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Natürliche Verhütung

mit der symptothermalen Methode (NFP)

Haben Sie schonmal von natürlicher Verhütung gehört? Vielleicht denken Sie dabei an Wald-und-Wiesen-Methoden, die von irgendwelchen Kommunen angewandt werden, die dem modernen Leben abgeschworen haben und es mit der Verhütungssicherheit nicht so genau nehmen. Oder haben Sie Ihren Biologielehrer aus der 8. Klasse im Ohr, der Ihnen versichert, dass die Kalendermethode nun wirklich nicht zur Verhütung gedacht ist (womit er Recht hat)?

Moderne natürliche Verhütungsmethoden erfüllen mindestens diese beiden Kriterien:

  • die Methode ist streng wissenschaftlich erforscht und erprobt
  • die Methode ist hochsicher und bestens geeignet zur Schwangerschaftsvermeidung

Eine Warnung vorweg: Natürliche Verhütung bedeutet, dass Sie sich mit Ihrem Zyklus auseinandersetzen. Sie werden Dinge über sich und Ihren Körper lernen, die eigentlich völlig logisch und klar sind, auf die Sie bisher jedoch noch nicht sonderlich geachtet haben. Sie werden Ihren Körper anders wahrnehmen und manche Frauen entdecken sogar ein neuartiges Gefühl von Weiblichkeit.

Frauen berichten von einem großen Aha-Erlebnis, wenn ihnen zum ersten Mal bewusst wird, dass sie ohne Arzt und technische Hilfsmittel selbst diagnostizieren können, wann sie fruchtbar oder unfruchtbar sind. Dieses Gefühl kann sogar verunsichern, weil wir jahrelang aus allen Ecken gehört haben, dass hormonelle Verhütungsmittel das „einzig Wahre” sind.

Natürliche Verhütungsmethoden

Das Problem der „natürlichen Verhütungsmethoden” ist, dass viele verschiedene Methoden in einen Topf geworfen werden. Einige dieser Methoden gelten zurecht als unsicher. Coitus Interruptus beispielsweise. Oder die Kalendermethode. Das sind leider auch die Methoden, die viele Menschen im Kopf haben, wenn sie an natürliche Verhütung denken.

Wenn Sie also sagen „ich verhüte natürlich” werden Sie vermutlich zu hören bekommen:„Ach, du willst schwanger werden?” Diese Betrachtungsweise ist jedoch undifferenziert und sagt mehr über die Unwissenheit des Fragestellers aus, als über die Frau, die auf natürliche Weise verhütet.

Sie haben vermutlich schon von der Temperaturmethode gehört. Bei dieser Methode gibt die gemessene Körpertemperatur Rückschlüsse auf die Phasen eines Zyklus. Des Weiteren gibt es auch noch die Zervixschleimmethode (Billings-Methode), bei der der Zervixschleim Rückschlüsse auf die Zyklusphasen ermöglicht. Besonders sicher ist die symptothermale Methode, die die Temperaturmethode und die Zervixschleimmethode kombiniert, um ein Höchstgrad an Sicherheit zu erzielen.

Diese drei Methoden sind auch unter dem Begriff Natürliche Familienplanung (NFP) bekannt, was für Verhütungszwecke zugegebenermaßen kein allzu vorteilhafter Begriff ist.

Die symptothermale Methode

Wie konzentrieren uns hier ausschließlich auf die symptothermale Methode, die eine Kombination aus Temperaturmessung und Schleimbeobachtung ist (oder alternativ auch Beobachtung des Muttermundes) und die es aus verhütungstechnischer Sicht mit der Pille aufnehmen kann. Der Pearl-Index dieser natürlichen Verhütungsmethode liegt bei 0,4 (siehe dazu auch Studien zur NFP und Begriffserklärung „Pearl-Index” auf Wikipedia).

Wenn wir auf diesen Seiten von NFP sprechen, dann meinen wir damit ausschließlich die symptothermale Methode. In der Praxis hat die symptothermale Methode die anderen beiden Methoden ohnehin fast vollständig ersetzt, so dass NFP mittlerweile ein Synonym für die symptothermale Methode geworden ist.

Seit einiger Zeit gibt es außerdem Bestrebungen, die symptothermale Methode, wie sie in Deutschland erforscht und angewandt wird, mit dem Begriff Sensiplan zu bezeichnen, um sich von anderen, weniger sicheren natürlichen Methoden abzugrenzen.

Das Prinzip dieser natürlichen Verhütungsmethode ist denkbar einfach:

Der Eisprung im Zyklus einer Frau wird von körperlichen Symptomen begleitet, die man beobachten und auswerten kann. Dies lässt sich so umkehren, dass von den Symptomen auf den Eisprung geschlossen wird.

Wenn Sie jeden Morgen Ihre Temperatur messen, werden Sie feststellen, dass die Temperatur zum Eisprung hin ansteigt und dann bis zur nächsten Periode um etwa 0,2°C – 0,5°C höher liegt als in der Zeit vor dem Eisprung.

Des Weiteren verändert sich durch die hormonellen Veränderungen zum Zeitpunkt des Eisprungs die Konsistenz und das Aussehen des Zervixschleims. Wenn Sie also eine bestimmte „Qualität” von Zervixschleim erkennen, ist dies ein deutlicher Hinweis auf Ihren Eisprung.

Wenn Sie diese beiden Symptome kombinieren, haben Sie den Kern von NFP und können feststellen, sobald Ihr Eisprung vorbei ist. Ab dann beginnt in Ihrem Zyklus die unfruchtbare Phase, in der Sie ohne weitere Verhütungsmittel Sex haben können, da die Eizelle nicht mehr befruchtet werden kann – Ihr Körper ist von sich aus unfruchtbar und daher nennt man dies natürliche Verhütung.

Natürliche Verhütung
Abbildung: Der Eisprung wird durch einen Temperaturanstieg und eine Veränderung des Zervixschleims erkannt. Nach dem Eisprung ist man ganz sicher unfruchtbar.

Der wichtigste Faktor dabei ist, dass eine Eizelle nur etwa 12-18 Stunden befruchtungsfähig ist und Spermien unter optimalen Bedingungen nur etwa fünf Tage überleben können. Diese Tage um den Eisprung herum gelten daher als fruchtbar; alle anderen Tage gelten als unfruchtbar.

Wir werden auf den folgenden Seiten noch einmal darauf zurückkommen.

Jetzt müssen Sie nur lernen, wie Sie Ihre Temperatur messen, den Zervixschleim beobachten und auswerten und alle Daten zu einem sinnvollen Ganzen kombinieren.

Sie mögen sich fragen, ob Sie das Selbstvertrauen in Ihren eigenen Körper und in Ihre eigenen Fähigkeiten aufbringen können, um Ihren Zyklus deutlich in eine unfruchtbare und in eine fruchtbare Phase unterteilen zu können. Seien Sie beruhigt: Vor Ihnen haben das schon sehr viele Frauen geschafft. myNFP hat seit 2006 über 50.000 Frauen bei der Auswertung ihrer Zyklen begleitet.

Wir werden Sie mit unserer Erfahrung in der NFP-Zyklusauswertung und den typischen Problemen, mit denen Anfängerinnen zu kämpfen haben, unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Damit Sie auch ein bisschen Spaß dabei und den Dreh bald raushaben werden, fangen auch gleich mit einer praktischen Übung an. Sie werden sehen, dass die symptothermale Methode eigentlich ziemlich simpel ist und dass natürliche Verhütung eine sehr sichere Sache sein kann, die mit Wald-und-Wiesen-Methoden nichts gemeinsam hat.

Übrigens: Falls Sie skeptisch sein sollten, was die wissenschaftlichen Grundlage der symptothermale Methode (NFP) betrifft, haben wir hier für Sie eine Vielzahl von Studien aufgelistet, die Sie sich ansehen sollten: Studien zur NFP.