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Temperatur Messen

Temperatur messen

Die Körpertemperatur ist neben der Veränderung des Zervixschleims ein sehr wichtiges Symptom, um festzustellen, in welcher Zyklusphase Sie sich gerade befinden. Auf den Eisprung im Zyklus einer Frau folgt nämlich ein Temperaturanstieg von rund 0,2°C - 0,5°C. Die Temperatur bleibt dann in der Regel bis zur nächsten Periode erhöht und man spricht von einer (Temperatur-)Hochlage. Anders herum wird die Zeit bis zum Temperaturanstieg folglich Tieflage genannt.

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Inhalt dieses Artikels:

Temperaturmessung bei Kinderwunsch

Kinderwunsch aufklappen

Temperaturmessung zur Verhütung

Verhütung aufklappen

Körpertemperatur messen

Das Messen der Körpertemperatur ist nicht weiter schwierig. Sie benötigen ein digitales Thermometer mit zwei Nachkommastellen, welches für sehr wenig Geld in jeder Apotheke oder auch online bestellt werden kann oder ein analoges Thermometer, auf dessen Skala Sie zwei Nachkommastellen relativ gut erkennen können. Sie finden hier eine Übersicht über die geeigneten Thermometer und die dazugehörigen Artikelnummern (PZN), die in jeder Apotheke gleich sind.

Wenn Sie ein solches Thermometer noch nicht besitzen, kaufen Sie sich eines. Fangen Sie nicht „einfach so” schonmal mit einem Thermometer mit nur einer Nachkommastelle an (gewöhnliche Fieberthermometer). Diese Thermometer sind zu ungenau und Sie werden mit Frust auf Ihre Temperaturkurve blicken, die ein einziges unruhiges Zickzackmuster ergibt und darin absolut nichts erkennen, was auswertbar ist.

Das gleiche gilt, wenn Sie ein sehr altes digitales Thermometer haben, bei dem die Batterien möglicherweise schon schwach sind. Auch das kann zu ungenauen Ergebnissen führen.

Messen

Für die Aufzeichnung der Temperaturkurve messen Sie die Basaltemperatur (auch Aufwachtemperatur genannt). Das ist die Temperatur, die Ihr Körper sozusagen im Ruhezustand ohne große Muskelaktivität hat. Messen Sie Ihre Temperatur vor dem Aufstehen. Dies ist wichtig, weil sonst das Ergebnis möglicherweise verfälscht wird.

Messort

Sie können entweder oral, vaginal oder rektal messen. Bei der oralen Messung legen Sie die Thermometerspitze einfach unter die Zunge, zum Beispiel an das Zungenbändchen. Sie sollten sich für einen Messort entscheiden und diesen den gesamten Zyklus über beibehalten.

Empfohlen wird die vaginale oder rektale Messung, da beide weniger störanfällig als die orale Messung sind. Falls Sie nämlich mit geöffnetem Mund schlafen, kühlt Ihre Mundhöhle möglicherweise ein wenig ab, so dass der Messwert gestört ist.

Probieren Sie aber jetzt am Anfang ruhig aus, was Ihnen am besten gefällt und prüfen Sie, ob Ihre Messergebnisse stabil genug sind, um auswertbar zu sein. Sie können dazu auf myNFP einfach mehrere Kurven parallel anlegen, wenn Sie möchten. Sie sollten lediglich vermeiden, in ein und derselben Kurve unterschiedliche Messweisen zu protokollieren, da der Zyklus dann möglicherweise nicht mehr auswertbar ist.

Messdauer

Messen Sie die Körpertemperatur für 3 Minuten. Es ist nicht unbedingt nötig, jeden Tag zur gleichen Uhrzeit zu messen. Bei manchen Frauen führen unterschiedliche Uhrzeiten auch zu unterschiedlichen Ergebnissen, bei anderen spielt dies keine Rolle. Weiter unten besprechen wir die Problematik, falls Sie aufgrund von Schichtarbeit oder nächtlichen Störungen (Baby füttern) nicht immer zur gleichen Zeit messen können.

Wichtig: Auch wenn Sie ein digitales Thermometer verwenden, sollten Sie für 3 Minuten messen und nicht nur bis zum Piepton (dieser ertönt teilweise bereits nach 10 Sekunden). Wenn Sie das Display des Thermometers betrachten, werden Sie feststellen, dass es sich auch nach dem Piepen noch verändert und die Temperatur ansteigt. Manchmal schneller, manchmal auch nur langsam.

Ergebnis notieren

Sie haben nun Ihre Basaltemperatur vom Thermometer abgelesen und müssen diesen Wert nur noch notieren. Zur Vereinfachung wird der Temperaturwert vorher noch gerundet und zwar auf die jeweilige 0,05er-Stufe:

36,21 wird abgerundet auf 36,20
36,22 wird abgerundet auf 36,20
36,23 wird aufgerundet auf 36,25
36,24 wird aufgerundet auf 36,25
36,26 wird abgerundet auf 36,25
36,27 wird abgerundet auf 36,25
36,28 wird aufgerundet auf 36,30
36,98 wird aufgerundet auf 37,00
37,02 wird abgerundet auf 37,00

Dies hat zum einen den Vorteil, dass Sie Ihre Kurven mit einem Blick viel besser erfassen können (wieso das so ist, erfahren Sie gleich bei der Temperaturauswertung), zum anderen können Sie analoge Thermometer meist gar nicht genauer ablesen.

Tipp: myNFP rundet Ihre Temperatur übrigens automatisch, wenn Sie sie direkt vom Thermometer ablesen und eingeben.

Das war's auch schon mit der Temperaturmessung. Schreiben Sie das Ergebnis auf. Wir werden gleich besprechen, wie die Temperaturwerte eingetragen und ausgewertet werden.

Störfaktoren

Es kann immer wieder einmal vorkommen, dass Temperaturwerte gestört sind. Die häufigsten Störfaktoren sind: Schlafstörungen (z. B. auch zu kurzer Schlaf, zu langer Schlaf, Umgebungswechsel), Krankheit, Stress, durchfeierte Nächte und einige andere. myNFP bietet Ihnen eine Vorauswahl an Störfaktoren, aus denen Sie auswählen können.

Wenn ein Temperaturwert gestört ist, wird dieser ausgeklammert und so behandelt, als sei er gar nicht vorhanden. Sie sollten an dieser Stelle Ihren gesunden Menschenverstand einsetzen. Wenn Sie einmal ein oder zwei Tage in Folge gestörte Werte gemessen haben, macht das nichts. Wenn Sie jedoch nach Hawaii fliegen und mit 12 Stunden Zeitunterschied zu kämpfen haben und sich die Temperaturstörung offensichtlich über viele Tage hinwegstreckt, sollten Sie in Erwägung ziehen, den Zyklus als nicht auswertbar zu betrachten.

Ausklammern von Temperaturwerten

Da Sie die Möglichkeit haben, Temperaturwerte auszuklammern, so dass diese Werte zur Auswertung einfach nicht mehr weiter beachtet werden, entsteht eine gewisse Gefahr, sich die Temperaturkurve „schön zu klammern”. Damit ist Ihnen jedoch nicht geholfen, denn Ihre Temperaturkurve sollte Ihre Zyklusphasen möglichst genau repräsentieren.

Es gibt daher einige Hinweise, die Sie beachten sollten:

  1. Prinzipiell werden nur Werte ausgeklammert, die nach oben hin gestört sind. Das liegt daran, dass die Basaltemperatur nach dem Eisprung ansteigt und Sie durch gestörte Werte einen Anstieg erkennen könnten, der eigentlich gar nicht vorhanden ist. Werte, die nach unten gestört sind, können keinen "falschen Anstieg" suggerieren und spielen daher keine Rolle.
  2. Aus diesem Grund werden außerdem nur Werte in der Tieflage ausgeklammert. In der Hochlage (also nach erfolgter Auswertung) spielen gestörte Werte keine Rolle mehr und brauchen nicht ausgeklammert zu werden. Wenn Sie einmal fortgeschrittene NFP-Anwenderin sind, werden Sie möglicherweise sowieso in Erwägung ziehen, in Ihrer Hochlage nicht mehr zu messen, da dies insbesondere zur Verhütung keinen großen Vorteil bringt. Am Anfang sollten Sie aber durchaus den gesamten Zyklus über messen, um die Temperaturkurve beobachten zu können.
  3. Sie klammern das aus, was Sie selbst als Störfaktor erachten. Es gibt keine Regel, wie „stark” ein Wert gestört sein muss, um ausgeklammert werden zu dürfen. Das kann auch bei einem geringen Unterschied von 0,05°C bereits der Fall sein. Sie sollten jedoch in der Ausklammerung konsequent sein. Wenn beispielsweise die Messzeit keine Rolle spielt (also ob Sie einmal um 8 Uhr messen, einmal um 10 Uhr), dann sollten Sie nicht auf einmal nach 5 Zyklen anfangen, den Störfaktor „unterschiedliche Messzeit” auszuwählen, falls Ihr Wert gestört ist. Bleiben Sie konsequent!

    Dies bedeutet auch, dass Sie anfangs herausfinden müssen, was Ihre Temperaturwerte stört. Dies können Sie jedoch nur in der Tieflage herausfinden, da Sie in der Hochlage nicht wissen können, ob die erhöhte Basaltemperatur auf eine Hormonschwankung zurückzuführen ist oder eben auf einen Störfaktor (Ausnahme: Sie haben 39°C Fieber – aber diesen Wert brauchen Sie gar nicht erst in das Kurvenblatt einzutragen).

Sie können nun gleich weiterlesen, wie Sie die gemessenen Werte auswerten. Der Rest des Artikels befasst sich mit typischen Messproblemen.

Weiterlesen: Die Temperatur auswerten.

Problembehandlung

In der Realität gibt es hin und wieder doch einige Schwierigkeiten beim Temperaturmessen, die wir hier besprechen möchten.

  • Hilfe, meine Temperaturkurve ist sehr zackig und ein einziges Auf und Ab.
    Messen Sie lange genug (mindestens 3 Minuten)? Messen Sie vaginal oder rektal statt oral? Haben Sie auch wirklich ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen? Messen Sie den gesamten Zyklus über an der gleichen Stelle?

    Wenn Sie dies alles bereits tun, ändern Sie den Messort (z. B. von oral auf vaginal oder von vaginal auf rektal) und erhöhen Sie die Messdauer auf 5 Minuten und schauen Sie, ob dies Ihre Temperaturkurve stabilisiert. Versuchen Sie gegebenenfalls, immer zur gleichen Uhrzeit zu messen.

    Falls Sie ein digitales Thermometer verwenden: Überlegen Sie, ob Ihr Thermometer bzw. die Batterien schon alt sein könnten. Es lohnt sich, etwa 1x pro Jahr die Batterien zu wechseln oder ein neues Thermometer zu kaufen.

    Falls Sie ein analoges Thermometer verwenden: Achten Sie darauf, dass das Thermometer vollständig nach unten geschüttelt ist. Spülen Sie außerdem das Thermometer nach dem Runterschütteln nicht mit heißem Wasser ab, da dies logischerweise die Temperatur wieder ansteigen lässt.
  • Ich schlafe sehr unruhig/muss nachts stillen/habe Schichtdienst.
    Wenn Sie unruhig schlafen oder nachts aufstehen müssen oder aufgrund von Schichtdienst zu unterschiedlichen Zeiten messen müssen, dann probieren Sie einfach trotzdem, nach einer Ausruhphase zu messen. Ihr Kreislauf fährt normalerweise auch herunter, wenn Sie beispielsweise einen Mittagsschlaf machen oder sogar einfach nur zur Entspannung auf der Couch dösen.

    In der Regel sind auch Schichtarbeit oder nächtliche Störungen zu bewältigen und es ist von Frau zu Frau verschieden, wie sich diese Bedingungen auf die Temperaturkurve auswirken. Wir können an dieser Stelle daher nur empfehlen, dass Sie verschiedene Dinge probieren und damit experimentieren, was die besten Ergebnisse erzielt. Sie können für diesen Zweck natürlich auch mehrmals am Tag die Temperatur messen und zwei Zyklusblätter parallel führen und die Messwerte dort eintragen, um diese zu vergleichen. Dies gilt beispielsweise auch, wenn Sie die Ergebnisse von vaginaler und oraler Messung vergleichen wollen.

    Experimentieren Sie, vor allem, wenn Sie gerade erst mit der symptothermalen Methode anfangen. Es kann durchaus spannend sein, zu beobachten, wie sich unterschiedliche Messweisen auf die Temperaturwerte auswirken.

    Die offizielle NFP-Regel lautet, dass Sie mindestens eine Stunde geruht haben sollten, bevor Sie messen.
  • Mein Thermometer piepst so laut und weckt meinen Partner.
    Verwenden Sie ein analoges Thermometer oder messen Sie vaginal unter der Bettdecke.
  • Ich schlafe immer wieder ein, wenn ich für drei Minuten messe.
    Stellen Sie einen Wecker oder ein Handy mit Vibrationsalarm oder messen Sie einfach täglich etwas länger. Prüfen Sie dabei, ob sich dies negativ auf die Temperaturkurve auswirkt.
  • Kann man auch unter der Achsel oder im Ohr messen?
    Nein, das ist nicht zulässig, da diese Messergebnisse zu ungenau sind. Um NFP richtig anwenden zu können und um eine aussagekräftige Temperaturkurve zu erhalten, müssen Sie oral, vaginal oder rektal messen.

Tipp für Fortgeschrittene

Die NFP-Regeln zur Temperaturmessung wurden aufgestellt, um möglichst vielen Frauen ab dem ersten Zyklus ein möglichst sicheres Ergebnis zu liefern, das auch zur sicheren Verhütung geeignet ist. Die Regeln wurden also für eine breite Masse aufgestellt.

In der Realität sind Frauen jedoch sehr unterschiedlich und jeder Körper und jede Situation ist ein bisschen anders. Wir möchten Sie daher ausdrücklich dazu ermutigen, Ihre eigene Messweise zu finden, die Ihrer Lebenssituation und Ihrem Körper entspricht.

Sie wollen keine drei Minuten vaginal messen? Dann reichen vielleicht auch zwei Minuten oraler Messung. Oder sogar nur eine Minute. Experimenteren Sie, denn im Endeffekt geht es darum, dass Sie Ihren eigenen Körper besser kennenlernen. Solange die Ergebnisse zuverlässig sind (und dies können Sie ja meist ohnehin sehr gut kontrollieren anhand dessen, wie stabil Ihre Kurve ist), spricht nichts dagegen, die Regeln an Ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Zusammenfassung

  • Ruhen Sie mindestens eine Stunde vor dem Messen
  • Messen Sie für mindestens 3 Minuten vor dem Aufstehen
  • Messen Sie bevorzugt vaginal oder rektal für eine stabile Temperaturkurve
  • Temperaturwerte werden auf die nächste 0,05er-Stelle gerundet