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Unregelmäßiger Zyklus

Schon im Biounterricht wird den Schülern vermittelt, dass ein regelmäßiger Zyklus 28 Tage lang sein sollte, mit einem Eisprung etwa an Zyklustag 14. Auf Abweichungen von den 28 Tagen wird kaum eingegangen. Durch den „28-Tage-Zyklus” der Pille verfestigt sich diese Vorstellung bei den meisten Menschen noch.

Doch ist es tatsächlich so? Muss ein regelmäßiger Zyklus immer 28 Tage haben? Welche Abweichungen sind noch zulässig, so dass der Zyklus noch als regelmäßig gilt? Und welche Rückschlüsse können daraus auf die Fruchtbarkeit einer Frau gezogen werden?

Inhalt dieses Artikels:

Was ist überhaupt ein regelmäßiger Zyklus?

Gynäkologen haben bei einer Studie mit gesunden Frauen zwischen 19 und 45 Jahren 9.846 Zyklen ausgewertet und festgestellt, dass nur 13 % der Frauen einen 28-Tage-Zyklus haben. Etwa die Hälfte der Zyklen waren länger als 28 Tage und jeder zehnte Zyklus war sogar weniger als 25 Tage lang.

Verteilung von Zykluslängen

Der perfekte Zyklus, 28 Tage lang?

Im Diagramm ist deutlich erkennbar, dass eine Zykluslänge von 27 Tagen am häufigsten vorkommt. Geht man davon aus, dass der Idealzyklus das ist, was am häufigsten auftritt, hat der „perfekte Zyklus” eine Länge von 27 Tagen und nicht von 28. Oft wird jedoch vom „regelmäßigen 28-Tage-Zyklus” oder vom „perfekten 28-Tage-Zyklus” gesprochen und es stellt sich die Frage, wie sich diese Zahl eingebürgert hat.


Der Gedanke liegt nahe zu sagen, dass ein regelmäßiger Zyklus eben 27 Tage lang ist, Plus-Minus ein bis zwei Tage. Weit gefehlt. Das folgende Diagramm zeigt, wie sehr die Zykluslänge schwanken kann. Es wurden die Zyklen von 210 Frauen über 1 Jahr beobachtet:

Verteilung von Schwankungsbreiten

Gerade einmal 3,3 % der Frauen haben Zykluslängen, die lediglich um 3 Tage schwanken. Bei 58 % der Frauen schwanken die Zykluslängen innerhalb eines Jahres um mehr als 7 Tage.

Andere Forscher kamen zum Teil zu noch stärkeren Abweichungen. Brayer stellte sogar fest, dass 70 % aller Frauen eine Schwankungsbreite von mehr als 8 Tagen in einem Jahr haben.

Um dies noch einmal zu veranschaulichen: Eine Frau kann einen Zyklus mit der Länge von 24 Tagen haben und im gleichen Jahr möglicherweise einen Zyklus mit der Länge von 32 Tagen. Dies ist nicht ungewöhnlich und gilt immer noch als regelmäßig!

Die Autoren von NFP Heute sind daher zu dem Schluss gekommen:

Zykluslängen zwischen 23 und 35 Tagen gelten unter medizinischen Gesichtspunkten als normal.

– Natürliche Familienplanung Heute, S. 129

Was passiert bei einem unregelmäßigen Zyklus mit dem Eisprung?

Der weibliche Zyklus hat zwei Phasen: Die Follikelphase ist die Zeit von der Menstruation bis zum Eisprung. Die Lutealphase ist die Phase nach dem Eisprung bis zum Beginn der nächsten Menstruation.

Das Interessante ist nun: Die Lutealphase kann hormonell bedingt niemals länger als 16 Tage dauern (andernfalls ist eine Frau schwanger). Wenn ein Zyklus nun unregelmäßig ist, dann verlängert sich immer die Follikelphase und der Eisprung wandert nach hinten.

Mehr dazu im Artikel über die 2. Zyklushälfte.

Nach dem wir jetzt wissen, dass ein Zyklus keine 28 Tage haben muss und Schwankungen in der Zykluslänge ebenfalls normal sind stellt sich die Frage: In welchen Lebensphasen ist ein unregelmäßiger Zyklus normal?

In welchen Lebensphasen ist ein unregelmäßiger Zyklus normal?

Das Alter beeinflusst den Zyklus einer Frau maßgeblich. Gerade in den ersten Jahren nach dem Einsetzen der Periode sind Zyklusschwankungen normal.

  • Typisch sind unregelmäßige Zyklen mit einer verlängerten Follikelphase (Phase vor dem Eisprung) und einer verkürzten Lutealphase (Phase nach dem Eisprung).
  • Hinzu kommen gehäuft Zyklen ohne Eisprung.

Mit der Zeit stabilisieren sich die Zyklen, wobei diese Phase bis zum 25. Lebensjahr anhalten kann.

Eine 20-Jährige muss also noch keine regelmäßigen Zyklen haben, auch wenn das häufig angenommen und als „Gegenmittel” sehr schnell die Pille verschrieben wird. Generell gilt:

Eine Frau sollte ihrem Körper die Zeit lassen, damit sich ein regelmäßiger Zyklus entwickeln kann.

Während die Zyklen der 30- bis 39-Jährigen am stabilsten sind, nehmen die Zyklusstörungen ab dem 45. Lebensjahr wieder zu.

Weitere Lebensphasen, in denen ein unregelmäßiger Zyklus gehäuft auftritt sind:

  • Nach einer Schwangerschaft: Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft ist immens. Viele Frauen spüren das an den unterschiedlichen Symptomen wie z. B. Übelkeit und Hungerattacken. Nach der Schwangerschaft ist es nicht anders. Der Körper muss sich wieder an den neuen „nicht-schwangeren” Zustand gewöhnen und ein unregelmäßiger Zyklus gehört dazu.
  • In der Stillzeit ist das Prolaktin erhöht. Dieses Hormon behindert ein in Gang kommen des Zyklus nach der Schwangerschaft. Ein ausbleibender oder unregelmäßiger Zyklus ist in dieser Zeit ganz normal.
  • Nach einer Fehlgeburt: Auch bei einer Fehlgeburt lag eine Schwangerschaft vor, daher gilt hier das gleiche wie nach einer Schwangerschaft.
  • Nach dem Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln (z. B. Pille, Hormonspirale, Implanon, Nuvaring): Durch die Hormone wird der Zyklus unterdrückt. Eine Frau, die die Pille nimmt hat keinen Zyklus. Daher kann es bis zu 12 Monate dauern, bis sich wieder ein regelmäßiger Zyklus einstellt.

Wodurch kann ein unregelmäßiger Zyklus hervorgerufen werden?

Man unterscheidet zwischen temporären Einflüssen und länger andauernden Störungen.

Zu den temporären Einflüssen sind Reisen mit der damit einhergehenden Zeitverschiebung und Klimaveränderung, Diäten, Krankheiten und Stress zu zählen.

Länger andauernde Störungen werden häufig von pathologischen Zuständen der endokrinen Drüsen verursacht, darunter ist zum Beispiel eine Schilddrüsenfunktionsstörung zu zählen.

Dabei ist aber die individuelle Unterscheidung wichtig. Während manche Frauen sehr empfindlich auf Einflüsse reagieren, haben andere stets einen regelmäßigen Zyklus, egal was in ihrem Leben passiert.

Zyklusstörungen stellen erst dann ein Krankheitsanzeichen dar, wenn sie über über einen längeren Zeitraum anhalten.

– Natürliche Familienplanung Heute, S. 136

Das Alter der Frau sollte dabei natürlich – wie im vorherigen Abschnitt erläutert – mit einbezogen werden.

Unregelmäßiger Zyklus als Hinweis auf gesundheitliche Probleme

Den Zyklus beobachten bedeutet, die morgendliche Körpertemperatur zu messen und den Zervixschleim oder Muttermund zu beobachten und beides in ein Zyklusblatt einzutragen. Mit gezielter Beobachtung des eigenen Zyklus kann man nicht nur effektiv verhüten oder die Chancen auf eine Schwangerschaft erhöhen, sondern auch in gewissem Maße gesundheitliche Probleme diagnostizieren.

  • Eine Temperaturhochlage von weniger als 10 Tagen ist ein Hinweis auf einen geringen Progesteronspiegel. Damit kann die Diagnose einer Lutealinsuffizienz (Gelbkörperschwäche) unterstützt werden.
  • Verweilt die Temperatur länger in der Tieflage, kann dies ein Hinweis auf eine Follikelreifungsstörung sein.
  • Ein anovulatorischer Zyklus (Zyklus ohne Eisprung) kann ebenfalls durch die Temperaturkurve erkannt werden. Dies ist nämlich der Fall, wenn es keinen Temperaturanstieg in der Kurve gibt, sondern die Temperatur immer im gleichen Bereich bleibt.

Auch der anovulatorische Zyklus muss im Kontext gesehen werden. In jungen Jahren und bei vereinzeltem Auftreten sollte kein Grund zur Sorge bestehen. Nach Absetzen der Pille kommt es in 10 % der Fälle zu einem anovulatorischen Zyklus.

Vorteile der Zyklusbeobachtung bei einem unregelmäßigen Zyklus

Auch falls Sie derzeit in keiner festen Beziehung sein sollten und mit Kondomen verhüten, kann es sinnvoll sein, den eigenen Zyklus zu beobachten und auszuwerten.

Beispielzyklus
Abbildung: Die Lutealphase dauerte in diesem Zyklus 15 Tage. Diese Frau hat definitiv keine Gelbkörperschwäche
  1. Natürliche Schwankungen erkennen

    Viele Frauen lassen sich von einem unregelmäßigen Zyklus beunruhigen. Die Pille dürfte daran nicht ganz unschuldig sein. Eine häufige Frage, die man im Internet liest, ist:„Ich nehme die Pille und meine Periode ist noch nicht da, bin ich schwanger?”

    Die Einnahme der Pille konditioniert uns. Sie gibt uns das Gefühl, dass wir einen „natürlichen” Zyklus haben, indem alle 28 Tage eine Blutung ausgelöst wird. Medizinisch betrachtet handelt es sich dabei jedoch nicht um die Menstruation, sondern um eine Abbruchblutung. Durch die jahrelange Konditionierung stellt sich schnell das Gefühl ein, dass irgendwas nicht stimmt, wenn die Zyklen ohne Anwendung hormoneller Verhütungsmittel schwanken.

    Durch die Zyklusbeobachtung kann eine Frau feststellen, ob ihr Zyklus wirklich unregelmäßig ist oder nur den normalen Schwankungen unterliegt.

  2. Menstruation prognostizieren:

    Ein unregelmäßiger Zyklus hat den Nachteil, dass man nie weiß, wann die nächste Blutung einsetzt. Man ist völlig ahnungslos. Menstruationskalender machen keinen Sinn und folglich kommt die Blutung meist sehr überraschend.

    Durch die Zyklusbeobachtung kann der Zeitraum des Eisprungs auf wenige Tage genau eingegrenzt und weil die zweite Zyklushälfte fast immer 12-16 Tage lang ist, kann der Beginn der nächsten Menstruation auf wenige Tage vorausgesagt werden.

  3. Eisprung erkennen:

    Wenn eine Frau nur mit Kondomen verhütet, kann die Angst vor einer unerwünschten Schwangerschaft bei unregelmäßigen Zyklen höher sein als bei regelmäßigen Zyklen, da sie nie weiß, ob ihre Tage ausbleiben und sie schwanger ist oder ob ihr Zyklus lediglich wieder etwas länger ausfällt.

Durch die Zyklusbeobachtung weiß eine Frau, wann ihre fruchtbaren Tage sind und wann ihre nächste Menstruation in etwa einsetzen wird. Dadurch kann sie sehr gut beurteilen, ob die Möglichkeit einer Schwangerschaft besteht oder nicht (z. B. bei einer Kondom-Panne).

Kann man trotz unregelmäßiger Zyklen schwanger werden?

Wenn Sie sich ein Kind wünschen, muss ein unregelmäßiger Zyklus kein Hindernis sein. Viele Frauen werden trotzdem schnell schwanger. Ein unregelmäßiger Zyklus könnte die Zeit bis zur Erfüllung Ihres Kinderwunsches jedoch verlängern.

Es muss im Einzelfall unterschieden werden:

  • Sind Ihre Zyklen stark verlängert, beispielsweise 100 Tage lang, werden Sie pro Jahr entsprechend weniger Eisprünge haben. Die Chance auf eine Befruchtung liegt im 1. Übungs-Zyklus bei etwa 28 % und steigt, je länger Sie „üben”. Es kann gut sein, dass Ihr Kinderwunsch sofort in Erfüllung geht. Es könnte aber auch sein, dass Sie länger warten müssen als andere Frauen, weil es oft einige Zyklen dauert, bis der Kinderwunsch in Erfüllung geht.

    Empfehlenswert ist es daher, den Zyklus gezielt zu beobachten, um die besonders fruchtbaren Tage zu erkennen. Damit unternehmen Sie aktiv etwas und steigern die Chancen, schwanger zu werden.

  • Wenn Sie besonders kurze Zyklen haben, könnten Sie unter einer Gelbkörperschwäche leiden. Eine Gelbkörperschwäche kann dazu führen, dass die Eizelle nicht richtig einnistet oder nach der Einnistung wieder abgeht.

    Sie können das herausfinden, indem Sie Ihren Zyklus beobachten und feststellen, ob Ihre Temperaturhochlage verkürzt ist (10 oder weniger Tage). Nehmen Sie Ihr Zyklusblatt dann mit zu Ihrem Frauenarzt und sprechen Sie diesen darauf an.

Natürliche Verhütung bei unregelmäßigem Zyklus

Eines der häufigsten Vorurteile lautet: Natürliche Verhütung bzw. NFP geht nur mit regelmäßigem Zyklus. Dieses Vorurteil zeigt jedoch, dass die Person die Methode nicht kennt oder nicht verstanden hat.

Für eine Berechnung des Eisprungs bräuchte man in der Tat einen regelmäßigen Zyklus. Verhütungscomputer wie Persona funktionieren nur bis zu einer Zykluslänge von 35 Tagen.

Bei der symptothermalen Methode wird der Eisprung jedoch nicht berechnet. Anhand von Körpersymptomen wird zuverlässig bestimmt, wann der Eisprung vorüber ist.

Weiter oben haben wir gesehen, dass bei einem unregelmäßigen Zyklus immer der Eisprung nach hinten wandert. Bei natürlicher Verhütung ist es egal, wann der Eisprung genau stattfindet, weil man einfach nach den Körpersymptomen Ausschau hält, die den Eisprung begleiten ? egal ob diese nun an Tag 14, 21 oder 64 auftreten. Sobald die Temperatur steigt und sich der Zervixschleim verändert, weiß eine NFP-Anwenderin, dass sie ab sofort unfruchtbar ist.

Der Nachteil bei langen Zyklen ist, dass der Anteil sicher bestimmbarer unfruchtbarer Tage immer kleiner wird. Eine NFP-Anwenderin kann normalerweise etwa 15?18 Tage als sicher unfruchtbar annehmen. Die Anzahl dieser Tage ist mehr oder weniger fest und verändert sich kaum.

Beispiel:

Bei einem 30-Tage-Zyklus kann eine Frau 17 Tage als sicher unfruchtbar annehmen. Sie kann also an 56% der Zyklustage auf zusätzliche Verhütungsmittel verzichten.

Eine andere Frau hat einen unregelmäßigen 80-Tage-Zyklus. Diese Frau kann ebenfalls 17 Tage als sicher unfruchtbar annehmen. Das macht jedoch nur 21% vom gesamten Zyklus aus. Die 63 Tage zwischen Menstruation und Eisprung muss sie immer mit einem Eisprung rechnen.

Dennoch: Natürliche Verhütung ist bei unregelmäßigem Zyklus trotzdem sicher! Nur eben nicht besonders effizient. Das hängt jedoch sehr von Ihrer Motivation und Ihren Zielen ab.

Zusammenfassung zur Zykluslänge

Wenn Ihre Zykluslänge schwankt, bedeutet das nicht, dass Sie einen unregelmäßigen Zyklus haben.

Zykluslängen zwischen 23 und 35 Tagen gelten unter medizinischen Gesichtspunkten als normal.

– Natürliche Familienplanung Heute, S. 129

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihre Zykluslängen um einige Tage abweichen. Selbst, wenn Ihre Zyklen innerhalb eines Jahres um 10 Tage schwanken, ist das völlig natürlich.

Fast keine Frau hat einen perfekt regelmäßigen Zyklus und das ist auch gar nicht notwendig.

Ein unregelmäßiger Zyklus kann bedeuten, dass ein gesundheitliches Problem besteht. Sie können dies herausfinden, indem Sie Ihren Zyklus gezielt auswerten und beobachten, wie sich Ihre Körpertemperatur verhält. Aber:

Zyklusstörungen stellen erst dann ein Krankheitsanzeichen dar, wenn sie über über einen längeren Zeitraum anhalten.

– Natürliche Familienplanung Heute, S. 136

Und zu guter Letzt: Sie können auch bei unregelmäßigen Zyklen schwanger werden.

Quelle für medizinische Grundlagen:
Natürliche Familienplanung Heute, 4. Auflage, Springer Verlag, Kapitel 9

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