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NFP im Alltag

Kondome richtig anwenden

Die richtige Größe erhöht die Sicherheit deutlich

Kondome

Es gibt zwei häufige Vorurteile gegenüber Kondomen:

Das ist wie beim Jeans-Kauf. Du gehst ja auch nicht in den Laden, kaufst die erstbeste Jeans, ärgerst dich zu Hause darüber, dass die blöde Hose gar nicht passt und schließt daraus, dass alle Jeans nicht passen.

Du kannst sowohl das Gefühl als auch die Sicherheit maßgeblich verbessern, indem du die richtige Größe verwendest. Dazu hilft es, den Penis auszumessen und ein Probierset mit verschiedenen Größen zu kaufen.

Es gibt vier Kriterien, wobei das erste das wichtigste ist:

  1. Penisdicke → Durchmesser des Kondoms
  2. Penislänge → Länge des Kondoms
  3. Wandstärke des Kondoms
  4. Penisform → Form des Kondoms, z. B. dickere Eichel
„Schatz, ich hab’s gleich. Das Kondom ist ein bisschen eng...“
„Schatz, ich hab’s gleich. Das Kondom ist ein bisschen eng...“

Als Faustregel gilt:

  • Wenn du das Kondom nicht richtig abrollen kannst, ist es wahrscheinlich zu eng
  • Wenn es deinen Penis nicht vollständig bedeckt, ist es zu kurz
  • Wenn es abrutscht, ist es zu groß
  • Wenn das Kondom platzt/reißt, ist es zu eng oder deine Partnerin ist nicht feucht genug (was von der Zyklusphase abhängig sein kann)

Entscheidend ist vor allem die Penisdicke und damit der Durchmesser des Kondoms. Hilfreich ist der Kondomberater von Vinico, der genau erklärt, wie man seinen Penis ausmessen kann.

Breite

Auf der Kondomverpackung geben viele Hersteller die nominale Breite, also den Durchmesser des Kondoms in Millimetern an.

Nominale Breitenangabe bei Durex Kondomen
Nominale Breitenangabe bei Durex Kondomen

Wichtig: Die nominale Breite des Kondoms ist der Durchmesser, wenn man das Kondom (den Ring am „Eingang”) zusammendrückt, so dass die Kondomöffnung nur noch ein Schlitz ist. Du kannst nicht 1:1 vom Penisumfang auf den Penisdurchmesser umrechnen!

Länge

Die Kondomlänge steht eher selten auf der Verpackung. Viele Kondommarken in Deutschland sind jedoch etwa 18 cm lang. Die durchschnittliche Penislänge eines Deutschen liegt bei 14–16 cm im erigierten Zustand.

Dicke / Wandstärke

Die Dicke bzw. Wandstärke eines Kondoms ist relativ unwichtig, sofern es beim Sex feucht genug ist. Die dünnsten Kondome in Deutschland fangen bei 0,04 mm Wandstärke an. In anderen Ländern (beispielsweise Japan) gibt es auch besonders dünne Kondome mit 0,01 mm Wandstärke.

Kondome reißen schneller, wenn zu viel Reibung entsteht. Kondome mit dickerer Wandstärke werden oft als besonders reißfest verkauft, weil sie mehr Reibung aushalten. Der Nachteil ist jedoch, dass man beim Sex möglicherweise weniger spürt und zu viel Reibung aufgrund von Trockenheit für die Frau unangenehm sein kann.

Anstatt auf besonders dicke oder reißfeste Kondome zu setzen, solltest du lieber Gleitgel verwenden, um die Reibung zu reduzieren und die Sicherheit des Kondoms zu erhöhen. Siehe dazu weiter unten: Feuchtigkeit beim Sex

Vorsicht vor XXL-Kondomen

XXL-Kondome werden gerne mit tollen Sprüchen wie „für besonders viel Männlichkeit” oder ähnlichem Unsinn beworben. Schau lieber genau hin. Manche XXL-Kondome sind nämlich nicht breiter, sondern nur länger.

Gründe, warum ein Kondom reißt und wie man ein gerissenes Kondom verhindert

  1. Kondom ist zu eng
  2. Kondom ist mit spitzen Gegenständen in Kontakt gekommen
  3. Kondom wurde falsch gelagert (nicht im Geldbeutel rumschleppen!)
  4. Produktionsfehler (eher unwahrscheinlich, die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei < 0,01 % und spielt für die Verhütungssicherheit nahezu keine Rolle)
  5. Scheide ist nicht feucht genug
  6. Falsches Gleitgel (fett- oder ölhaltige Gleitgels greifen das Latex an)

Feuchtigkeit beim Sex

Wie trocken oder feucht deine Partnerin ist, spielt eine wichtige Rolle bei der Sicherheit von Kondomen. Je trockener, desto mehr Reibung, desto höher das Risiko, dass das Kondom reißt. Wenn es zu trocken ist, verwende wasserbasiertes Gleitgel. Öl- oder fettbasiertes Gleitgel sollte man nicht verwenden, weil diese das Latex des Kondoms angreift. Auf der Verpackung steht, um welche Art von Gleitgel es sich handelt.

Manche Männer haben das Gefühl, dass Gleitgel keine Lösung ist, weil Gleitgel „unnatürlich” ist. Aus mangelnder Feuchtigkeit wird fälschlicherweise geschlussfolgert, dass die Partnerin nicht erregt ist oder eigentlich keine Lust hat. Gleitgel zu verwenden würde bedeuten, dass man künstlich nachhilft, das eigentliche Problem jedoch nicht löst, weshalb Gleitgel als No-Go empfunden wird.

Ob eine Frau richtig feucht wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In bestimmten Zyklusphasen werden viele Frauen hormonell bedingt weniger feucht, auch wenn sie erregt sind.

Vereinfacht gesagt haben die meisten Frauen rund um den Eisprung die größte Lust, werden schneller feucht (und feuchter) und kommen leichter zum Orgasmus. Speziell in der Zeit nach dem Eisprung kommen manche Frauen schwerer in Fahrt. Das kann dazu führen, dass deine Partnerin Lust empfindet, der Körper aber nicht sofort mitzieht und die Scheide nicht richtig feucht wird. Wenn dann ewig rumgemacht und darauf „gewartet“ wird, dass ihre Scheide richtig feucht wird, kann die Lust wieder verfliegen. In solch einer Situation kann Gleitgel hilfreich sein, um einfach zur Sache zu kommen. Der Körper zieht dann etwas später mit.

Vielleicht hast du einmal erlebt, dass dein Penis nicht auf Kommando stand wie eine Eins. In solch einer Situation hilft es nichts, wenn du ständig darauf achtest, ob dein Penis endlich steif wird oder nicht. Das ist sogar kontraproduktiv und führt dazu, dass sich gar nichts regt. So ähnlich verhält es sich bei deiner Partnerin, wenn sie nicht richtig feucht wird und anfängt darüber nachzudenken, woran das liegen könnte. Davon wird es nicht besser. Gleitgel kann dabei helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und die Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken als auf Körperfunktionen.

Ein weiterer Faktor kann die Pille sein. Manche Frauen werden weniger feucht, wenn sie die Pille nehmen, weil die Pille stark in den Hormonhaushalt eingreift. Auch in diesem Fall reduziert Gleitgel die Gefahr, dass das Kondom reißt, was vor allem dann eine Rolle spielt, wenn das Kondom vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen soll.

Kondome selbst können auch Trockenheit verursachen. Vielleicht ist Deine Partnerin anfangs richtig feucht und mit der Zeit wird sie trockener, je länger ihr Sex habt, weil das Kondom Feuchtigkeit nach außen transportiert. Mit Gleitgel kann man nachhelfen, um den Spaß nicht abbrechen zu müssen, weil es für die Frau unangenehm trocken wird.

Kurz und knapp: Nimm es nicht persönlich, wenn deine Partnerin hin und wieder nicht richtig feucht wird. Dafür kann es tausend Gründe geben. Solange ihr beide Sex haben wollt, kann Gleitgel dabei helfen, sich nicht zu sehr auf die Quantität von Körperflüssigkeiten zu versteifen.