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Kinderwunsch

Gelbkörperschwäche – Was ist das, wie stellt man sie fest?

Gelbkörperschwäche erkennen durch gezielte Zyklusbeobachtung

Von einer Gelbkörperschwäche (auch Lutealinsuffizienz genannt) spricht man, wenn die 2. Zyklushälfte verkürzt ist und weniger als 10 Tage dauert.

Bei einer Gelbkörperschwäche sind die Chancen auf eine Schwangerschaft reduziert.

Leider wird eine Gelbkörperschwäche sehr häufig falsch diagnostiziert:

Die Lutealinsuffizienz ist die häufigste gynäkologisch-endokrinologische Fehldiagnose.Natürliche Familienplanung Heute, Springer Verlag, 4. Auflage S. 144

Glücklicherweise kann jede Frau mit einfachen Mitteln selbst schauen, wie lang die zweite Zyklushälfte dauert und ob sie wirklich eine Gelbkörperschwäche hat.

Zur Info: Kurze Lutealphasen kommen auch bei gesunden Frauen hin und wieder vor und sind kein Grund zur Besorgnis. Etwas unternehmen solltest du, wenn die Zeit nach dem Eisprung regelmäßig verkürzt ist und du schwanger werden willst.

Solche kurzen Lutealphasen kommen auch bei gesunden Frauen hin und wieder vor und sind kein Grund zur Besorgnis.

Was ist eine Gelbkörperschwäche?

Der Gelbkörper entsteht während des Eisprungs und produziert Progesteron. Das Progesteron wiederum sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut aufbaut und sich auf eine Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet. Es sorgt außerdem dafür, dass eine Schwangerschaft aufrecht erhalten wird.

Vorgänge im Eierstock

Bei einer Gelbkörperschwäche wird weniger Progesteron produziert, wodurch sich die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig aufbaut und sich folglich die Eizelle nicht einnisten kann.

Gynäkologen haben herausgefunden, dass die Dauer der Lutealphase und der Progesteronspiegel miteinander verknüpft sind. Eine Studie zeigte: Fast immer war der Progesteronspiegel hoch genug, wenn die Temperaturhochlage mindestens 10 Tage betrug. Anders herum war bei einer Temperaturhochlage von weniger als 10 Tagen auch der Progesteronspiegel zu gering.

Wie wird die Gelbkörperschwäche diagnostiziert?

Eine Gelbkörperschwäche wird vom Frauenarzt diagnostiziert, indem dieser nach dem Eisprung Blut abnimmt und den Progesteronspiegel misst. Das Problem und der Grund für häufige Fehldiagnosen ist jedoch, dass die Blutabnahme am falschen Zyklustag erfolgt.

In gynäkologischer Fachliteratur wird immer noch häufig davon ausgegangen, dass der Eisprung zwischen dem 12. und 16. Zyklustag stattfindet. Blut wird daher standardisiert an den Zyklustagen 19, 21 und/oder 23 abgenommen, weil sich eine Frau an diesen Tagen bereits in der Lutealphase befinden sollte und folglich auch der Progesteronspiegel erhöht sein muss. Die Blutabnahme sollte nämlich in der Mitte der Lutealphase erfolgen.

Länge der Follikelphasen
Länge der Follikelphasen

In etwa 32 % aller Fälle erfolgt der Eisprung jedoch nach dem 17. Zyklustag (siehe Diagramm „Länge der Follikelphase”), so dass der Progesteronspiegel zum Zeitpunkt der Blutabnahme noch gar nicht erhöht sein kann. Die Diagnose lautet dann fälschlicherweise: Gelbkörperschwäche.

Diagnose unterstützen durch Zyklusbeobachtung

Verkürzte Hochlage Gelbkörperschwäche
Verkürzte Hochlage von 7 Tagen (ab dunkelgelbem Balken, Zyklustag 21)

Der Eisprung wird von einem Temperaturanstieg begleitet, so dass der Zyklus in eine Tieflage und in eine Hochlage unterteilt werden kann. Durch gezieltes Messen der Temperatur kannst du erkennen, wann in etwa der Eisprung war und wie lang die Lutealphase bei dir ist. Mehr dazu findest du hier:

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NFP-Regeln

Basaltemperatur messen & Temperaturkurve auswerten

Die NFP-Regeln zur Messung der Basaltemperatur und Auswertung der Temperaturkurve

Weitere Symptome & Anzeichen einer Gelbkörperschwäche

In der Fachliteratur gelten zum Teil ein langsamer Temperaturanstieg und eine geringe Differenz zwischen Hoch- und Tieflage als Symptome für eine Gelbkörperschwäche. Die Autoren von „Natürliche Familienplanung Heute” halten diese Symptome jedoch für überbewertet, weil sowohl bei langsamen Anstiegen als auch bei geringen Niveauunterschieden Schwangerschaften dokumentiert wurden.

Kann man trotz Gelbkörperschwäche schwanger werden?

Nicht jeder Zyklus muss eine zu kurze Hochlage aufweisen. Frauen mit häufigen lutealinsuffizienten Zyklen können trotzdem immer wieder auch Zyklen mit ausreichend langer zweiter Zyklushälfte haben, so dass sie trotzdem schwanger werden können.

Gelbkörperschwäche nach Absetzen der Pille

Nach Absetzen der Pille kommt es in 49 % der Fälle zu Zyklusstörungen. Das können verkürzte Zyklen, stark verlängerte Zyklen oder Zyklen ohne Eisprung sein, sowie Zyklen mit Gelbkörperschwäche.

Die Zyklusstörungen regulieren sich jedoch fast immer von selbst. Manchmal sehr schnell, manchmal kann es jedoch bis zu ein Jahr dauern, bis alles wieder im Lot ist.

Ursache für Gelbkörperschwäche

Die Autoren von Natürliche Familienplanung Heute (S. 131, 4. Auflage) schreiben:

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zum Thema Lutealinsuffizienz. Nach wie vor besteht Uneinigkeit darüber, wie sie definiert ist, wie häufig sie auftritt, woran man sie erkennt und sogar, ob sie überhaupt existiert.

Wenn eine Gelbkörperschwäche nicht einmal genau definiert werden kann, ist es folglich auch schwierig, die Ursache für eine Gelbkörperschwäche herauszufinden.

Wenn wir eine Gelbkörperschwäche als Temperaturhochlage mit weniger als 10 Tagen definieren, stellt man folgende Ursachen fest:

Die Frage nach der Ursache kann derzeit nicht eindeutig beantwortet werden. Wie bereits zuvor erwähnt: Wenn du eine Gelbkörperschwäche bei sich feststellst, heißt das nicht, dass alle deine Zyklen eine verkürzte 2. Zyklushälfte aufweisen.

Behandlungsmöglichkeiten

Wenn du regelmäßig eine verkürzte Hochlage hast und du gerne schwanger werden willst, sprich mit deiner Frauenärzt:in. Mit Progesteron-Präparaten bekommt man eine Gelbkörperschwäche in den Griff.

Quelle: „Natürliche Familienplanung Heute”, Springer Verlag, 4. Auflage

Titelbild: Wikipedia