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10 absurde Zyklus-Mythen

  1. Wenn bis Zyklustag 18, 19 oder 20 noch kein Eisprung stattgefunden hat, kommt auch keiner mehr und der Zyklus ist anovulatorisch.
  2. Coitus Interruptus ist sicher, wenn Mann sich beherrschen kann.
  3. Der Temperaturanstieg muss sprunghaft sein, damit es ein „guter” Eisprung war.
  4. Zu spät gemessene Temperaturen kann man anhand der Messuhrzeit umrechnen.
  5. Manche Sex-Stellungen sind für die Erfüllung des Kinderwunsches besser & man sollte danach liegen bleiben.
  6. Ohne S+-Zervixschleim wird man schlechter schwanger.
  7. Sport in der Hochlage verhindert die Einnistung der Eizelle.
  8. Eine triphasische Kurve ist ein sicheres Zeichen für eine Schwangerschaft.
  9. Es gibt mehrere Eisprünge im Zyklus, die an ganz unterschiedlichen Tagen auftreten können.
  10. Ein Temperaturabfall vor der 1. höheren Messung ist ein Zeichen für den Eisprung.

Mythos #1: Wenn bis Zyklustag 18, 19 oder 20 noch kein Eisprung stattgefunden hat, kommt auch keiner mehr und der Zyklus ist anovulatorisch

Falsch. Zwar sind nur rund 8,5% aller Zyklen länger als 35 Tage und lediglich 2,7% aller Zyklen länger als 40 Tage, aber ob Ihr jetziger Zyklus wirklich nur 35 Tage hat (35 = Eisprung an Tag 19, plus 16 Tage Lutealphase) wissen Sie erst im Nachhinein. Es gibt kein Indiz dafür, ob Sie einen späten Eisprung haben werden oder ob der Zyklus anovulatorisch sein wird. Gleichzeitig müssen anovulatorische Zyklen nicht unbedingt länger sein. Auch Zyklen mit normaler Länge (23–35 Tage) können ohne Eisprung sein.

Lassen Sie sich gar nicht erst auf unsinnige Faustregeln ein. Wenn Sie Ihren Zyklus richtig nach den NFP-Regeln auswerten, dann sollten Sie sich erst freigeben, wenn Sie einen Temperaturanstieg in doppelter Kontrolle mit einem Zervixschleimumschwung oder einer Muttermundveränderung beobachtet haben.

Mythos #2: Coitus Interruptus ist sicher, wenn Mann sich beherrschen kann

Lassen Sie uns das Kind beim Namen nennen: Sie experimentieren mit Coitus Interruptus. Als Verhütungsmethode kann man das nämlich nicht wirklich bezeichnen.

Das kann Spaß machen, keine Frage. Oder sogar einen extra Kick geben:“Wenn wir jetzt nicht gut aufpassen, dann werde ich schwanger. SCHWANGER. Vielleicht sollte ich jetzt doch ganz unerwartet den Beckenboden anspannen und ihn zum Kommen bringen…” und während der fruchtbaren Tage fühlt sich ohnehin alles noch viel intensiver an. Insbesondere mit latentem Kinderwunsch. Sie kennen das vielleicht.

Dennoch: Coitus Interruptus ist ein Spiel mit dem Feuer, das mit Selbstbeherrschung nicht immer etwas zu tun hat. Mehrere Gründe:

  • Spermien können auch schon vor der Ejakulation herauskommen. Manche Quellen behaupten, dass dem nicht so wäre, wenn der Mann nicht zuvor schon gekommen ist bzw. wenn er seit dem letzten Mal pinkeln war. Dazu gehen die Meinungen jedoch stark auseinander. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie davon ausgehen, dass eine gewisse Anzahl Spermien jederzeit beim Sex mit Lusttropfen herauskommen kann.
  • Ein Mann, der seinen Orgasmus mit Stop-And-Go herauszögert, spürt häufig schon vor dem eigentlichen Orgasmus leichte Beckenbodenkontraktionen. Dabei können ebenfalls schon Spermien abgegeben werden.
  • Studien haben gezeigt (und viele Männer werden Ihnen das bestätigen können), dass Ejakulation und Orgasmus zwei getrennte Prozesse sind. Die Ejakulation kann also schon vor dem gefühlten Orgasmus auftreten und damit ist kurz vorher rausziehen besonders gefährlich.
  • Wenn Sie kommen, sorgen Ihre Muskelkontraktionen für einen zusätzlichen physischen und psychologischen Reiz. Die Selbstbeherrschung kann dann ganz schnell flöten gehen.
  • Nur weil es bisher gut ging, heißt das nicht, dass es auch in Zukunft gut geht.

Wie dem auch sei. Genießen Sie es, aber sehen Sie die Sache realistisch als verzögerte Erfüllung Ihres Kinderwunsches, nicht als ernsthafte Verhütungsmethode.

Mythos #3: Der Temperaturanstieg muss sprunghaft sein, damit es ein guter Eisprung war

Die Temperatur kann sprunghaft ansteigen, aber auch gemächlich über einige Tage nach oben gehen. Dabei gibt es kein besser oder schlechter.

Vielleicht ist Ihr Östrogenspiegel langsamer angestiegen oder Ihr LH-Spiegel, vielleicht gab es Unterschiede in der Schlafqualität, in der Messuhrzeit oder irgendeinen anderen Faktor, der sich Ihrer Kenntnis und Ihrer Kontrolle entzieht.

Es ist einfach wie es ist und was im Endeffekt für einen sprunghaften Anstieg oder für einen langsamen Anstieg sorgt, können Sie nicht wissen und ist auch nicht weiter relevant. Weder zur Verhütung, noch zur Erfüllung Ihres Kinderwunsches.

Mythos #4: Zu spät gemessene Temperaturen kann man anhand der Messuhrzeit umrechnen

Sie sehen einen Kochtopf mit kochendem Wasser auf dem Herd und darin schwimmt ein Ei. Wie lange kocht das Ei schon und wie heiß war das Wasser vor 5 Minuten?

Sie wissen es nicht und Sie können es ohne weitere Informationen nicht wissen. Das Ei könnte schon seit einer halben Stunde kochen oder erst seit zwei Minuten.

Genauso ist es mit Ihrer Körpertemperatur. Wenn Sie früher oder später messen als üblich, dann haben Sie genau diesen Messwert. Dieser wird entweder so eingetragen oder ausgeklammert. Umrechnen geht nicht, weil es Ihnen an weiteren Informationen darüber mangelt, wie Ihre Temperatur zu einer anderen Uhrzeit denn tatsächlich gewesen sein könnte. Diese könnte höher, tiefer oder genauso hoch gewesen sein.

Mythos #5: Manche Sex-Stellungen sind für die Erfüllung des Kinderwunsches besser & man sollte danach liegen bleiben

Alles Käse. Vergessen Sie’s. Wenn das funktionieren würde, dann würde “aufrecht Sitzen” oder “Herumlaufen” auch als Verhütungsmethode durchgehen. Sie werden schwanger, wenn Sie an den hochfruchtbaren Tagen ungeschützten Sex haben und noch ein paar andere Bedingungen erfüllt sind, die sich jedoch Ihrer Kontrolle entziehen. Mehr können Sie leider nicht tun.

Mythos #6: Ohne S+-Zerivxschleim wird man schlechter schwanger

Das ist falsch. Wenn Sie lediglich S und teilweise sogar nur f beobachten, ist das auch ausreichend. Wenn Sie gar keinen Zervixschleim beobachten, müssen Sie unterscheiden:

a) Sie haben ausreichend Zervixschleim, den Sie jedoch aus verschiedenen Gründen nicht beobachten können. Vorhanden ist er aber trotzdem.

b) Oder Sie haben keinen ausreichenden Zervixschleim, dann kann das ein Grund dafür sein, dass Sie keinen Zervixschleim beobachten können und das wäre eine Ursache für Infertilität.

Wenn Sie tatsächlich an keinem einzigen Tag Zervixschleim beobachten können, kann es dafür mehrere Ursachen geben:

  1. Hormonelle oder organische Störungen: Eine Ovarialinsuffizienz mit verzögerter oder ausbleibender Follikelreifung führt zu geringerer Östrogenbildung, was wiederum weniger bis keinen Zervixschleim zur Folge hat.
  2. Verminderte Zervixschleimbildung kann auch nach einem operativen Eingriff am Gebärmutterhals vorkommen.
  3. Die Beobachtung kann durch temporäre Erkrankungen (zervikaler oder vaginaler Fluor) beeinträchtigt werden.
  4. Falsche Intimhygiene (Sprays, parfürmierte Seifen, desinfizierende Substanzen, Polyester-Unterwäsche, Scheidenspülungen, …)

Grundsätzlich können jedoch weit über 90% aller Frauen Zervixschleim beobachten. Das erfordert anfangs etwas Übung und manchmal tritt fruchtbarer Schleim nur an einem einzigen Tag auf (was trotzdem ausreichend ist, um schwanger zu werden). Wenn Sie nicht unter weiteren Symptomen wie Brennen, Jucken oder übelriechendem Ausfluss leiden, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge.

Im Zweifelsfall können Sie alternativ auch Ihren Muttermund untersuchen, um auf die fruchtbaren Tage zu schließen und falls Sie sich unsicher sind, ob Sie nicht doch eine Krankheit haben, lassen Sie sich vom Frauenarzt untersuchen.

Mythos #7: Sport in der Hochlage verhindert die Einnistung der Eizelle

Ihre prähistorische Ur-Ur-Ur-…Ur-Großmutter hatte gerade Sex und muss gleich wieder Beeren pflücken und Kräuter sammeln, damit der Stamm überlebt. Kniebeugen den ganzen Tag. Herumlaufen. Ins Schwitzen geraten. Anstrengende, körperliche Arbeit.

Wenn das die Einnistung der Eizelle verhindern würde, würden Sie diese Zeilen jetzt nicht lesen, sondern die Menschheit wäre vor ein paar Hunderttausend Jahren ausgestorben.

Möglicherweise bringen Sie Ihren Hormonhaushalt durcheinander, wenn Sie einen Ultramarathon laufen. Oder beim Iron-Man mitmachen oder sich in sonstige stressauslösende Extremsituationen begeben. Aber auch das ist Spekulation. Wir wollen nicht ausschließen, dass körperliche Extremsituationen einen negativen Einfluss auf Ihren Kinderwunsch haben. Grundsätzlich haben unsere Vorfahren in nicht allzu ferner Vergangenheit wesentlich mehr körperliche Arbeit geleistet als wir es heute tun und irgendwie sind wir trotzdem hier.

Also, machen Sie ruhig Sport, halten Sie sich fit. Das wird Ihre Chancen auf eine Schwangerschaft keineswegs beeinträchtigen.

Mythos #8-10:

Die folgenden Zyklus-Mythen sind etwas umfangreicher und in eigenen Artikeln beschrieben: