Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Chillen nach Stillen oder warum ein Hausgecko ein Segen wäre...
Sabanja
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Re: Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Beitrag von Sabanja »

Oh noch etwas: er betreibt exzessiv Stimming.. Leider an meinen Händen und am Ellbogen. Das geht schon oft über meine Grenze und wenn ich es gar nicht mehr aushalte, dann grenze ich das sehr ein. Es ist dann sehr schwer für ihn, das muss ich dann irgendwie begleiten.

Aber auch da versuche ich soweit es geht ihn machen zu lassen. Wir haben noch keine Alternative gefunden, die er akzeptiert, das macht es etwas schwierig. In der Kita macht er das auch bei den Erzieherinnen..
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Evi_98
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Re: Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Beitrag von Evi_98 »

Wenn es nicht die Grenzen anderer übersteigt oder andere verletzt werden können, dann lass ich ihn einfach er selbst sein.
Das scheint mir eine gute Taktik zu sein. Ich weiß nicht, wie viele meiner echt seltsamen Verhaltensweisen, die ich als Kind hatte, meinen Eltern einfach nicht aufgefallen sind, oder wie viele sie zwar bemerkt, aber ignoriert haben, nach dem Motto "Das wächst sich schon aus". Wenigstens hatte ich dafür damals eine entspannte Freizeit :D
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Frostnebel
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Re: Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Beitrag von Frostnebel »

Sabanja hat geschrieben: Dienstag 12. Dezember 2023, 18:27 Wenn es nicht die Grenzen anderer übersteigt oder andere verletzt werden können, dann lass ich ihn einfach er selbst sein. z.B muss er bei einigen Spielen alles in einer bestimmten Reihenfolge machen oder er achtet sehr darauf, wer welchen Würfel hat.. Draußen achtet er sehr darauf, dass ich mit beiden Händen den Buggy schiebe und er will immer links von mir laufen. Grundsätzlich macht es unser Leben einfacher, wenn ich das einfach akzeptiere und das versuche ich so viel wie möglich :)
Schon süß diese kleinen Angewohnheiten :D
Sein Stimming würde mich aber in den Wahnsinn treiben :crazy: ich finde das gut wie du das machst!
Evi_98
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Re: Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Beitrag von Evi_98 »

Evi du beschreibst das was bei mir auch oft abgeht... Maskieren kostet so mega viel Kraft aber irgendwie "muss" man es um durch den Alltag zu kommen. Ich könnte manchmal auch einen Wutanfall wegen Kleinigkeiten bekommen und fresse das nur in mich rein, um Frieden zu wahren. Ich weiß auch nicht so richtig wie das weitergehen soll... Vielleicht stückweise Strategien zur Entspannung suchen und Urlaub alleine oder so? Keine Ahnung... Vielleicht hat ja noch jemand anderes Tipps :D
Ich habe allerdings schon das Gefühl, dass es zumindest ein wenig besser ist, seit ich bei der Psychologin war und das Ergebnis auch mit meinem Freund besprochen habe. Das Ironische ist, dass wir all die Jahre davon ausgegangen sind, dass er sehr sicher auf dem Spektrum ist (ohne offizielle Diagnose), aber ich nicht, oder maximal ein paar traits habe. Jetzt denken wir vermehrt darüber nach und uns fällt auf, dass wir fast entgegengesetzt sind in unseren Stärken/Schwächen. Ich bin sehr gut in sozialem Kontakt (im Zweifel wirke ich extrem schüchtern, in neuen Praktikums-/Arbeitsstellen rede ich oft die erste Woche so gut wie gar nicht, bis ich mich ein wenig eingefunden habe, nicht weil ich Angst habe, sondern weil ich nicht weiß, was ich zu wem sagen soll, wenn ich die Leute nicht kenne und es mich sehr irritiert, nicht zu wissen, wer welche Funktion hat), auch wenn es mich enorm anstrengt und ich einen deutlich kleineren sozialen Akku habe als er. Da ist er schwächer, erkennt social cues nicht gut, wirkt schnell unhöflich oder arrogant, ohne es zu wollen. Dafür brauche ich enorm viel Zeit für mich alleine, bin auffällig tollpatschig und v.a. konfus und vergesslich, außerdem habe ich Probleme mit Handlungsplanung, Beginn/Ende von Handlungen, teilweise Impulskontrolle usw. (Stichwort Chaos, Wohnung putzen, Haushaltssachen).

Seit mir die Quasi-Diagnose mitgeteilt wurde, versuche ich, Dinge auch dann zu äußern, wenn sie mir bisher viel zu peinlich und unangenehm waren, z.B. dass ich jetzt bitte alleine in der Küche sein möchte oder dass wir bitte nochmal gemeinsam in den Buchladen gehen müssen, weil ich überstimuliert war und nur für eine Person (anstatt zwei) ein Weihnachtsgeschenk habe kaufen können. Ich habe immens Angst, andere Leute zu verletzen oder zu beleidigen oder "komisch" zu wirken (ich sehe da auch deutliche Gründe für durch meine Erziehung). Aber mein Freund gibt mir jetzt auch mehr Vorlagen - z.B. habe ich gestern gelesen, als er zu mir kam, um zu essen, und er hat mich gefragt, ob ich jetzt lieber lesen oder lieber reden möchte. In dem Moment war beides okay. So etwas ist sehr angenehm.
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Frostnebel
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Re: Austausch Autismus-Spektrum-Störung

Beitrag von Frostnebel »

Das finde ich toll wie ihr miteinander umgeht :)
Da hat dir die Diagnose wirklich was gebracht und auch dass ihr euch gemeinsam damit auseinandersetzen könnt ist schön.
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