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Unfruchtbarkeit am Zyklusanfang

Die symptothermale Methode hat zwei unfruchtbare Phasen, die unterschiedlich ermittelt werden:

  1. Unfruchtbare Phase nach dem Eisprung: Anhand von Körpersymptomen wird festgestellt, wann der Eisprung sicher vorbei ist. Ab dann sind Sie unfruchtbar, weil keine Eizelle mehr unterwegs ist, die befruchtet werden kann. Wie diese Phase bestimmt wird, haben Sie bereits gelernt.
  2. Unfruchtbarkeit am Zyklusanfang: Am Zyklusanfang wissen wir noch nicht, wann der Eisprung stattfinden wird. Wir machen also eine Vorhersage darüber, wann der Eisprung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden wird.

Für diese Vorhersage gibt es einige Regeln, mit denen die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang sehr sicher ermittelt werden kann.

Zur Erinnerung: Der 1. Zyklustag ist der Tag, an dem Ihre Blutung in gewohnter Stärke auftritt.

Damit Sie am Zyklusanfang überhaupt Unfruchtbarkeit annehmen dürfen, muss eine Vorbedingung erfüllt sein:

Im vorherigen Zyklus muss eine 1. höhere Messung festgestellt worden sein.

Nur wenn Sie im vorherigen Zyklus einen Temperaturanstieg hatten, können Sie sicher sein, dass Sie auch einen Eisprung hatten. Wenn Sie keinen Eisprung hatten, müssen Sie annehmen, dass Sie fruchtbar sind. Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Zum einen könnte es sein, dass Sie gerade gar keine echte Menstruation haben, sondern lediglich eine Ovulationsblutung. Dann würden Sie fälschlicherweise die fruchtbarste Zeit als unfruchtbar einstufen.
  • Zum anderen gibt es das Risiko, dass auf einen Zyklus ohne Eisprung ein Zyklus mit frühem Eisprung folgt (aufgrund beschleunigter Follikelreifung).

Falls Sie also gerade mit der symptothermalen Methode anfangen und im 1. Zyklus sind, dann gilt der 1. Zyklus am Anfang als fruchtbar, weil Sie nicht wissen, ob Sie im vorherigen Zyklus einen Eisprung hatten oder nicht.

Ausnahme: Wenn Sie gerade erst die Pille abgesetzt haben, können Sie mit den folgenden Regeln Unfruchtbarkeit annehmen.

5-Tage-Regel

Die Hauptregel ist sehr einfach:

Die ersten 5 Tage des neuen Zyklus gelten als unfruchtbar (wenn die oben erwähnten Vorbedingungen zutreffen).

Doppelte Kontrolle mit dem Zervixschleim

Diese 5 Tage werden jedoch verkürzt, falls Sie vorher Schleim der Kategorie f, S oder S+ feststellen. Sobald Sie solchen Schleim beobachten, gelten Sie als fruchtbar. Dieses Prinzip der doppelten Kontrolle kennen Sie schon von der Temperaturauswertung.

Bei vielen Frauen fallen die ersten fünf Tage jedoch in etwa mit der Menstruation zusammen. Während der Menstruation brauchen Sie keinen Schleim zu beobachten. Häufig ist dies auch gar nicht möglich. Fruchtbarer Zervixschleim kann die 5 Tage also nur verkürzen, wenn Ihre Blutung kürzer als 5 Tage dauert.

Das Prinzip der doppelten Kontrolle gilt immer! Auch bei der Minus-8-Regel und Minus-20-Regel, die im Folgenden erklärt werden. Sobald Sie fruchtbaren Zervixschleim (f, S oder S+) beobachten, müssen Sie Fruchtbarkeit annehmen.

Minus-8-Regel

Die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang kann jedoch auch ausgedehnt werden. Sobald Sie 12 auswertbare Zyklen zusammen haben, also 12 Zyklen mit einer 1. höheren Messung, können Sie die früheste aller 1. höheren Messungen nehmen, davon acht Tage abziehen und erhalten somit die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang.

Beispiel: Sie haben 12 Zyklen ausgewertet und die früheste 1. höhere Messung dieser 12 Zyklen befindet sich an Zyklustag 15, dann rechnen Sie: 15 – 8 = 7. Sie sind also bis einschließlich Zyklustag 7 unfruchtbar.

Leider wirkt die Minus-8-Regel (zu Ihrer Sicherheit) auch verkürzend und zwar auch dann, wenn Sie keine 12 ausgewerteten Zyklen haben. Falls Sie beispielsweise in Zyklus 3 eine 1. höhere Messung an Tag 12 feststellen, dann gilt ab sofort die unfruchtbare Zeit nur noch bis 12 – 8 = Zyklustag 4.

Auch bei der Minus-8-Regel gilt das Prinzip der doppelten Kontrolle mit dem Zervixschleim. Wenn Ihre Blutung aufhört, bevor die errechnete unfruchtbare Zeit endet und Sie Zervixschleim der Kategorie f oder besser feststellen, müssen Sie sofort Fruchtbarkeit annehmen.

Die früheste 1. höhere Messung behalten Sie nach den Methodenregeln ein Leben lang. Ein früher Eisprung könnte sich wiederholen, so dass Sie auf Nummer sicher gehen sollten.

Minus-20-Regel

Für den Fall, dass Sie zuvor keine hormonellen Verhütungsmittel verwendet und einen Menstruationskalender eingesetzt haben, können Sie auch damit die unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang verlängern. Es gilt: Die kürzeste Zykluslänge der letzten 12 Zyklen – 20. Angenommen, Sie haben einen Menstruationskalender über das letzte Jahr geführt und 12 Zykluslängen aufgezeichnet, wobei der kürzeste Zyklus 27 Tage lang gewesen ist, dann können Sie eine unfruchtbare Zeit von 7 Tagen am Zyklusanfang annehmen.

Zusammenfassung

  • Ein Zyklus beginnt am ersten Tag der Menstruation in gewohnter Stärke. Schmierblutungen gehören zum alten Zyklus.
  • Wenn Ihr vorheriger Zyklus eine 1.hM aufweist und Sie keinen Schleim der Kategorie f, S oder S+ am Zyklusanfang finden, gelten die ersten 5 Tage eines Zyklus als unfruchtbar.
  • Wenn Sie f, S oder S+ finden, müssen Sie ab sofort Fruchtbarkeit annehmen
  • Wenn Sie eine 1. höhere Messung vor Zyklustag 13 feststellen, gilt ab sofort eine verkürzte unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang: 1.hM – 8 = unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang.
  • Wenn Sie 12 ausgewertete Zyklen (also 12 Zyklen mit 1.hM) aufgezeichnet haben, können Sie die Minus-8-Regel zur Verlängerung anwenden: früheste 1.hM aller Zyklen – 8 = unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang.
  • Falls Sie gerade mit der symptothermalen Methode beginnen und einen Menstruationskalender über die letzten 12 Zyklen geführt haben, können Sie die Minus-20-Regel zur Verlängerung anwenden: Kürzeste Zykluslänge – 20 = unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang.

Ausblick

Sie haben es geschafft. Sie haben nun die Grundlagen der symptothermalen Methode gelernt und können Ihren Zyklus bereits auswerten.

Wir haben eine Reihe von weiteren Themen, die für Sie interessant sein könnten:

Wir empfehlen Ihnen, sich mit der Literatur zu Sensiplan vertraut zu machen. Das Buch „Natürlich und Sicher” erklärt alle Regeln sehr anschaulich anhand vieler Beispiele und geht auch auf Lebensphasen ein, die hier auf myNFP nicht behandelt werden: Wechseljahre und Stillzeit.

Besonders empfehlenswert ist auch das Buch „Natürliche Familienplanung Heute”. In diesem Buch werden Hintergründe und Zahlen & Fakten aus den Studien zur symptothermalen Methode vorgestellt. Für die versierte Anwenderin der Methode Pflichtlektüre :-)

Denken Sie unbedingt auch über eine Beratung oder einen Kurs nach. Die Erfahrungen einer geschulten Beraterin helfen dabei, das Regelverständnis zu vertiefen und die symptothermale Methode auch zur natürlichen Verhütung sicher anzuwenden.

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