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Vorteile und Nachteile der symptothermalen Methode

Die symptothermale Methode hat viele Vorteile, ist aber nicht für jeden geeignet

Für eine differenzierte Meinung über die symptothermale Methode sollten Sie jedoch sowohl die Vorteile als auch die Nachteile kennen, denn die Methode ist nicht für jede Frau gleichermaßen geeignet.

In diesem Artikel räumen wir mit Vorurteilen auf, zeigen Ihnen aber auch die Grenzen der symptothermalen Methode, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können, ob und inwiefern die symptothermale Methode für Sie geeignet ist.

Manchmal ist es so, dass ein Nachteil als Vorteil gesehen werden kann oder auch umgekehrt, je nach individueller Lebenssituation. Daher werden Sie hier keine schwarz-weiße Gegenüberstellung finden, sondern eine Diskussion bekannter Annahmen und Faktoren.

Für wen ist die symptothermale Methode geeignet?

Die breite Masse würde wahrscheinlich sagen: „Für alle, bei denen ein Kind keine Katastrophe wäre.“ Sogar manche Frauenärzte behaupten diesen Unsinn. Die symptothermale Methode ist nüchterne Schulmedizin und wissenschaftlich gut erforscht.

Die symptothermale Methode führt unweigerlich dazu, dass Sie sich stärker mit Ihrem Körper und Ihrer Fruchtbarkeit auseinandersetzen. Dieses Wissen wird Ihnen immer etwas bringen, selbst wenn Sie nach mehreren NFP-Zyklen sagen, dass die Methode nichts für Sie ist.

Aus meiner Sicht profitiert jede Frau (und jedes Paar) davon, mehr über die einzelnen Zyklusphasen zu erlernen, selbst wenn diese später wieder hormonell verhüten.

Ich empfehle daher: Probieren Sie die symptothermale Methode aus. Sie brauchen sich ja nicht für Immer festzulegen. Schauen Sie, ob Sie die Temperaturmessung und die Zervixschleimbeobachtung als Aufwand empfinden oder das Gegenteil: Ob Sie das alles – wie viele andere Anfängerinnen – eigentlich super spannend finden.

Gebrauchssicherheit

Die symptothermale Methode wurde in seiner ursprünglichen Form mit dem Gedanken an Abstinenz in der fruchtbaren Zeit entwickelt. Das ist bei einem modernen Lebensstil für die meisten Frauen jedoch undenkbar. Nichtsdestotrotz ist es interessant zu wissen, wie die Sicherheit der Methode unter diesen Bedingungen abschneidet.

Der Pearl-Index gibt an, wieviele Frauen schwanger werden, die ein Jahr lang mit der entsprechenden Methode verhüten. Dabei gibt es zwei weitere Kriterien: Die Methodensicherheit und die Gebrauchssicherheit.

Die Methodensicherheit der symptothermalen Methode liegt bei 0,4 (Abstinent in der fruchtbaren Zeit) bzw. 0,6 (Mix-Anwendung mit Kondom). Die Gebrauchssicherheit liegt bei 1,79 (vorausgesetzt, die Methode wird richtig erlernt).

Siehe die wichtigste Studie zur symptothermalen Methode.

Die Methodensicherheit ist sozusagen das, was 100 Frauen erzielen, wenn Sie in einem Jahr alles richtig machen. Da aber Menschen mit unterschiedlicher Motivation und Engagement verhüten und es manche evtl. auch nicht so genau nehmen, passieren auch mal Fehler. Eine „realistische” Betrachtung des Bevölkerungsdurchschnitts zeigt also, dass die Methode bei 1,79 von 100 Frauen in einem Jahr versagt.

Nichtsdestotrotz ist die Methodensicherheit jedoch der relevante Wert, nach dem Sie sich richten sollten. Denn nur Sie kennen Ihre eigene Motivation und Disziplin. Wenn Sie hochmotiviert sind, die Methode richtig erlernen, Ihren gesunden Menschenverstand einsetzen und Fehler vermeiden, dann erreichen Sie im Alltag auch die Methodensicherheit.

Sie können das mit der Pille vergleichen: Die Methodensicherheit der Pille liegt bei etwa 0,2 (das bedeutet, obwohl alles richtig gemacht wird, versagt die Methode trotzdem manchmal). Die Gebrauchssicherheit liegt jedoch zwischen 1 und 2. Es gibt nunmal Frauen, die die Pille nie vergessen und bei anderen kommt das schon einmal vor. Sie entscheiden, zu welcher Gruppe Sie gehören und wie ernst Sie das Thema Verhütung nehmen.

Die Methodensicherheit liegt also, wie bereits erwähnt, bei 0,4 bzw. 0,6, wenn ein Kondom verwendet wird. Die Mix-Anwendung ist damit fast genauso sicher, wie wenn eine Frau in der fruchtbaren Zeit auf Sex verzichtet.

Warum ist das so? Und warum ist die Sicherheit dann nicht ausschließlich vom Verhütungsmittel abhängig, das in der fruchtbaren Zeit eingesetzt wird?

Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir kurz ausholen: Die Studien zur Bestimmung des Pearl-Indexes setzen auf einen möglichst breiten Bevölkerungsquerschnitt, um eine allgemeingültige Aussagekraft zu haben. Was ist aber, wenn Sie nun eine Studie durchführen würden, die nur eine bestimmte Personengruppe einbezieht?

Dann wäre vermutlich auch der Pearl-Index anders – je nachdem, welche Personengruppe Sie für eine solche Studie wählen. Anwenderinnen der symptothermalen Methode sind im Durchschnitt etwas vorsichtiger und wissen mehr über ihren Zyklus als andere Frauen. Dadurch gehen sie auch vorsichtiger mit Kondomen um, weswegen sie eine bessere Kondomsicherheit erzielen.

Geübte Menschen verhüten sicherer

Es gibt übrigens eine völlig andere, jedoch in der Verhütung ebenso versierte Personengruppe, die ebenfalls eine Kondomsicherheit von 0,6 erzielt: Eine Studie konnte zeigen, dass Prostituierte im US-Bundesstaat Nevada ebenfalls einen Pearl-Index von 0,6 erzielen (Condom use among female commercial sex workers in Nevada's legal brothels, Albert, A. E./Warner, D. L./ Hatcher R .A et al. 1995: 85).

Gehören Sie zu den Frauen, bei denen ein Kind nicht so tragisch wäre? Dann werden Sie manche Regeln vielleicht etwas entspannter auslegen. Wäre für Sie ein Kind eine Katastrophe? Auch dann können Sie mit der symptothermalen Methode sicher verhüten. Aber Sie sollten es dann schon genau nehmen, sich langsam herantasten und am besten einen Kurs oder eine Beratung aufsuchen.

Nebenwirkungen des weiblichen Zyklus

Die symptothermale Methode hat keine Nebenwirkungen. Ist auch logisch, denn Sie nehmen nichts ein, was Auswirkungen auf Ihren Körper haben könnte. Dies ist ein großer Vorteil dieser Methode – insbesondere dann, wenn Sie unter starken Nebenwirkungen von hormoneller Verhütung leiden. Wenn Sie die Pille absetzen, werden diese Nebenwirkungen mit großer Sicherheit verschwinden (siehe auch Pille absetzen).

Ihr Körper selbst verändert sich jedoch im Laufe eines Zyklus. Wenn Sie die Pille absetzen und damit nie Probleme hatten, werden Sie möglicherweise Veränderungen wahrnehmen, die zuvor nicht da waren und die recht unangenehm sein könnten, so dass Sie sich erstmal wieder daran gewöhnen müssen.

Das sind keine Nebenwirkungen der symptothermalen Methode, aber des normalen Zyklusverlaufs und daher besprechen wir diese in diesem Abschnitt.

Menstruationsschmerzen

Mädchen im Teenie-Alter kriegen die Pille verschrieben, wenn sie unter starken Regelschmerzen leiden. Das kann so schlimm sein, dass sie sich jeden Zyklus für einen oder zwei Tage krank schreiben lassen müssen, weil sie nur im Bett liegen können. Wenn Sie die Pille absetzen, könnten die Regelschmerzen zurückkommen, müssen aber nicht.

Die gute Nachricht ist, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, um Regelschmerzen zu lindern. Manchen Frauen hilft es, auf Tampons zu verzichten und stattdessen Menstruationstassen zu verwenden. Andere probieren es mit Sport, Sex bzw. einem Orgasmus kurz vor der Menstruation (ein Orgasmus wirkt krampflösend und körpereigene schmerzstillende Stoffe werden ausgeschüttet) oder Schmerztabletten, Zyklustees oder Massage.

Brustsymptom

Das Brustsymptom ist ein Körpersymptom, das oftmals zum Eisprung hin oder kurz danach auftritt. Bei einigen Frauen hält das Brustsymptom die gesamte Hochlage an und ist sehr stark, so dass die Brüste tagelang schmerzen und die Brustwarzen sehr berührungsempfindlich sind. Dagegen helfen möglicherweise Zyklustees oder eine Umstellung der Ernährung, indem Salz und Zucker reduziert werden.

Stimmungsschwankungen

Die hormonelle Veränderung in einem Zyklus geht oft mit Stimmungsschwankungen einher. Manche Frauen fühlen sich in der Hochlage aggressiver, sind leichter reizbar, traurig, melancholisch oder besonders rührselig. Andere bemerken diese Schwankungen in der Tieflage. Und wieder andere bemerken gar nichts. Es gibt dafür keine allgemeingültige Aussage.

Wenn Sie für einige Jahre die Pille genommen haben, müssen Sie sich an diese Stimmungsveränderungen möglicherweise erst wieder gewöhnen.

Schwankungen der Libido

Die Libido verhält sich oft nicht konstant. Falls Sie unter Libidoverlust gelitten haben, während Sie noch die Pille genommen haben, werden Sie vermutlich schon bald eine Besserung der Situation beobachten können.

Innerhalb eines Zyklus gibt es jedoch ebenfalls Schwankungen. Zum Eisprung hin nimmt bei vielen Frauen die sexuelle Lust zu. In der Hochlage, also nach dem Eisprung, kann diese jedoch auch wieder abnehmen – und zum Teil sogar in starke Lustlosigkeit umschwenken.

Während Sie also kurz vor dem Eisprung dreimal am Tag Sex haben könnten und in einer viertelstündigen Kaffeepause eine besondere Gelegenheit sehen, die unbedingt genutzt werden muss, brauchen Sie in der Hochlage vielleicht ein einstündiges Vorspiel, um überhaupt in Fahrt zu kommen oder haben auch mal tagelang keine Lust.

Hautveränderungen

Je nach Alter einer Frau und Dauer und Beginn der Pilleneinahme werden Sie möglicherweise feststellen, dass sich Ihr Hautbild verschlechtert. Viele Pillen sind gleichzeitig „Hautpillen” – verbessern also durch die Hormonwirkung das Erscheinungsbild der Haut.

Wenn Sie die Pille absetzen, gibt es kein von außen wirkendes Hormon, was das Hautbild reguliert, so dass die körpereigenen Hormone ihre Wirkung entfalten. Manche Frauen beobachten in der Hochlage eine weniger reine Haut als in der Tieflage und haben hin und wieder mit Pickeln zu kämpfen, die während der Pubertät von der Pille „unterdrückt” wurden.

Das bessert sich oft mit der Zeit, kann aber eine Belastung sein. Hier sind zwei Bloggerinnen, die Tipps zu einer besseren Haut geben: Maggie von We Are The Ladies und Isabell von Generation Pille. Und hier Tipps im Blog eines Arztes.

Veränderung der Haare

Auch die Haare können sich verändern und beispielsweise in der Hochlage schneller fetten oder besonders trocken werden. Falls das bei Ihnen der Fall ist, sollten Sie verschiedene Shampoos ausprobieren. Je nach Typ und Marke unterscheiden sich die Ergebnisse erheblich. Dabei muss teuer nicht unbedingt besser bedeuten. Ausprobieren.

Weitere Tipps in den im Abschnitt Haut verlinkten Blogs.

Aufkeimender Kinderwunsch

„Ich werde niemals Kinder kriegen”, sagen manche Frauen Mitte Zwanzig, wenn sie die Pille nehmen. Dann setzen sie diese ab, haben einen festen Partner und plötzlich spielen die Hormone verrückt und die felsenfeste Überzeugung von Kinderlosigkeit kommt mächtig ins Schwanken.

Die Pille unterdrückt ein stückweit auch den Kinderwunsch, vor allem dann, wenn dieser nicht sonderlich ausgeprägt ist. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie die Pille absetzen und den Gedanken an Kinder auf einmal nicht mehr so abwegig finden.

Abschließende Bemerkung

Wohlgemerkt, diese „Nebenwirkungen” des Zyklusgeschehens können auftreten, müssen aber keineswegs. Die eigentliche Frage ist jedoch, ob die Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel wirklich die geeignete Wahl ist, um diese Zyklussymptome zu kontrollieren.

Menstruationsschmerzen sind unangenehm und Sie wollen diese wohl kaum ertragen müssen. Aber Stimmungsschwankungen beispielsweise sind etwas, worin manche Frauen eine besondere Stärke oder einfach eine besondere Form des Frauseins sehen, so dass sie keinen Grund sehen, diese „Nebenwirkung” des Zyklusgeschehens zu unterdrücken.

Viele der erwähnten „Nebenwirkungen” lassen sich jedoch auch auf anderem Wege lösen, so dass Sie nicht auf die Pille angewiesen sind.

Falls Sie in der Zukunft einmal schwanger werden möchten, werden Sie ohnehin nicht drum herum kommen, die Pille abzusetzen. Das sollten Sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.


Erlernbarkeit

Die symptothermale Methode ist einfach, wird anfangs jedoch von einigen Anfängerinnen als komplex und schwer zu erlernen wahrgenommen.

Die Erlernbarkeit hängt stark davon ab, wie schnell Sie sich in neuen Themengebieten zurecht finden. Wenn Sie leichter aus Büchern lernen, kaufen Sie sich eines der beiden Standardwerke. Wenn Sie lieber von anderen Menschen lernen, suchen Sie sich eine Sensiplan-Beraterin in Ihrer Umgebung.

Tipp: Mit myNFP versuchen wir, Ihnen die symptothermale Methode nahezulegen und Sie bei den ersten Schritten zu begleiten. Die App unterstützt Sie mit der automatischen Auswertung, damit Sie keine Regeln übersehen. Wir hoffen, dass dies auch den Lernprozess beschleunigt.

Aufwand

Manche Frauen empfinden das Temperaturmessen und die Schleimbeobachtung als besonders aufwändig und können sich nicht vorstellen, dies täglich durchzuführen. Dazu seien zwei Dinge gesagt:

  1. Empfinden Sie Zähneputzen als lästig? Die meisten Menschen sehen darin die Notwendigkeit, haben aber auch keine besondere Abneigung gegen das Zähneputzen, weil es zur täglichen Routine gehört. Temperaturmessen und Schleimbeobachtung werden mit der Zeit zur Gewohnheit und gehen locker von der Hand, so dass darüber gar nicht weiter nachgedacht werden muss.
  2. Der Aufwand reduziert sich mit der Zeit, je besser Sie Ihren Zyklus kennen. Sie können dann in der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung auf weitere Beobachtungen verzichten. Einige Profis haben Zykluskurven, die nur noch stichprobenartige Beobachtungen enthalten, so dass der Aufwand stark reduziert wird.

Die Pille müssen Sie auch täglich mit Disziplin nehmen. Wenn Sie einmal vergessen, die Pille zu nehmen, haben Sie (je nach Pillenwoche) ein Problem und müssen zusätzlich verhüten. Bei der symptothermalen Methode passiert gar nichts, außer dass Sie sich unter Umständen erst einen Tag später „frei geben” können.

Unregelmäßiger Zyklus und Schichtarbeit

Wenn Ihre Zyklen unregelmäßig sind (wohlgemerkt, alles zwischen 25 und 35 Zyklustagen gilt als regelmäßig!), macht das nichts. Auch bei Schichtarbeit kann die symptothermale Methode problemlos angewendet werden.

Falls Ihre Zyklen sehr lang sind, wird die Methode nicht unsicher, aber die „freie Zeit” reduziert sich. Bei regelmäßigen Zyklen von rund 30 Tagen kommen Sie auf eine als unfruchtbar bestimmbare Zeit von rund 50 % oder mehr. Das bedeutet, in der Hälfte aller Zyklustage können Sie auf zusätzliche Verhütungsmittel verzichten. Wenn Ihr Zyklus 60 Tage lang ist, haben Sie rund 40 Tage, die für Sie als fruchtbar gelten und in denen Sie andere Verhütungsmittel einsetzen müssen.

Partnerschaftliche Sexualität und Verantwortung

Letztendlich hängt die Gebrauchssicherheit der symptothermalen Methode auch davon ab, wie sehr Ihr Partner hinter der Methode steht und ob Sie offen mit ihm über Ihre Sexualität und Familienplanung sprechen können. Sie sollten versuchen, Ihren Partner aktiv in das Zyklusgeschehen mit einzubeziehen und beispielsweise die Zykluskurve gemeinsam betrachten und auswerten.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass die meisten Männer sehr aufgeschlossen gegenüber der symptothermalen Methode sind. Manche brauchen die Gewissheit, dass die Methode sicher ist. Aber viele sind insgeheim doch froh, wenn ihre Partnerin keine Hormone nimmt.

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