Wissen » Temperatur auswerten

Temperatur auswerten

und die Temperaturkurve erstellen

Temperatur auswerten

Der NFP-Audiokurs direkt vom myNFP-Gründer

Sie wissen, dass der Zyklus grob in eine (Temperatur-)Tieflage und in eine Hochlage unterteilt werden kann. Der Eisprung geschieht kurz vor oder beim Übergang der Temperatur von der Tieflage in die Hochlage.

Um einen solchen Temperaturanstieg zu finden, brauchen Sie 6 niedrige zusammenhängende Temperaturwerte, auf die ein höherer Wert folgt. Sie können dazu auf Papier beispielsweise einfach ein Lineal anlegen und schauen, welcher Wert über 6 andere Werte hinausragt.

myNFP zeichnet Ihnen ganz einfach eine Hilfslinie ein, anhand deren Sie das Temperaturniveau gleich erkennen können. Die Hilfslinie geht durch den höchsten der 6 niedrigen Werte. Der darauffolgende Temperaturanstieg liegt entsprechend über der Hilfslinie.

Hilfslinie
Abbildung: Hilfslinie geht durch den höchsten der 6 niedrigen Werte. Der Wert mit dem blauen Pfeil liegt bereits über der Hilfslinie

Erste höhere Messung

Dieser Anstieg wird 1. höhere Messung (oder auch 1.hM bzw. ehM) genannt und ist in der NFP ein außerordentlich wichtiger Begriff. Um zu verifizieren, dass die 1. höhere Messung jedoch auch wirklich mit dem Eisprung in Zusammenhang steht, müssen Sie noch mindestens zwei weitere Werte überprüfen, so dass Sie insgesamt drei Werte haben, die über der Hilfslinie liegen.

Reguläre Temperaturregel

Reguläre Temperaturregel: Liegt der Wert am 3. Tag mindestens 0,2 °C über der Hilfslinie, gilt die Temperaturmessung als abgeschlossen.

Tipp: Auf myNFP entspricht ein Kästchen einer Temperatur von 0,1 °C. Sie müssen also lediglich die Kästchen zählen, um festzustellen, ob die Temperatur ausreichend gestiegen ist. Die 1.hM wird Ihnen aber auch automatisch angezeigt, wenn myNFP einen Temperaturanstieg gefunden hat.

Ausnahmeregel 1 & 2

Für die Temperaturauswertung gibt es außerdem zwei Ausnahmeregeln, da sich der Körper nicht immer entsprechend der Theorie verhält. Beide Ausnahmen sind jedoch nicht kombinierbar.

Ausnahmeregel 1: Es kann sein, dass gerade der 3. Wert nicht um 0,2 °C höher liegt. Dann warten Sie einen weiteren Tag ab. Dessen Wert muss über der Hilfslinie liegen, braucht aber nicht 0,2 °C höher zu sein.

Ausnahmeregel 2: Fällt der 2. oder 3. Wert auf oder unter die Hilfslinie, so ignorieren Sie diesen Tag und warten einen zusätzlichen Temperaturwert ab. Dieser zusätzliche Tag muss 0,2 °C über der Hilfslinie liegen.

Um es bildhaft auszudrücken: Bei Ausnahmeregel 1 steigt die Temperatur über einen etwas längeren Zeitraum sanft an.

Bei Ausnahmeregel 2 gibt es einen Ausreißer nach unten, der von einem steilen Anstieg gefolgt sein muss.

In Kombination mit der erfolgreichen Schleimauswertung wissen Sie nun, dass ein Eisprung stattgefunden hat und werden feststellen, dass sich Ihre Werte bis zur nächsten Periode konstant in einer Hochlage befinden. Wie Sie die Temperaturauswertung und die Schleimauswertung kombinieren, erfahren Sie auf der nächsten Seite.

Beispiele

Reguläre Temperaturauswertung 1
Abbildung: Reguläre Temperaturauswertung, da 3. Wert 0,2°C über der Hilfslinie liegt
Reguläre Temperaturauswertung 2
Abbildung: Reguläre Temperaturauswertung, da 3. Wert mindestens 0,2°C über der Hilfslinie liegt
Ausnahmeregel 1
Abbildung: Ausnahmeregel 1, 4. Wert muss über der Hilfslinie liegen, wenn 3. Wert nicht 0,2°C über der Hilfslinie liegt
Ausnahmeregel 2
Abbildung: Ausnahmeregel 2, 3. Wert liegt auf der Hilfslinie, also muss der 4. Wert 0,2°C über der Hilfslinie liegen
Kombination der Temperaturregeln
Abbildung: Links (Tag 13) wäre ein Anstieg erkennbar, aber Ausnahmeregel 1 + 2 dürfen nicht kombiniert werden, daher ist Zyklustag 17 die korrekte 1. höhere Messung
Krankheitsbedingter Temperaturanstieg
Abbildung: Zyklustag 6 bis 8 sollten aufgrund von Krankheit ausgeklammert werden, sonst ist die Temperaturkurve trotz gut sichtbarem Anstieg nicht auswertbar
Instabile oder unruhige Temperaturkurve
Abbildung: Relativ unruhige Temperaturkurve – die Messweise sollte optimiert werden. Der Zyklus ist aber auswertbar. Wo befindet sich die 1.hM Ihrer Meinung nach? Welche Temperaturregel wird angewendet?

Sie können nun sowohl Ihren Zervixschleim beobachten und auswerten, als auch Ihre Temperatur messen und auswerten. Bei der symptothermalen Methode werden beide Körpersymptome kombiniert, um maximale Sicherheit zu erzielen. Das ist ganz einfach und Sie erfahren im nächsten Artikel, wie das geht.

Noch ein Hinweis an Frauen, die unmittelbar vor dem ersten NFP-Zyklus die Pille abgesetzt haben:

Sie gelten im ersten Zyklus als „PostPill” und müssen in diesem Zyklus einen zusätzlichen Temperaturwert abwarten, um die Auswertung abzuschließen. Die reguläre Temperaturauswertung erfordert drei höhere Werte, also müssen Sie vier beobachten. Wenn Sie eine der Ausnahmeregeln anwenden, muss ein fünfter Tag betrachtet werden.

Diskussion über „genaue” Temperaturwerte

Bei der Temperaturmessung haben Sie gelernt, dass Sie Temperaturwerte auf den nächsten 0,05er-Schritt runden. Der Vorteil ist, dass Sie im Kurvenblatt sehr deutlich sehen können, ob ein Wert genau 0,2°C höher ist oder nicht.

Einige NFP-Anfängerinnen haben jdoch das Gefühl, sie müssten „genaue” Temperaturwerte aufzeichnen, also mit einer Genauigkeit von 0,01°C ohne zu runden, weil „genaue” Werte doch sicherer sein müssten. Dies ist jedoch nicht der Fall! Die symptothermale Methode wurde mit Regeln zur Temperaturrundung erfunden und erzielt damit einen sehr hohen Pearl-Index.

Dieses Gefühl des „Rundungsfehlers” müssen Sie einfach überwinden. Sie werden sehr bald feststellen, dass die Temperaturauswertung trotz Rundens sehr genau ist. Darüber hinaus würden Sie die Methode verfälschen, wenn Sie plötzlich exakte Werte verwenden würden und das wäre höchst unwissenschaftlich. Wer sagt denn, dass die gleichen Regeln auch bei „genauer” Temperaturmessung angewendet werden könnten?

Insofern: Lassen Sie sich durch die Rundung nicht verunsichern. Im Zweifelsfall warten Sie lieber einen oder zwei Tage länger ab. Sie werden jedoch bald feststellen, dass die Temperaturauswertung sehr sicher und in den meisten Fällen eindeutig ist.

Temperaturauswertung ganz intuitiv

Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass die Messung kompliziert ist und dass es so viele Auswertungsregeln zu beachten gibt. Lassen Sie uns daher noch einmal einen Schritt zurück treten und die ganze Temperatursache intuitiv betrachten.

Wir wollen mit Hilfe der Temperatur feststellen, ob es einen Eisprung gegeben hat oder nicht. Wenn die Temperatur ansteigt, müssen wir uns fragen: War das jetzt ein Anstieg, der vom Eisprung verursacht wurde oder gibt es andere Gründe dafür (Krankheit, Störfaktoren)?

Welche Regeln nun exakt angewendet werden, sind Detailfragen. Ja, die sind wichtig, aber wenn Sie das Grundprinzip verstanden haben, können Sie sich die Temperaturregeln logisch herleiten.

Ich hab Ihnen eine Skizze gemalt, um die Temperaturauswertung auf intuitiver Ebene zu verstehen und nicht nur die Exaktheit dabei zu sehen.

NFP-Temperaturkurve skizziert

Alle vier Temperaturkurven haben gültige Anstiege. Links oben sind Tieflage und Hochlage eindeutig zu erkennen (reguläre Temperaturauswertung). Rechts oben haben wir Ausnahmeregel 2 (ein deutlicher Absacker im Anstieg). Rechts unten haben wir Ausnahmeregel 1 (langsamer Anstieg, aber trotzdem eine Hochlage).

Links unten ist das, was Sie realistischerweise als Zykluskurve beobachten werden. Die Temperatur geht mal etwas hoch und wieder etwas runter, aber im Großen und Ganzen ist die Temperaturkurve eindeutig in eine Tieflage und eine Hochlage unterteilbar. Sie werden dafür schon bald ein Auge haben, das verspreche ich Ihnen.