Wissen » Zervixschleim beobachten

Zervixschleim Beobachten

So ermitteln Sie Ihre Fruchtbarkeit
ganz ohne technische Hilfsmittel

Jede Frau entwickelt ein ganz eigenes Schleimmuster, das sich durch das Alter, die Lebensweise oder die Ernährung verändern kann. Ein bestimmtes Muster ist jedoch bei allen Frauen gleichermaßen zu beobachten: Nach der Menstruation fühlt sich die Scheide recht trocken oder nur leicht feucht an, oftmals spüren Sie auch überhaupt nichts. Später dann verändert sich der Zervixschleim und wird trüb, weißlich oder gelblich, klumpig oder cremig, spinnbar oder fadenziehend.

Sobald sich der Eisprung anbahnt, findet die bedeutsamste Veränderung statt: Die Scheide fühlt sich feuchter an, die Menge des Zervixschleims nimmt zu und die Konsistenz verändert sich. Vielleicht fühlen Sie sich richtig durchnässt oder haben ein glitschiges Empfinden. Der Zervixschleim mag nun glasklar oder wie rohes Eiweiß aussehen und kann zwischen den Fingern zu Fäden gezogen werden und ist dehnbar oder spinnbar.

Eben weil es bei jeder Frau Veränderungen im Laufe eines Zyklus gibt, können über den Zervixschleim Rückschlüsse auf die Zyklusphase – und ganz konkret auch auf den Eisprung gezogen werden und darum geht es uns schließlich.

Den Zervixschleim zu erfassen, ist anfangs nicht ganz leicht. Manche Frauen spielen deswegen sogar mit dem Gedanken, nur die Temperatur zu messen. Tun Sie das nicht! Sie werden es lernen, denn die Zervixschleimbeobachtung ist vor allem Erfahrungssache und erfordert Vergleichsmöglichkeiten.

Außerdem spielt der Zervixschleim eine außerordentlich wichtige Rolle für die Fruchtbarkeit. Sie werden in Ihren Zyklen unterschiedliche Schleimqualitäten feststellen und in spätestens zwei Monaten wird es sich so anfühlen, als hätten Sie nie etwas anderes gekannt.

Inhalt dieses Artikels:

Wie oft sollte der Zervixschleim überprüft werden?

Der Zervixschleim sollte täglich kontrolliert werden.

Das können Sie beispielsweise tun, wenn Sie auf Toilette gehen. Sie sollten den Schleim jedoch vor dem Wasserlassen abnehmen, weil sonst durch die Beckenmuskelkontraktion oder das unachtsame Abwischen der beobachtbare Schleim verloren gehen kann.

Viele Frauen kontrollieren den Schleim mehrmals täglich, weil es auch innerhalb eines Tages Schwankungen gibt, andere nur einmal am Tag. Wir empfehlen Ihnen am Anfang, Ihren Schleim mehrmals täglich zu kontrollieren. Sobald Sie ein Gefühl dafür entwickelt haben, können Sie die Schleimbeobachtung auch nur einmal am Tag durchführen, wenn Sie möchten.

Wie wird der Zervixschleim kontrolliert?

Der Zervixschleim kann auf drei Arten wahrgenommen werden:

  • Empfinden. Denken Sie an Ihren Scheideneingang und versuchen Sie zu spüren, welche Empfindung Sie haben. Fühlt sich der Scheideneingang feucht oder trocken an? Hatten Sie heute das Gefühl, als würde etwas aus Ihrer Scheide in Ihre Unterhose laufen? Oder juckt und reibt es irgendwie unangenehm?
  • Fühlen. Nehmen Sie den Schleim mit einem Finger ab, pressen Sie die Finger zusammen und ziehen Sie sie wieder auseinander, um den Schleim auf Dehnbarkeit zu testen. Reiben Sie die Fingerspitzen übereinander als wollten Sie jemanden bestechen und prüfen Sie, ob der Schleim sich trocken, ölig, glatt oder feucht anfühlt.
  • Sehen. Betrachten Sie den Schleim. Zieht er Fäden? Ist er klumpig? Ist der Schleim durchsichtig oder weißlich oder gelblich?

Der Zervixschleim kann eine Reihe von Eigenschaften aufweisen. Die Wichtigsten sind diese hier in der folgenden Tabelle. Konzentrieren Sie sich erstmal auf die Spalten Empfinden/Fühlen und Aussehen. Die Spalte mit den Abkürzungen und den Sinn der Tabelle erklären wir im Zuge der Zervixschleimauswertung. Hier wollen wir uns ganz auf die Beobachtung konzentrieren.

Schleimtabelle

Empfinden/FühlenAussehenAbk.
trocken, trockenes, rauhes, juckendes, unangenehmes Gefühlundnichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingangt
nichts gefühlt, keine Feuchtigkeit, keine Empfindung am Scheideneingangundnichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingang
feuchtabernichts gesehen, kein Schleim am Scheideneingangf
feucht oder nichts gefühltunddicklich, weißlich, trüb, cremig, klumpig, gelblich, klebrig, etwas zäh-elastisch, nicht ziehbarS
feucht oder nichts gefühltundglasig, glasklar, glasig durchscheinend, wie rohes Eiweiß (glasig mit weißen Fäden durchsetzt), dehnbar, fadenziehend, spinnbar, flüssig, so dünnflüssig, dass er "wegrinnt wie Wasser", rötlich, rotbraun, gelblich-rötlichS+
nass, schlüpfrig, rutschig, glitschig, wie eingeölt, weich, glattund/
oder
glasig, glasklar, glasig durchscheinend, wie rohes Eiweiß (glasig mit weißen Fäden durchsetzt), dehnbar, fadenziehend, spinnbar, flüssig, so dünnflüssig, dass er "wegrinnt wie Wasser", rötlich, rotbraun, gelblich-rötlichS+

Tabelle als PDF speichern (42 KB)

Schleimbilder

Die folgenden Bilder zeigen einige der oben genannten Eigenschaften. Bei Ihnen könnte der Zervixschleim, je nach Zyklusphase, ähnlich aussehen. Wichtig ist, dass Sie mit der Zeit ein Gefühl für die Attribute entwickeln, selbst wenn bei Ihnen der Schleim grundsätzlich etwas anders aussieht.

Menge des Zervixschleims

Manche Frauen haben den gesamten Zyklus über fast keinen wahrnehmbaren Zervixschleim, andere Frauen hingegen finden den gesamten Zyklus über sehr viel Schleim und können nur schwer Unterschiede feststellen.

Wichtig: Wenn Sie den gesamten Zyklus über fast keinen Zervixschleim finden, um den Eisprung herum jedoch eine deutliche Veränderung wahrnehmen, ist das völlig ausreichend! Sie benötigen nur einmal im Zyklus gute Schleimqualität.

Um den Schleim zu betrachten und zu erfühlen, müssen Sie diesen mit dem Finger abnehmen. Beim ersten Beobachtungsversuch haben Sie den Schleim am Scheideneingang abgenommen. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, den Zervixschleim direkt am Muttermund abzunehmen. Wie das geht, wird im nächsten Abschnitt erklärt. Viele Frauen, die am Scheideneingang nichts finden (auch während des potenziellen Eisprungs nicht), nehmen den Zervixschleim daher direkt am Muttermund ab.

Schleimabnahme Variante 1: Scheideneingang

Die Variante 1 haben Sie schon kurz kennengelernt. Der Vollständigkeit halber wird sie hier nochmal erläutert.

Für die Schleimabnahme am Scheideneingang sollten Sie mit dem Finger über den Eingang fahren, so als ob der Finger Toilettenpapier wäre. Fühlen Sie dabei mit dem Finger, ob sich der Scheideneingang selbst trocken, feucht, glitschig oder wässrig anfühlt (siehe die entsprechenden Eigenschaften weiter oben in der Schleimtabelle). Der Finger braucht nicht tief eingeführt zu werden. Es genügt, wenn er über den Außenbereich gleitet oder maximal etwa einen Zentimeter tief eingeführt wird.

Schleimabnahme Variante 2: Muttermund

Sie können den Schleim auch direkt am Muttermund abnehmen. Dazu empfiehlt es sich, die Beine zu spreizen und in die Hocke zu gehen oder ein Bein auf die Badewanne zu stellen. Führen Sie einen Finger tief in Ihre Scheide ein, um den Muttermund zu erreichen (8-10cm). Ihr Muttermund fühlt sich wie ein kleiner hervorstehender Fortsatz an, der leicht in die Scheide hineinragt. Er befindet sich an der „Oberseite” der Scheide, also zur Bauchdecke hin.

An fruchtbaren Tagen ragt der Muttermund weniger weit in die Scheide hinein (er „steht höher”) und ist weicher als an unfruchtbaren Tagen – dann ragt er weiter in die Scheide hinein („steht tiefer”) und ist härter. Es kann also sein, dass Sie den Muttermund nicht ertasten können, wenn Sie noch nicht wissen, wo er ist und wie er sich anfühlt. Probieren Sie es dann einige Tage später noch einmal oder fragen Sie Ihren Frauenarzt, ob er Ihnen zeigen kann, wo der Muttermund genau sitzt.

Wenn Sie Ihren Muttermund gefunden haben, fahren Sie mit dem Finger darüber oder drücken Sie leicht dagegen (aber bitte nicht mit den Fingernägeln kratzen) und ziehen Sie den Finger wieder heraus.

Nun können Sie den Zervixschleim so wie oben besprochen genauer untersuchen, also das, was Sie sehen und was Sie zwischen den Fingern fühlen.

Wenn Sie ein Gefühl für den Zervixschleim haben, müssen Sie diesen sozusagen nur noch kategorisieren. Das nennt man Auswerten.

Weiterlesen: Den Zervixschleim auswerten

Was zählt NICHT als Zervixschleim?

  • Erregungsschleim. Wenn Sie erregt sind, können Sie den Schleim nicht richtig auswerten. Wenn Sie sich unsicher sind, ob es sich bei dem Schleim um Erregungsschleim handeln könnte, führen Sie den Wassertest durch: Füllen Sie ein Glas mit Wasser und tauchen Sie den Schleim hinein. Wenn sich dieser auflöst, handelt es sich um Erregungsschleim. Wenn der Schleim im Wasser seine Struktur mehr oder weniger behält, also fadenartig aussieht oder klumpig ist, dann handelt es sich um Zervixschleim.
  • Menstruationsblut. Es gibt zwar die Schleimeigenschaft „rötlich”, jedoch zählt Menstruationsblut nicht dazu. Einige wenige Frauen beobachten ihren Zervixschleim auch während ihrer Periode, allerdings besagen die offiziellen Auswertungsregeln für die symptothermale Methode, dass während der Menstrutation kein Zervixschleim beobachtet werden muss.
  • Ausfluss. Also alles, was auf eine Krankheit zurückzuführen ist und von strengem Geruch, starkem Juckreiz oder Brennen begleitet wird.

Probleme beim Beobachten des Zervixschleims

  • Ich finde einfach keinen Schleim.
    Probieren Sie Variante 2, also die Schleimabnahme direkt am Muttermund. Es kann sein, dass Sie nur an wenigen Tagen oder gar an einem einzigen Tag im Zyklus eine gewisse Menge an Schleim finden (um den Eisprung herum). Sie sollten daher täglich kontrollieren.
  • Ich finde trotzdem keinen Schleim.
    Immer noch nicht? Haben Sie etwas Geduld. Sie benötigen einfach einige Vergleichsmöglichkeiten. Protokollieren Sie in Ihrem Zyklusblatt so viele Schleimeigenschaften wie möglich. Überlegen Sie selbst, wie Sie die Flüssigkeit, die Sie sehen und fühlen benennen würden. Oder tragen Sie ein, wenn Sie einen leichten Juckreiz haben oder sich trocken anfühlen und wenn Sie einfach nur „nichts” fühlen. Selbst das ist ein kleiner Unterschied. Die Idee ist, dass Sie mit der Zeit erkennen, dass es Unterschiede beim Schleim gibt.

    Konzentrieren Sie sich auf Ihr Empfinden! Die Empfindung des Zervixschleims ist sehr wichtig. Wenn Sie eine deutlich wahrnehmbare Empfindung um den Eisprung herum haben (z. B. glitschig), dann ist das für eine korrekte Auswertung ausreichend. Sie müssen nicht unbedingt etwas sehen.

    Wenn das alles nichts hilft, dann probieren Sie die Auswertung Ihres Muttermundes, denn auch dieser gibt Hinweise auf die Fruchtbarkeit und vielleicht liegt Ihnen das besser.
  • Ich finde zu viel Schleim bzw. erkenne einfach keine Unterschiede. Bei mir ist er immer S oder S+.
    Manche Frauen haben den gesamten Zyklus über ein Schleimmuster, das sich ausschließlich in den Kategorien S und S+ bewegt. Dies kann eine Auswertung des Zervixschleims schwierig machen. Für diesen Fall gibt es daher die sogenannte Binnendifferenzierung, also die Unterscheidung in ein und derselben Schleimkategorie. Die entsprechenden Schleimsymbole werden einfach mit zusätzlicher Klammerung angegeben, also (S) und (S+). Die Klammern bedeuten, dass Ihr Schleim etwas schlechter ist, als normalerweise in den Kategorien S und S+.

    Wenn Sie also bemerken, dass Sie innerhalb der Kategorie S+ Unterschiede feststellen, dann können Sie einfach die „schlechteren” S+-Tage mit (S+) angeben und die „guten” S+-Tage in gewohnter Weise mit S+.

    Achtung: Die Binnendifferenzierung ist eine Ausnahmeregelung und sollte nur verwendet werden, wenn Sie Ihr Schleimmuster bereits sehr gut kennen. Insbesondere am Anfang ist es sinnvoll, wenn Sie genau überlegen, ob Sie nicht doch ausschließlich die Standardkategorien verwenden können. Wie bereits erwähnt, die Schleimauswertung benötigt einige Zeit, bis Sie sie beherrschen. Setzen Sie daher nicht zu früh auf die Binnendifferenzierung.

    Alternativ gibt es die Möglichkeit, dass Sie die Schleimsymbole individuell anders verwenden. Wenn Sie beispielsweise sehr häufig S+ beobachten und innerhalb von S+ verschiedene Qualitäten feststellen, könnten Sie zur besseren Übersicht auch die „schlechteren” S+-Qualitäten als S eintragen und S+ für die wirklich besten Qualitäten reservieren.
  • Was zählt genau zum Scheideneingang?
    Wenn Sie den Schleim nach Variante 1 am Scheideneingang abnehmen, dann fahren Sie mit dem Finger nur äußerlich über den Eingang. Sie brauchen den Finger nicht in Ihre Scheide einzuführen. Je nach Beschaffenheit Ihrer Schamlippen können diese den Scheideneingang ganz oder teilweise verdecken. Sie dürfen mit dem Finger ruhig zwischen die Schamlippen fahren. Es ist aber auch nicht schlimm, wenn Sie den Finger einen Zentimeter tief einführen.

    Experimenteren Sie ruhig ein wenig. Vielleicht finden Sie für sich selbst ja sogar eine bessere Variante, um den Schleim abzunehmen. Sie sollten dies, sobald Sie sich für eine Abnahmeart entschieden haben, jedoch konsequent auf die gleiche Weise tun, um ein zuverlässiges Ergebnis zu erhalten.
  • Warum finde ich an meinem Muttermund Schleim, am Scheideneingang jedoch nicht?
    Dafür kann es mehrere Gründe geben. Es „dauert” manchmal einfach einige Zeit, bis der Schleim zum Scheideneingang wandert. Da der Schleim in der Gebärmutter produziert wird, ist es manchmal leichter, diesen direkt am Muttermund abzunehmen. Außerdem kann es passieren, dass der Zervixschleim in der Unterhose oder auf dem Toilettenpapier landet, bevor er untersucht wurde.
  • Ist es ungesund, mit dem Finger den Muttermund zu berühren?
    Sie sollten natürlich vorher die Hände waschen und sich nicht mit den eigenen Fingernägeln verletzen. Mit sauberen Händen gibt es keine Probleme. Falls Sie feststellen, dass die Schleimabnahme am Muttermund zu vaginalen Problemen führt, sollten Sie den Schleim nur am Scheideneingang abnehmen und Ihren Arzt informieren.

Haben Sie noch weitere Fragen? Schreiben Sie uns oder posten Sie in unserem Forum.

Zusammenfassung der Schleimbeobachtung

  • Kontrollieren Sie den Zervixschleim täglich
  • Variante 1 zur Schleimeobachtung: Mit dem Finger über den Scheideneingang fahren
  • Variante 2 zur Schleimbeobachtung: Den Finger in die Scheide einführen und über den Muttermund fahren oder diesen leicht anstupsen (der Muttermund ragt leicht auf der Bauchseite in die Scheide hinein)
  • Nehmen Sie den Schleim auf drei Arten wahr:
    Empfinden: Denken Sie an Ihren Intimbereich und spüren Sie Ihre Empfindungen.
    Fühlen: Fühlen Sie den Schleim mit dem Finger, testen Sie auf Dehnbarkeit und Konsistenz.
    Sehen: Betrachten Sie die Farbe und Beschaffenheit des Schleims.
  • Werten Sie anschließend den Schleim aus, indem Sie das kategorisieren, was Sie sehen, fühlen oder empfinden (siehe nächste Seite).

Alles klar? Sie haben den Schleim beobachtet? Dann geht's weiter mit der Auswertung.

Etwa 10% aller NFP-Anwenderinnen beobachten Veränderungen des Muttermundes anstelle des Zervixschleims. Wenn Sie auch nach 2-3 Übungszyklen keine unterschiedlichen Schleimqualitäten ausmachen können, sollten Sie sich einmal mit der Auswertung des Muttermundes auseinandersetzen. Vielleicht liegt Ihnen das besser.