniert das?
- Was braucht man, um NFP zu machen?
- Ist NFP aufwändig?
- Der Zervixschleim
- Der Muttermund
- Die Temperatur
- Zusätzliche Symptome
- Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung
- Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit am Zyklusanfang
- NFP nach der Pille
- Und nun?
Was ist NFP?
NFP (Natürliche Familienplanung), oder auch symptothermale Methode genannt, ist eine Methode zur Ermittlung der fruchtbaren Zeit im weiblichen Zyklus. Es gibt verschiedene Erkennungsmerkmale, mit deren Hilfe man mit sehr hoher Sicherheit erkennen kann, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Dazu gehören die Körpertemperatur, die Qualität des Zervixschleims und die Lage, Festigkeit und der Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses. Wenn eine Frau den ungefähren Zeitpunkt ihres Eisprungs kennt, kann sie dadurch auf die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage in ihrem Zyklus schließen und NFP ganz gezielt zur Empfängnisverhütung, aber auch bei Kinderwunsch verwenden.
Die symptothermale Methode wurde ursprünglich vom österreichischen Arzt Prof. Dr. med. Josef Rötzer entwickelt. Er begann mit seinen wissenschaftlichen Beobachtungen 1951 und veröffentlichte seine Arbeit anschließend unter dem Begriff NER (Natürliche Empfängnisregelung) und bildete damit die Grundlage für weitere Methoden, die international unter der Bezeichnung NFP (Natürliche Familienplanung, Natural Family Planning) bzw. FAM (Fertility Awareness Method) vereint werden.
NFP zur Verhütung
NFP als Verhütungsmethode ist zumindest in Deutschland recht wenig bekannt und dazu auch noch verkannt, da sie mit der Temperaturmethode, der Kalendermethode oder auch Persona und anderen Verhütungscomputern, also allen anderen natürlichen Verhütungsmethoden verwechselt wird. All diese Methoden haben einen sehr viel höheren
Pearl Index als NFP.
Der Pearl Index für NFP liegt momentan bei 0,4. Man kann also sagen, dass NFP so sicher wie die Pille und etwas sicherer als die Kupferspirale ist, solange in der ermittelten fruchtbaren Zeit kein ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfindet. Wenn ein Paar jedoch auch in der fruchtbaren Zeit Geschlechtsverkehr haben möchte, muss auf Barrieremethoden ausgewichen werden wie z.B. Kondome, Diaphragma oder eine Kombination aus beidem. Barrieremethoden müssen nur über einen gewissen Zeitraum verwendet werden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden; in der unfruchtbaren Zeit kann man ohne weiteren Schutz Geschlechtsverkehr haben.
Wie funktioniert NFP?
Als Frau kann man nicht immer schwanger werden, sondern nur am Tag des Eisprungs. Das Ei ist ca. 12, höchstens 24 Stunden befruchtungsfähig und „wartet” auf die Spermien. Jedoch können Spermien bis zu 7 Tage in der Gebärmutter überleben, daher kann auch Verkehr vor dem Eisprung zu einer Befruchtung führen. Durch die Anwendung der NFP-Regeln lässt sich der Zyklus grob in fruchtbare und unfruchtbare Tage einteilen, um eine Schwangerschaft zu verhindern oder auch, um bei einem Kinderwunsch die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung zu erhöhen.
Was braucht man, um NFP zu machen?
Man benötigt einen Stift, Zyklusblätter in Papierform oder eine Online-Kurve bei myNFP. Außerdem braucht man zur Temperaturbeobachtung ein Thermometer. Eine Übersicht und weitere Informationen zu NFP-geeigneten Thermometern gibt es hier. Zum Einstieg benötigt man außerdem noch ein Buch, das die Regeln ausführlich anhand von Beispielen und Zykluskurven erklärt.
Ist NFP aufwändig?
Im Grunde genommen ist der Aufwand recht gering und beschränkt sich auf tägliches Messen der Basaltemperatur (Aufwachtemperatur), die mehrmalige Beobachtung des Zervixschleims oder des Gebärmutterhalses und das Notieren der ermittelten Werte. Es ist auch möglich, die Beobachtungen auf den Zeitraum kurz vor bis kurz nach dem Eisprung zu beschränken, wenn man bereits erfahrener ist. Die Temperatur wird nach dem Aufwachen, aber vor dem Aufstehen gemessen, wobei man vor dem Aufwachen mindestens eine Stunde geschlafen haben sollte. In die Zykluskurve wird dann ein leicht gerundeter Wert eingetragen. Gerundet wird auf 0.05er-Schritte, d. h. bis 0.02/0.07 wird abgerundet, ab 0.03/0.08 wird aufgerundet, also 36.22 auf 36.20, 36.23 auf 36.25, 36.27 auf 36.25, 36.28 auf 36.30 usw.
Der Zervixschleim
Mehrmals am Tag überprüft man seinen Zervixschleim entweder am Scheideneingang oder direkt am Muttermund. Wichtig ist dabei nur, dass man bei einer Art des Prüfens bleibt und nicht zwischen Scheideneingang und Muttermund hin- und herwechselt.
In der hochfruchtbaren Zeit weist der Schleim die beste Qualität auf. Diese ist jedoch individuell. Manche Frauen haben den ganzen Zyklus sehr viel Schleim, andere hingegen haben fast gar keinen und bemerken nur zum Zeitpunkt des Eisprungs eine sehr deutliche Veränderung. Ist der Schleim spinnbar, klar, wie Eiweiß, glasig oder glasig-rötlich, deutet dies auf die hochfruchtbare Zeit hin. Findet man keinen Schleim, fühlt man sich trocken oder nur leicht feucht, befindet man sich normalerweise nicht in der fruchtbaren Zeit. Man unterscheidet beim Schleim zwischen Fühlen bzw. der Empfindung und Sehen. Auch die Farbe gelb/weiß/klar verändert sich im Laufe des Zyklus. Die Beobachtungen werden täglich in das Zyklusblatt eingetragen. Jede Frau muss für sich selbst einen Schleimhöhepunkt feststellen, einen Tag, an dem der Schleim von der Qualität besser ist als an den darauffolgenden Tagen. Es wird dabei immer von der besten (fruchtbarsten) Schleimqualität des Tages ausgegangen.
| Empfinden/Fühlen | Aussehen | Abk. | |
|---|---|---|---|
| trocken, trockenes, rauhes, juckendes, unangenehmes Gefühl | und | nichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingang | t |
| nichts gefühlt, keine Feuchtigkeit, keine Empfindung am Scheideneingang | und | nichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingang | ∅ |
| feucht | aber | nichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingang | f |
| feucht oder nichts gefühlt | und | dicklich, weißlich, trüb, cremig, klumpig, gelblich, klebrig, etwas zäh-elastisch, nicht ziehbar | s |
| feucht oder nichts gefühlt | und | glasig, glasklar, glasig durchscheinend, wie rohes Eiweiß (glasig mit weißen Fäden durchsetzt), dehnbar, fadenziehend, spinnbar, flüssig, so dünnflüssig, dass er "wegrinnt wie Wasser", rötlich, rotbraun, gelblich-rötlich | s+ |
| nass, schlüpfrig, rutschig, glitschig, wie eingeölt, weich, glatt | und/ oder | glasig, glasklar, glasig durchscheinend, wie rohes Eiweiß (glasig mit weißen Fäden durchsetzt), dehnbar, fadenziehend, spinnbar, flüssig, so dünnflüssig, dass er "wegrinnt wie Wasser", rötlich, rotbraun, gelblich-rötlich | s+ |
Die geklammerten Schleimkategorien (s) bzw. (s+) dienen zur Differenzierung innerhalb einer Schleimkategorie und ist nur für Frauen geeignet, deren beste Schleimqualität jeden Zyklus weit in die Hochlage hineinreicht.
Der Muttermund
Falls man mit der Auswertung des Zervixschleims Probleme hat, kann man stattdessen auch den Muttermund abtasten. Man unterscheidet hierbei zwischen hart und tiefstehend (unfruchtbar) und weich und hochstehend (fruchtbar). Auch hier werden die Daten täglich in das Zyklusblatt eingetragen und irgendwann ein „Höhepunkt” festgestellt. Allerdings haben gerade Anfänger oft Probleme damit, die Lage des Muttermunds richtig einzuschätzen.
Die Temperatur
Die Messung der Temperatur wurde bereits oben beschrieben. Die Temperatur wird nach bestimmten Regeln ausgewertet. Ist eine Messung höher als sechs Messungen in den Tagen zuvor, dann ist diese die erste höhere Messung (1.hM). Es wird eine horizontale Linie durch den höchsten Punkt der sechs vorhergehenden Werte gezogen, so dass die 1.hM nun über dieser Hilfslinie liegt. Sie stellt den Bezugspunkt für die Temperaturwerte nach der 1.hM dar. Sind die beiden Messungen nach der ersten höheren Messung ebenfalls über dieser Linie (Coverline) und ist die 3. höhere Messung mindestens 2/10 Grad über der Coverline, dann ist die Temperatur fertig ausgewertet.
Ausnahmeregeln:- Wenn der 3. Temperaturwert weniger als 2/10 Grad über der Coverline liegt, muss ein 4. Wert abgewartet werden. Dieser muss über den 6 vorherigen Messungen liegen, aber nicht 2/10 Grad höher sein.
- Fällt eine der 3 höheren Messungen auf oder unter die Coverline, wird dieser Wert nicht berücksichtigt und es wird ein weiterer Wert abgewartet, der 2/10 über der Coverline liegen muss.
Die beiden Ausnahmeregeln dürfen nicht kombiniert werden.
Des Weiteren ist bei der Messung zu beachten, dass innerhalb eines Zyklus weder das Thermometer noch der Messort gewechselt werden darf. Als Messort eignen sich Mund, Scheide und After. Die Achseln sind als Messort nicht geeignet.
Dennoch ist der Mund als Messort etwas störanfälliger. Das Schlafen mit geöffnetem Mund beispielsweise ändert bereits die Temperatur in der Mundhöhle. Des Weiteren ist beim oralen Messen zu beachten, dass das Thermometer unter die Zunge direkt an das Zungenbändchen gelegt wird und auch immer auf der gleichen Seite liegen sollte. Sollte die Temperaturkurve unter der oralen Messung sehr viele Zacken aufweisen und/oder nicht auswertbar sein, so empfiehlt es sich, im Folgezyklus den Messort zu wechseln.
Die Temperatur ist störanfällig, die individuellen Störfaktoren müssen selbst herausgefunden werden. Dies können beispielsweise sein: unterschiedliche Messzeiten, anderes Klima, Urlaub, Stress, Alkohol, gestörter Schlaf, kurzer Schlaf, Krankheit, Medikamente, ... Gestörte Werte, die auffällig aus dem Tieflagenniveau herausragen, werden ausgeklammert, wenn sie die Auswertung beeinflussen.
Zusätzliche Symptome
Weiterhin gibt es noch einige Symptome, die auf einen Eisprung hinweisen können. Da wären einmal das Brustsymptom (schmerzende, ziehende, juckende oder aufgeblähte Brüste) und der sogenannte Mittelschmerz. Viele Frauen unterliegen dem Irrglauben, dass sie ihren Eisprung spüren können. Tatsächlich spüren sie aber nur den Mittelschmerz, der jedoch nicht genau an dem Tag des Eisprungs auftritt, sondern bis zu 9 Tage vorher bis 2 Tage danach (nachzulesen in NFP Heute).
Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung
Die unfruchtbare Zeit beginnt entweder am 3. Tag (abends) nach dem ausgewerteten Schleimhöhepunkt oder am Abend des 3. Tages der erhöhten Temperatur, je nachdem, was zuletzt kommt. Die unfruchtbare Zeit dauert so lange an, bis die Regel in gewohnter Stärke einsetzt.
Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit am Zyklusanfang
Eine unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang darf nur angenommen werden, wenn im vorherigen Zyklus eine Temperaturhochlage von mindestens 3 Tagen ausgewertet werden konnte. Die ersten 5 Tage im neuen Zyklus können als unfruchtbar angenommen werden, solange kein fruchtbarer Schleim auftritt bzw. der Muttermund sich, nachdem er sich nach der Menstruation geschlossen hat, wieder in Richtung Fruchtbarkeit verändert.
Die Minus-8-Regel:
Nach 12 ausgewerteten Zyklen (Zyklen mit einer Temperaturhochlage) kann die früheste 1.hM aller Zyklen bestimmt werden. Von diesem Tag werden 8 Tage abgezogen. Nun darf angenommen werden, dass die unfruchtbare Zeit bis zu diesem Tag dauert, es sei denn, es tritt bereits vorher fruchtbarer Schleim auf. (Beispiel: Die früheste 1.hM von 12 Zykeln ist der 15 Zyklustag, 15 - 8 = 7, d. h. bis zum 7. Zyklustag dauert die unfruchtbare Zeit).
Ausnahme: Sollte während der ersten 12 ausgewerteten Zyklen die 1.hM VOR Zyklustag 13 auftreten, so muss ab sofort die Minus-8-Regel angewendet werden, um die Sicherheit zu erhöhen. Beispiel: Im 7. Zyklus tritt die 1.hM am 11. Zyklustag auf. 11 - 8 = 3. Es dürfen ab dem 8. Zyklus am Zyklusanfang nur noch die ersten drei Tage als unfruchtbar angenommen werden.
NFP nach der Pille
Direkt nach dem Absetzen der Pille oder anderen hormonellen Verhütungsmitteln gelten die ersten 5 Tage des Zyklus als unfruchtbar. Es muss beachtet werden, dass im ersten Zyklus 4 höhere Temperaturmessungen benötigt werden statt der üblichen 3 (bzw. bei den Ausnahmeregeln 5 statt 4). Weitere Informationen zum Umstieg von der Pille auf NFP finden Sie hier.
Und nun?
Diese Einführung soll verdeutlichen, dass die Regeln relativ einfach und kompakt sind. Sie haben nun einen groben Überblick gewonnen, können mit den Regeln aber sicherlich trotzdem noch nicht viel anfangen. Falls dennoch Ihr Interesse geweckt wurde, können Sie sich einen Schnellkurs der Universität Düsseldorf ansehen oder sich gleich eines der beiden Basisliteraturwerke besorgen.
