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Zykluscomputer? Sparen Sie sich das Geld

Titelbild: Zykluscomputer? Sparen Sie sich das Geld

In der Theorie soll ein Zykluscomputer Zeit sparen, Arbeit abnehmen und die Verhütungssicherheit erhöhen. Tatsächlich aber ist ein Zykluscomputer nur unnötig teuer und bringt kaum Nutzen.

Auch wenn es zunächst unlogisch erscheint: Je schlauer und bequemer ein Zykluscomputer oder eine Zyklus-App, desto weniger weiß die Anwenderin Bescheid, desto unsicherer ist der Computer.

So funktioniert ein Zykluscomputer

Ein Zykluscomputer wertet mit mehr oder weniger schlauen Algorithmen die Daten aus, die Sie ihm füttern: Ihre Körpertemperatur, die typische Zykluslänge, vielleicht sogar die Beschaffenheit Ihres Zervixschleims, wenn der Zykluscomputer symptothermal auswerten kann, also immer mindestens zwei Körpersymptome berücksichtigt.

Zwei Körpersymptome auszuwerten ist immer sicherer als nur eines (meist Temperatur + Zervixschleim).

Das Problem: Wenn Ihre Daten unbrauchbar sind, also Ihre Messungen und was Sie sonst an Ihrem Körper beobachtet haben, dann ist es ganz egal, wie schlau der Zykluscomputer ist. Das Ergebnis taugt dann auch nichts.

Ohne gute Daten berechnet der Zykluscomputer keine brauchbaren Ergebnisse.

Zykluscomputer ist abhängig von den Daten
Der Zykluscomputer ist abhängig von den Daten, die man ihm füttert – egal wie schlau er ist.

Nun ist das Temperaturmessen, Zervixschleim beobachten und Zykluslänge ermitteln kein Hexenwerk. Mit etwas Übung kriegt man das hin. Aber das ist das Stichwort – mit etwas Übung.

Die Basaltemperatur richtig messen

Beim Messen der Basaltemperatur gibt es einige Regeln zu beachten:

  1. Zykluskurven sind mit vaginaler oder rektaler Messung meist stabiler. Im Mund gemessene Temperaturwerte können schneller zu Zickzack-Kurven führen, die sich nicht auswerten lassen.
  2. Die Temperatur sollte mindestens drei Minuten lang gemessen werden. Manche Digitalthermometer piepsen schon nach 20 Sekunden. Das Display verändert sich danach aber weiter. Erst nach 3 Minuten wird die tatsächliche Basaltemperatur angezeigt.
  3. Sie sollten ungefähr wissen, welche Störkfatoren sich auf die Temperatur auswirken können. Bei manchen Frauen spielt die Messuhrzeit eine Rolle, andere bekommen falsche Werte, wenn sie schlecht geschlafen haben oder Alkohol am Vorabend trinken.

All das ist grundsätzlich kein Problem, solange Sie wissen, wie Sie damit umgehen müssen.

Die Frage ist: Bringt Ihnen der Zykluscomputer den Umgang mit der Temperatur bei oder wird die Temperaturkurve so versteckt, dass Sie gar nicht verstehen können, was das Gerät macht?

Wenn man schon dabei ist, sich näher mit der Basaltemperatur zu beschäftigen und was sonst so im Körper abläuft, dann lernt man mehr über den weiblichen Zyklus und möchte verstehen, was wirklich im Zyklus passiert, wie das Gerät arbeitet, welche Regeln es verwendet. Sonst bleibt es eine unverständliche Black-Box, in die man nicht hineinschauen kann.

Auf lange Sicht gesehen haben Sie mit dem Verhütungscomputer sogar mehr Arbeit: Wenn Sie nichts über Ihren Zyklus wissen, überlassen Sie dem Gerät die gesamte Auswertung. Damit diese aber sicher ist, will es möglichst jeden Tag Daten haben.

Im Gegensatz dazu haben Frauen, die Ihren Zyklus selbst auswerten, jeden Zyklus etwas weniger Aufwand, weil sie ihren Körper immer besser kennenlernen.

Man kommt bei einem Verhütungscomputer nicht umhin, sich näher mit der Zyklusauswertung zu beschäftigen, weil die ganze Symptom-Beobachtung genauso wichtig ist wie die eigentliche Auswertung.

Die symptothermale Methode erklärt den Zyklus

So landet man ganz schnell bei der symptothermalen Methode und lernt die sogenannten NFP-Regeln. Nach ein paar Wochen kommt die Erkenntnis: So ein Zykluscomputer ist eigentlich doch nur ein teures Thermometer für 300 Euro. Ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen für 4 Euro hätte es auch getan.

Anstatt 300 Euro zum Fenster rauszuwerfen und sich später drüber zu ärgern, folgender Vorschlag:

Nach 8 Wochen haben Sie sich ungemein viel Zykluswissen angeeignet. Dieses Wissen wird Ihnen auch dann nützen, wenn Sie einen Zykluscomputer verwenden.

Vielleicht kommen Sie auch – wie viele andere NFP-Anfängerinnen – zu der Erkenntnis, dass es auch ohne Verhütungscomputer geht und Sie sparen sich rund 290 Euro.

Für alle, die es kompakt mögen: NFP-Schnellstart – So starten Sie mit der symptothermalen Methode.

Warum einen Zykluscomputer verwenden?

Es gibt eigentlich nur einen Grund, um überhaupt einen Zykluscomputer zu verwenden: Bequemlichkeit.

Was zählt nicht als Grund? Verhütungssicherheit.

Verhütungssicherheit müssen Sie sich nämlich erst erarbeiten. Nur, wenn Sie sich gut mit Ihrem Körper und den Vorgängen im weiblichen Zyklus auskennen, werden Sie auch die hohe Sicherheit der symptothermalen Methode erlangen können. Andernfalls sollten Sie sich mit der deutlich schlechteren Anwendungssicherheit zufrieden geben.

  • Die App NaturalCycles nennt sich besonders schlau, hat tatsächlich aber einen Anwendungs-Pearl-Index von 7 (es ist geradezu leichtsinnig, damit zu verhüten)
  • DAYSY, LadyComp und BabyComp haben einen Anwendungs-Pear-Index von 3,8
  • Der Pearl-Index von Persona liegt bei 6.

Beim Cyclotest myWay schreibt der Hersteller:

Die Anwendung von cyclotest myWay sollte bewusst erfolgen. Während eines Zyklus können verschiedene Faktoren Einfluss auf Deine Basaltemperatur nehmen.

Was nichts anderes bedeutet als: Wenn Sie keine Ahnung von der symptothermalen Methode haben, werden Sie auch nicht auf die phänomenal gute Sicherheit von 99,7% kommen.

Sie erinnern sich: Ohne brauchbare Daten/Beobachtungen kommen aus einem Verhütungscomputer nur unsinnige Ergebnisse raus.

Ich kann verstehen, wenn Sie das Gefühl der Sicherheit kaufen wollen, das Ihnen durch die Technik versprochen wird. Aber machen Sie sich nichts vor: Es ist genau das – ein Gefühl.

Ein Gerät, das Ihnen sämtliche Arbeit abnimmt, kann nur dann wirklich sicher sein, wenn Sie es sich einpflanzen lassen und es Ihre Temperatur und den Hormonstatus im Blut 24/7 überwacht. Nur so erhebt das Gerät zuverlässig Daten, die dann mit einem schlauen Algorithmus ausgewertet werden können. So ein Gerät existiert aber (noch) nicht.

Welcher Verhütungscomputer?

Welchen Zykluscomputer sollten Sie wählen, wenn Sie trotz der ganzen Argumente dagegen einen haben wollen? Am ehesten den Cyclotest myWay. Der zeigt Ihnen wenigstens ein Zyklusblatt und zwingt Sie ein bisschen dazu, sich näher mit dem Zyklusgeschehen zu beschäftigen und zu verstehen, was im Zyklus passiert.

Fruchtbarkeitscomputer bei Kinderwunsch

Wenn Sie sich ein Kind wünschen, kann ein Fruchtbarkeitscomputer sinnvoll sein. Aber: Viele Zykluscomputer verwenden nur die Temperatur zur Berechnung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage. Statistisch gesehen steigt die Temperatur aber erst nach dem Eisprung an.

Grün = Tag mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für den Eisprung: 1 Tag vor dem Temperaturanstieg (1. höhere Messung).
Grün = Tag mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für den Eisprung: 1 Tag vor dem Temperaturanstieg (1. höhere Messung).

Mehr darüber finden Sie hier: Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft

Manche Zykluscomputer suchen nach einem kurzen Absacker unmittelbar vor dem Temperaturanstieg, allerdings ist dieser Temperaturabsacker mehr Mythos denn Realität.

Sobald die Temperatur ansteigt, ist es für diesen Zyklus fast zu spät mit dem Schwanger werden.

Was tun bei Kinderwunsch?

Beobachten Sie Ihren Zervixschleim. Dieser gibt Ihnen bereits 3–7 Tage vor dem Eisprung deutliche Fruchtbarkeits-Anzeichen. Die besonders fruchtbaren Tage sind die mit der besten Zervixschleimqualität.

Ein Fruchtbarkeitscomputer zum Schwanger werden ist daher nur sinnvoll, wenn er den Zervixschleim auswertet.

Andernfalls rechnet er nur nach Faustformeln, die genauso unzuverlässig sind wie jeder Eisprungrechner im Internet.

Hormoncomputer bei Kinderwunsch

Fruchtbarkeitscomputer wie Persona, die die LH-Konzentration im Urin messen, sind in der Theorie ganz nützlich. Leider sind LH-Tests (auch Ovulationstests genannt) nicht ganz zuverlässig.

Tatsächlich benötigen Sie Persona eigentlich nicht. Verwenden Sie stattdessen reine Ovulationstests. Diese bekommen Sie im 50er-Pack deutlich günstiger als die Teststreifen von Persona. Mehr Infos dazu hier: Die ultimative Anleitung für Ovulationstests.

Zur Verhütung sind Hormoncomputer ungeeignet, weil die eingebauten LH-Tests unzuverlässig sind.

Zusammengefasst

  • Schlaue Zykluscomputer sind nur so schlau wie die Daten, die Sie ihm füttern
  • Je besser Sie sich mit Ihrem Zyklus auskennen, desto sicherer das Ergebnis
  • Um die symptothermale Methode kommen Sie nicht herum. Blindes Vertrauen in die Technik zur Verhütung ist zu unsicher.

Noch ein letzter Grund gegen Zykluscomputer: Warum Geld für ein Gerät ausgeben, wenn das Smartphone in Ihrer Tasche 10x leistungsfähiger ist als jeder Zykluscomputer und Sie die Software frei wählen können?

Sie schaffen das auch ohne komplizierte Technik. Wenn Sie die Regeln eines Brettspiels lernen können, dann auch die der symptothermalen Methode.

Titelbild: Mpho Mojapelo via Unsplash