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Junge oder Mädchen?

Kann man mit NFP-Methoden das Geschlecht des Kindes beeinflussen?

Viele Frauen mit Kinderwunsch entwickeln meist schon lange vor der eigentlichen Zeugung eine Vorstellung, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden soll. Aus diesem Grund wird im Internet sehr häufig nach einem Weg gesucht, das Geschlecht des Kindes zu beeinflussen. Ob dies mit Methoden der natürlichen Familienplanung möglich ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Sie lesen einen Artikel aus dem ehemaligen myNFP-Blog. Der Artikel erschien ursprünglich im Jahr 2011.

Die Theorie von Shettles – „Sex zum richtigem Zeitpunkt”

Die Spermien tragen die entscheidende Erbinformation des Geschlechts bereits in sich. Hierbei haben „weibliche” Spermien ein X-Chromosom und „männliche” Spermien ein Y-Chromosom. Bei der Befruchtung verschmelzen die weibliche Eizelle mit einem X-Chromosom und das Geschlecht bestimmende Spermium mit einem X oder Y Chromosom miteinander, sodass eine Frau (XX) bzw. ein Mann (XY) entsteht. Dr. Landrum B. Shettles fand in seinen zahlreichen Studien heraus, dass männliche und weibliche Spermien verschiedene Eigenschaften haben [1]:

1. weibliche Spermien sind größer, widerstandsfähiger und langsamer
2. männliche Spermien sind kleiner, empfindlicher und schneller.

Aus dieser Erkenntnis entwickelte Dr. Landrum B. Shettles die Theorie, dass man durch ,Sex zum richtigen Zeitpunkt’ das Geschlecht des Kindes beeinflussen kann. Für ein Mädchen sollte man ein paar Tage vor dem Eisprung Sex haben, da die ,weiblichen’ Spermien im Zervixschleim länger befruchtungsfähig und langsamer sind. Bei einem Jungenkinderwunsch ist der Geschlechtsverkehr am Tag des Eisprungs oder kurz danach sinnvoll, da die schnelleren männlichen Spermien sich gegenüber den weiblichen mit höherer Wahrscheinlichkeit durchsetzen [1].

Zugegeben, Shettles’ Theorie mag plausibel klingen, aber sie berücksichtigt nicht, dass es noch viele andere Faktoren gibt, die das Geschlecht beeinflussen. Einer von ihnen ist der Zervixschleim und die damit verbundene Scheidenflora der Frau. Ist der pH-Wert eher sauer, können vermehrt nur widerstandsfähige weibliche Spermien befruchtungsfähig bleiben [2]. Der Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs spielt hierbei keine Rolle, sondern vielmehr welchen Zervixschleim die Frau um den Eisprung besitzt. Die Qualität des basischen fruchtbaren Zervixschleims bestimmt, wie sehr das eigentlich saure Milieu der Scheide neutralisiert wird. Diese ist von Zyklus zu Zyklus und von Frau zu Frau verschieden und kann von geringer Qualität der Stufe f bis zu sehr fruchtbaren Zervixschleim S+ reichen. Auch der Zeitpunkt des Zervixschleimhöhepunktes ist in jedem Zyklus unterschiedlich [1].

Ein weiterer Punkt, der die Befruchtungsfähigkeit der Spermien und damit das Geschlecht beeinflusst, ist das Alter und die Lebensweise der Frau bzw. des Mannes. Falls beide Eltern rauchen, so ergab eine wissenschaftliche Studie aus Japan mit über 11000 Paaren, ist die Zeugung eines Mädchens bis zu 18 Prozent wahrscheinlicher [4]. Dies ist damit zu begründen, dass vorwiegend männliche Spermien in ihrer Entwicklung in den Hoden auf Nikotin reagieren. Hierbei behindert Nikotin beim Mann den Reifungsprozess der Spermien in den Nebenhoden. Bei Frauen hat der Giftstoff Einfluss auf die Entwicklung der Eizelle. Zudem wird die Qualität der Gebärmutterschleimhaut und des Zervixschleims durch Nikotin vermindert [4].

Die Liste an Faktoren und Einflüssen lässt sich sicher noch fortsetzten. Darüber hinaus existiert bisher noch keine wissenschaftlich unabhängige Studie, die Shettles’ Theorie vom „Sex zum richtigem Zeitpunkt” stützt. Bestenfalls konnte eine Verschiebung von ein bis fünf Prozent zugunsten eines Jungens oder Mädchens dokumentiert werden [9].

Nicht einmal diese ein bis fünf Prozent werden von den meisten Anwendern von Shettles’ Theorie im Internet erreicht. Die Ursache ist einfach. Zumeist verwenden die Frauen einen Eisprungkalender zur Bestimmung des Zeitpunktes ihres Eisprungs. Dieser Kalender ist sehr ungenau und stark vereinfacht. Im besten Fall kann er Frauen mit sehr regelmäßigem Zyklus helfen, den Zeitpunkt des Eisprungs grob einzuschätzen. Als Hilfsmittel zur Beeinflussung des Geschlechts ist er nicht sinnvoll, da selbst mit den besten NFP-Methoden der Zeitpunkt des Eisprung statistisch nur auf 4 Tage eingegrenzt werden kann. Aus diesem Grund ist es auch mit NFP-Methoden nicht möglich, das Geschlecht des Babys zu beeinflussen.

Viele Kinderwunschseiten wie urbia.de [6] und familie.de [7] haben in ihrem Eisprungkalender den Zeitpunkt des richtigen Geschlechtsverkehrs für die Zeugung eines Jungen oder Mädchens eingebaut. Wenige von ihnen erwähnen, dass diese Information nicht zu hundert Prozent sicher ist. In Anbetracht der beschriebenen Fakten und wissenschaftlichen Studien ist das stark untertrieben. Mit falschen Versprechen werden die Frauen irregeführt. Den absoluten Höhepunkt leitest sich die Website 9-Monate.de [2], welche ernsthaft behauptet, dass Shettles mit seiner Theorie in 75 bis 80 Prozent der Fälle richtig liegt. Anhänger der Theorie werden nun sagen, dass es tatsächlich Studien mit diesem Ergebnis gibt [2]. Allerdings sind diese Studien mit einer sehr geringen Anzahl von Paaren durchgeführt worden [9].

Die anerkannten Mediziner und Autoren von „Natürliche Familienplanung heute” [1] bringen auf den Punkt, was von der angesprochenen Theorie und der Vorgehensweise mit dem Eisprungkalender zu halten ist:

Es versteht sich von selbst, dass ein derartiger Ansatz von vornherein als völlig indiskutabel bewertet werden muss.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dass Paare ihren Wunsch, das Geschlecht beeinflussen zu wollen, nicht vollständig aufgeben müssen, zeigen Studien von Fiona Mathews. Diese untersuchte mit ihrem Forscherteam in Großbritannien das Ernährungsverhalten der künftigen Mütter, während der Empfängnis. Mehr Kalorien sowie der regelmäßige Verzehr von verschiedenen Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen vergrößert dabei die Chancen für einen Sohn. In der Studie wurden die 740 Frauen je nach Kalorienverzehr in Gruppen eingeteilt. Das Ergebnis: Die Gruppe mit dem höchsten Kalorienverzehr zeugte etwa 10 % mehr Jungen (56 %) im Vergleich zur Gruppe mit dem geringsten Energieverbrauch (45 %). Ähnliche Zusammenhänge lassen sich im Tierreich beobachten. Ist ausreichend Nahrung vorhanden, steigt die Zahl männlicher Nachkommen, während bei Dürre oder Mangel an Nahrung die Anzahl sinkt[3].

Bisher vermuten die Forscher, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel die Erklärung für die beschriebenen Forschungsergebnisse ist [3]. Diese Vermutung ist leicht nachvollziehbar. Zum einen hängen Kalorienaufnahme und der Blutzuckerspiegel direkt zusammen. Schließlich werden bei jeder Mahlzeit Kohlenhydrate aufgenommen, die innerhalb kürzester Zeit in Glukose (Zucker) umgewandelt werden. Zum anderen wissen Mediziner, dass die Zugabe von Glukose bei In-vitro-Fertilisationen das Wachstum männlicher Embryonen positiv beeinflusst [4].

Bis heute können Effekte, die ausschließlich mit der Ernährung zusammenhängen, nicht ausgeschlossen werden [3]. Es wird wohl noch eine Weile dauern bis die Forscher genau erklären können, warum die Ernährung einen Einfluss auf das Geschlecht des Kindes hat. Man darf gespannt sein, ob sich diese Hypothese bestätigt und eventuell noch stärker genutzt werden kann. Aktuell können wir nur mit Methoden der künstlichen Befruchtung über die Zeugung eines Jungen oder Mädchen entscheiden [8]. Verständlicherweise sind diese Methoden ethisch nach unseren Gesetzen in Deutschland nicht erlaubt.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist: Hauptsache das Kind ist gesund – egal ob Junge oder Mädchen. Ganz im Gegenteil – ich finde sogar, dass es einen großen Reiz für mich hat, das Geschlecht bis zur Geburt gar nicht zu kennen. Vielleicht bin ich in diesem Punkt etwas altmodisch?! Wie seht ihr das? Ist es euch wichtig, das Geschlecht eures zukünftigen Kindes beeinflussen zu können? Wenn ja würdet ihr dafür eure Ernährung umstellen? Welche Theorien kennt ihr noch um das Geschlecht eines Kindes zu beeinflussen und haben diese funktioniert?

Marcus Krahlisch für myNFP

Quellen:

[1] E. Raith, P. Frank, G. Freundl, S. Baur, N. Klann, U. Sottong, Natürliche Familienplanung heute: Mit ausführlicher Darstellung der Zykluscomputer für Ärzte, Berater und interessierte Anwender, Herausgeber: Sichere Empfängnisregelung, Köln Arbeitsgruppe nfp der Malteser e.V., 4. Auflage, 2008 (Zitat im Text: vgl. S. 203)

[2] Qualimedic.de, Junge oder Mädchen, www.9.monate.de, Oktober 2008

 [3] Ilka Lehnen-Beyel, Wie die Ernährung das Geschlecht des Kindes beeinflusst, ddp/wissenschaft.de, April 2008

[4] Unbekannt, Raucher bekommen mehr Mädchen, spiegel-online-wissenschaft, April 2002

[5] Unbekannt, Ich werde nicht schwanger, warum? Ursachen für Kinderlosigkeit, http://wellfit.freundin.de, September 2010

[6] Eisprungskalender urbia.de

[7]Eisprungkalender familie.de

[8] Unbekannt, Junge oder Mädchen: Weltweit wollen immer mehr Eltern das Geschlecht ihres Kindes bestimmen, wissenschaft.de, Oktober 2011

[9]Unbekannt, Natürliche Geschlechtswahl, wikipedia, Unbekannt

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